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Gebackene Käsestreifen

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit40 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm geriebenen Käse, und zwar fremden, und Mehl, von beidem gleich viel. Schlage Eier dazu und würze die Mischung. Knete alles gut durch und rolle den Teig auf einem Brett aus. Forme daraus lange, sehr dünne Streifen. Backe diese in reichlich Schmalz aus. Danach schneide die fertigen Streifen in eine Schüssel.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
geriben kaeß das ist fromde Geriebener Käse Supermarkt -
mel Mehl - -
ayr Eier - -
gewurcz es Gewürze - -
vil schmalcz Schmalz Metzger Pflanzenöl

Welches Gericht ist das? Im Geiste eine frühe Form frittierter Käsestangen - dünne, in Schmalz knusprig ausgebackene Käse-Teig-Streifen. Der nächste Verwandte im eigenen Korpus ist m5919-052 (fast wortgleicher Text), dazu die Fastenzeit-Variante mit Milch statt Ei kkm-076 und die zu Hufeisen gekrümmten Käsekrapfen rfk-041, ri15632-012, m384-077, mon-095 sowie die schlichteren Streifen aus m384-079.

Käse, Mehl, Ei - das Verhältnis. Der Text gibt Käse und Mehl yeglichs gleichs als vil (von beidem gleich viel) vor; das Ei kommt schrittweise dazu, bis ein fester, knetbarer Teig entsteht - er soll nicht kleben, aber auch nicht bröseln. Zu viel Ei lässt den Käse beim Ausbacken zerlaufen. Der Teig muss gar dunne (sehr dünn) ausgerollt werden - der Text nennt zwar keinen Grund, doch beim Frittieren bleibt ein dickerer Streifen innen roh, während die Außenseite schon dunkel wird. Die struczel (lange, dünne Streifen, nicht im Sinne eines modernen Strudels) werden erst nach dem Ausbacken in eine Schüssel geschnitten.

„fromde" - was für Käse? Fromde meint am ehesten fremd im Sinne von ausländisch/importiert - also einen geschätzten Importkäse wie den damals hochbegehrten Parmesan. Dafür spricht auch der zweite Beleg desselben Worts im Buch (mha-039, „ain fromdes pachens"), wo es ebenfalls im Sinne von fremdartig/ungewöhnlich gebraucht wird. Die Lesart „von guter Qualität, edel" bleibt daneben denkbar, ist aber schwächer belegt. Praktisch passt jeder kräftige, gut schmelzende Hartkäse (gereifter Bergkäse, Parmesan, kräftiger Gouda).

Praxis. Käse und Mehl im Verhältnis 1:1 mischen, Eier nach und nach einarbeiten, würzen (weißer Pfeffer, etwas Ingwer und Muskat schmeicheln dem Käse) und gut durchkneten. Auf dem Brett hauchdünn ausrollen, in lange schmale Streifen schneiden und in reichlich Schmalz bei mittlerer Hitze goldbraun ausbacken - die Temperatur stimmt, wenn ein Teigkrümel sofort aufsteigt und brutzelt. Sofort heiß servieren, bei Bedarf mit etwas Salz oder frischem Pfeffer.

Welche Art von Käse soll ich verwenden?

Das Rezept spricht von ‚fromde kaeß‘, was am ehesten ‚fremder‘, also ausländischer/importierter Käse bedeutet. Ein kräftiger Hartkäse wie Parmesan oder ein reifer Bergkäse passt gut. Auch ein milder Gouda oder Emmentaler sind denkbar, je nach gewünschtem Geschmack.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust, und das Ausbacken in Schmalz lässt sich gut über offenem Feuer in einem Topf oder einer Pfanne bewerkstelligen. Das Gericht sollte aber frisch und heiß serviert werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘, das um 1460 in Basel verfasst wurde - einer spätmittelalterlichen Kochrezeptsammlung aus dem alemannischen Sprachraum.

Was bedeutet ‚gewurcz es‘ - welche Gewürze soll ich nehmen?

Die Angabe ‚gewurcz es‘ ist typisch für mittelalterliche Rezepte und lässt viel Spielraum. Gängige Gewürze der Zeit, die gut zu Käse passen, wären Pfeffer, Ingwer, Muskat oder eine Prise Nelke. Auch Kümmel oder Fenchelsamen sind denkbar.

Ain gepachens mach also Item Nym ain geriben kaeß das ist fromde vnd mel vnd yeglichs gleichs als vil vnd schlahe ayr doran vnd gewurcz es vnd knit es durcheinannder vnd walgs vf ainem pret vnd mach dar aus lanng struczel gar dunne vnd pach es In vil schmalcz dornach schneid es In ain schussel .
fromde

Im Kontext von Käse bedeutet ‚fromde‘ hier am ehesten ‚fremd, ausländisch‘ - vermutlich ein importierter, hochwertiger Käse. Die Lesart ‚von guter, edler Qualität‘ ist als schwächer belegte Nebenlesart denkbar.

struczel

Lange, dünne Teigstreifen oder kleine Teigstücke, nicht im Sinne eines modernen Strudels.

schmalcz

Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, zum Ausbacken.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 050r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfromde kaeß

Gewählte Lesart: ‚Fremder‘, also ausländischer/importierter Käse. Dies ist die wahrscheinlichste Lesart: das Wort selbst bedeutet primär ‚fremd‘, und der zweite Beleg desselben Worts im Buch (mha-039, „ain fromdes pachens") wird ebenfalls im Sinne von fremdartig/ungewöhnlich gebraucht.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Von guter Qualität, edel‘. Ein hochwertiger Käse für ein Festtagsgericht wäre ebenfalls passend. - Fremde, importierte Ware war im Mittelalter oft positiv mit Wertigkeit konnotiert, auch wenn der Wortsinn selbst eher ‚fremd/ausländisch‘ als ‚edel‘ ist.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 050r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Robuste Vorratszutaten (Käse, Mehl, Eier, Schmalz), und das Ausbacken gelingt gut in der Pfanne oder im Topf über offenem Feuer. Frisch und heiß servieren.
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