Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Wollt ihr Reis in der Milch zubereiten, so nehmt Reis und verlest ihn gründlich. Siedet davon etwa ein Viertelpfund. Nehmt ein halbes Pfund Mandeln, schlagt sie durch (im Mörser zerstoßen und passieren) und gießt die Milch an den Reis. Süßt ihn nach Belieben und serviert ihn.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| reis | Reis | 125 g | - | - |
| milich | Mandelmilch | - | gut sortierter Supermarkt, Reformhaus | selbstgemachte Mandelmilch aus gemahlenen Mandeln und Wasser |
| 1/2 talentum mandel | Mandeln, gemahlen | 250 g | Supermarkt (Backregal) | Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen |
| wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| etc. | Zucker oder Honig (optional) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Reis in Mandelmilch ist die unmittelbare Vorstufe des heutigen Milchreis beziehungsweise der internationalen Riz-au-lait-Familie: vorgekochter Reis wird in gesüßter Mandelmilch fertiggegart. Anders als der berühmte Blanc-Mangier - Reis, Mandelmilch und zerzupftes Hühnerfleisch - fehlt hier das Fleisch ganz; es ist die entfleischte, fastentaugliche Schwester desselben Grundmusters. Sein engster lebender Verwandter im Korpus ist teg-022 (Reismues mit Mandeln) aus dem Tegernseer Speisenbuch, das dasselbe Verfahren beschreibt.
Was mit „vierdung“ gemeint ist. Die Formulierung „sewdt sein als auff ein vierdung“ wurde bislang so gelesen, dass der Reis kocht, „bis er um ein Viertel an Volumen zugenommen hat“. Dafür gibt es im Text kein Verb und im Korpus keinen Beleg: „vierdung“ bezeichnet an allen anderen Stellen - etwa in bgs-001, wo „einen vierdung rises“ wörtlich „ein Viertelpfund Reis“ meint - ausschließlich eine feste Gewichtsmenge, nie eine Zunahme beim Garen. Näherliegend ist daher, dass mit dem Reis von vornherein eine Menge von etwa einem Viertelpfund (rund 125 g) gemeint ist - passend zur direkt danach genannten halben Talentum Mandeln (rund 250 g), die die Mengenrelation der beiden Hauptzutaten festlegt.
Praxis. Der Reis wird zunächst in Wasser vorgegart, danach mit der frisch gepressten Mandelmilch vermengt. Der Text bricht nach dem Zusammengießen mit „etc.“ ab, doch praktisch braucht es hier noch ein kurzes gemeinsames Aufkochen: Reis und Mandelmilch werden zusammen weitergeköchelt, bis der Reis vollends gar und die Masse sämig eingedickt ist - erst dann wird gesüßt und serviert. Ein Ansatz von etwa einem Viertelpfund (125 g) Reis auf ein halbes Pfund (250 g) gemahlene Mandeln ergibt eine ausgewogene, nicht zu dünne Konsistenz. Für 2-3 Portionen sollte man für das Mandelstoßen und -Durchschlagen von Hand eher 15-20 Minuten zusätzlich einplanen.
Ein „talentum“ war ein mittelalterliches Gewichtsmaß, das regional variierte. Im süddeutschen Raum entsprach es oft einem Pfund (ca. 500 g). Hier ist ein halbes Talentum, also ca. 250 g, gemeint.
Goldstandard: Dieses Gericht ist ideal für die Lagerküche. Es benötigt nur wenige, robuste Zutaten und lässt sich in einem Topf über offenem Feuer zubereiten.
Im mittelalterlichen Kontext, besonders in der Fastenzeit, war „Milich“ oft ein Synonym für Mandelmilch, die als pflanzlicher Milchersatz diente. Auch in diesem Rezept ist laut CoReMA-Glosse Mandelmilch gemeint.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (Österreich - Mondsee, Oberösterreich). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).
Ein „talentum“ war ein mittelalterliches Gewichtsmaß, dessen Wert regional variierte. Im süddeutschen Raum entsprach es oft einem Pfund (ca. 500 g). Hier ist ein halbes Talentum, also ca. 250 g, gemeint.
Im Kontext dieses Rezepts und laut CoReMA-Glosse ist mit „Milich“ Mandelmilch gemeint, eine häufige Zutat in der mittelalterlichen Küche, besonders in der Fastenzeit.
„Schonn“ ist eine bairisch-österreichische Variante von „schon“, hier im Sinne von „gründlich“ oder „sauber“. Der Reis soll also sorgfältig verlesen und gereinigt werden.
„Vierdung“ ist im Korpus durchweg ein Gewichts-/Mengenmaß von etwa einem Viertelpfund (ca. 125 g), niemals ein Faktor für eine Volumenzunahme beim Garen (vgl. bgs-001 „einen vierdung rises“ = ein Viertelpfund Reis, mha-004/005 „vierdung zucker“). Hier bezeichnet es die für dieses Rezept vorgesehene Reismenge.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| reis | rice Q5090 |
| milich | milk Q8495 |
| 1/2 talentum mandel | almond Q184357 |
| wasser | water Q283 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
sewdt sein als auff ein vierdung
Gewählte Lesart: Siedet den Reis, [und zwar] etwa auf ein Viertelpfund (rund 125 g) - „vierdung“ bezeichnet hier die vorgesehene Reismenge, nicht eine Volumenzunahme beim Garen.
etc.
Gewählte Lesart: Die Abkürzung „etc.“ deutet an, dass das Gericht nach dem Kochen der Mandelmilch mit dem Reis vermutlich gesüßt und serviert werden soll, wie es bei Milchreis üblich ist.
vnd gewss / vnd dy milich an den reis etc.
Gewählte Lesart: Nach dem Zusammengießen von Mandelmilch und vorgegartem Reis wird die Masse vermutlich noch gemeinsam weitergekocht, bis der Reis vollends gar und die Mischung eingedickt ist - erst danach gesüßt und serviert.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 11.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.