Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm geriebenen Käse, und zwar fremden, und Mehl, von beidem gleich viel. Schlage Eier dazu und würze die Mischung. Knete alles gut durch und rolle den Teig auf einem Brett aus. Forme daraus lange, sehr dünne Streifen. Backe diese in reichlich Schmalz aus. Danach schneide die fertigen Streifen in eine Schüssel.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| geriben kaeß das ist fromde | Geriebener Käse | Supermarkt | - |
| mel | Mehl | - | - |
| ayr | Eier | - | - |
| gewurcz es | Gewürze | - | - |
| vil schmalcz | Schmalz | Metzger | Pflanzenöl |
Welches Gericht ist das? Im Geiste eine frühe Form frittierter Käsestangen - dünne, in Schmalz knusprig ausgebackene Käse-Teig-Streifen. Der nächste Verwandte im eigenen Korpus ist m5919-052 (fast wortgleicher Text), dazu die Fastenzeit-Variante mit Milch statt Ei kkm-076 und die zu Hufeisen gekrümmten Käsekrapfen rfk-041, ri15632-012, m384-077, mon-095 sowie die schlichteren Streifen aus m384-079.
Käse, Mehl, Ei - das Verhältnis. Der Text gibt Käse und Mehl yeglichs gleichs als vil (von beidem gleich viel) vor; das Ei kommt schrittweise dazu, bis ein fester, knetbarer Teig entsteht - er soll nicht kleben, aber auch nicht bröseln. Zu viel Ei lässt den Käse beim Ausbacken zerlaufen. Der Teig muss gar dunne (sehr dünn) ausgerollt werden - der Text nennt zwar keinen Grund, doch beim Frittieren bleibt ein dickerer Streifen innen roh, während die Außenseite schon dunkel wird. Die struczel (lange, dünne Streifen, nicht im Sinne eines modernen Strudels) werden erst nach dem Ausbacken in eine Schüssel geschnitten.
„fromde" - was für Käse? Fromde meint am ehesten fremd im Sinne von ausländisch/importiert - also einen geschätzten Importkäse wie den damals hochbegehrten Parmesan. Dafür spricht auch der zweite Beleg desselben Worts im Buch (mha-039, „ain fromdes pachens"), wo es ebenfalls im Sinne von fremdartig/ungewöhnlich gebraucht wird. Die Lesart „von guter Qualität, edel" bleibt daneben denkbar, ist aber schwächer belegt. Praktisch passt jeder kräftige, gut schmelzende Hartkäse (gereifter Bergkäse, Parmesan, kräftiger Gouda).
Praxis. Käse und Mehl im Verhältnis 1:1 mischen, Eier nach und nach einarbeiten, würzen (weißer Pfeffer, etwas Ingwer und Muskat schmeicheln dem Käse) und gut durchkneten. Auf dem Brett hauchdünn ausrollen, in lange schmale Streifen schneiden und in reichlich Schmalz bei mittlerer Hitze goldbraun ausbacken - die Temperatur stimmt, wenn ein Teigkrümel sofort aufsteigt und brutzelt. Sofort heiß servieren, bei Bedarf mit etwas Salz oder frischem Pfeffer.
Das Rezept spricht von ‚fromde kaeß‘, was am ehesten ‚fremder‘, also ausländischer/importierter Käse bedeutet. Ein kräftiger Hartkäse wie Parmesan oder ein reifer Bergkäse passt gut. Auch ein milder Gouda oder Emmentaler sind denkbar, je nach gewünschtem Geschmack.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust, und das Ausbacken in Schmalz lässt sich gut über offenem Feuer in einem Topf oder einer Pfanne bewerkstelligen. Das Gericht sollte aber frisch und heiß serviert werden.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘, das um 1460 in Basel verfasst wurde - einer spätmittelalterlichen Kochrezeptsammlung aus dem alemannischen Sprachraum.
Die Angabe ‚gewurcz es‘ ist typisch für mittelalterliche Rezepte und lässt viel Spielraum. Gängige Gewürze der Zeit, die gut zu Käse passen, wären Pfeffer, Ingwer, Muskat oder eine Prise Nelke. Auch Kümmel oder Fenchelsamen sind denkbar.
Im Kontext von Käse bedeutet ‚fromde‘ hier am ehesten ‚fremd, ausländisch‘ - vermutlich ein importierter, hochwertiger Käse. Die Lesart ‚von guter, edler Qualität‘ ist als schwächer belegte Nebenlesart denkbar.
Lange, dünne Teigstreifen oder kleine Teigstücke, nicht im Sinne eines modernen Strudels.
Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, zum Ausbacken.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
fromde kaeß
Gewählte Lesart: ‚Fremder‘, also ausländischer/importierter Käse. Dies ist die wahrscheinlichste Lesart: das Wort selbst bedeutet primär ‚fremd‘, und der zweite Beleg desselben Worts im Buch (mha-039, „ain fromdes pachens") wird ebenfalls im Sinne von fremdartig/ungewöhnlich gebraucht.
Andere mögliche Lesart:
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