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Käsestreifen in Brühe

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfach
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (~1470)

Original - Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)

Käsestreifen in Brühe - Originalseite aus Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384)
Fol. 115r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 384 (2. Hälfte 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz

Transkription - Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)

baches In ainem Jussel

CZuo ainem bachem In ainem Jussel nyem geryben kasz vnd mell vnd schlach daran ayer vnd bewurtz es wol vnd knytz vnder ain andren vnd will es vff ainem brett vnd mach daruss lang schrentzen vnd dunne vnd bachs In schmaltz dar nach so schnutz in ainen Jussel

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M2 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

LagerkücheLagerküche-Tipp: Im Topf oder in der Pfanne am Feuer in etwa 30 Minuten fertig. Käse und Eier benötigen eine moderate Kühlung, sind aber für einen Markttag unkritisch. Die Brühe kann vorbereitet mitgebracht oder frisch angesetzt werden.

Nimm für ein Backwerk in Brühe geriebenen Käse und Mehl, schlage Eier daran und würze es gut. Knete es untereinander und welle es auf einem Brett aus. Forme daraus lange und dünne Streifen.

Backe die Streifen in Schmalz aus. Danach schneide sie in eine Brühe.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
geryben kasz Geriebener Käse Supermarkt -
mell Mehl Supermarkt -
ayer Eier Supermarkt -
bewurtz es wol Gewürze (nach Geschmack) - Salz, Pfeffer, Muskat
schmaltz Schmalz Supermarkt Pflanzenöl oder Butter
Jussel Brühe Supermarkt -

Lagerküche Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Das ist im Geiste eine Art herzhafte, gebratene Käsespätzle oder -nocken, die in einer kräftigen Brühe serviert werden - ein einfaches, aber sättigendes Gericht, verwandt mit den mittelalterlichen Käse-Krapfen.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der richtigen Teigkonsistenz und der Hitzeführung beim Braten. Nimm als Startpunkt gleiche Mengen geriebenen, festen Käses und Mehls. Schlage dann gerade so viele Eier daran, dass ein fester, gut knetbarer Teig entsteht - er sollte nicht kleben. Knete ihn gründlich, bis er geschmeidig ist. Rolle den Teig auf einem leicht bemehlten Brett wirklich dünn aus, etwa 1-2 Millimeter, und schneide daraus lange, schmale Streifen. Erhitze das Schmalz in einer Pfanne auf mittlere Hitze; es sollte heiß genug sein, dass die Streifen schnell goldbraun werden, aber nicht verbrennen. Backe die Streifen portionsweise aus, bis sie ansprechend gebräunt und gar sind. Der häufigste Fehler ist ein zu weicher Teig, der sich schlecht ausrollen lässt oder beim Braten zerfällt; gib dann noch etwas Mehl dazu. Nach dem Braten werden die Streifen direkt in die heiße Brühe geschnitten.

So wird es richtig gut. Die Qualität der Brühe ist entscheidend; eine kräftige, klare Fleisch- oder Gemüsebrühe bildet die perfekte Basis. Würze den Teig selbst gut aus - frisch gemahlener Pfeffer und eine Prise Muskat passen hervorragend zum Käse. Du kannst auch eine Spur Ingwerpulver hinzufügen, um die mittelalterliche Würzung zu unterstreichen. Achte darauf, dass die Brühe gut abgeschmeckt ist, vielleicht mit einem Hauch Verjus oder Essig, um eine feine Säurenote zu erhalten, die die Fettigkeit des Schmalzes ausbalanciert und das Gericht belebt. Serviere die Käse-Streifen sofort in der heißen Brühe, damit sie sich leicht vollsaugen können, aber noch ihren Biss behalten.

Anmerkungen

Jussel

Eine Brühe oder Suppe, in der das Backwerk serviert wird. Der Begriff ist verwandt mit dem modernen ‚Jus‘.

bewurtz es wol

‚Würze es gut‘. Typische Gewürze der Zeit für herzhafte Gerichte waren Salz, Pfeffer, Ingwer und Muskat.

Schmalz

Tierisches Fett, meist Schweineschmalz, das zum Ausbacken verwendet wurde. In der Fastenzeit wurde stattdessen Pflanzenöl oder Mandelmilch-Fett verwendet.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbaches / bachem

Gewählte Lesart: ‚Backwerk‘ oder ‚Gebäck‘. Dies bezieht sich auf eine Art von frittiertem Teig oder Krapfen.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Bach‘ (Fluss/Strom). - Diese Lesart ist im Kochkontext unwahrscheinlich, da die Zubereitung eindeutig auf ein Teigprodukt hindeutet, das gebacken oder frittiert wird.

Lesartschrentzen

Gewählte Lesart: ‚Streifen‘. Dies beschreibt die Form des Teigs, der lang und dünn geschnitten wird.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Strutzel‘ (kleine Rollen oder Gebäckstücke). - Die Parallelhandschrift (ka1 #77) verwendet den Begriff ‚strutzel‘, was ebenfalls eine plausible Form für das Gebäck wäre. ‚Streifen‘ passt jedoch besser zur Beschreibung ‚dunne‘ (dünn).

Lesartbewurtz

Gewählte Lesart: ‚würze‘. Ein gängiges Verb im Frühneuhochdeutschen für das Hinzufügen von Gewürzen.

Lesartknytz

Gewählte Lesart: ‚knete‘. Ein gängiges Verb im Frühneuhochdeutschen für das Bearbeiten von Teig.

Häufige Fragen

Was ist ein ‚Jussel‘?

Ein ‚Jussel‘ ist eine Brühe oder eine dünne Suppe. In diesem Rezept werden die ausgebackenen Käsestreifen darin serviert, was dem Gericht eine saftige Konsistenz und zusätzlichen Geschmack verleiht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur einfache Zutaten und eine Pfanne oder einen Topf über dem Feuer. Die Zubereitung ist schnell und unkompliziert. Käse und Eier sollten gekühlt gelagert werden, was mit einer Kühlbox meist problemlos möglich ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus den Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384), die um 1470 in frühneuhochdeutscher Sprache (alemannischer Dialekt) verfasst wurden. Es ist ein Beispiel für die bürgerliche Küche des späten 15. Jahrhunderts aus dem südwestdeutschen Raum.

Welche Gewürze soll ich verwenden, wenn das Rezept nur ‚würze es gut‘ sagt?

Für ein herzhaftes Käsegericht wie dieses sind Salz und Pfeffer die Grundgewürze. Du kannst es zusätzlich mit einer Prise Muskatnuss oder etwas gemahlenem Ingwer verfeinern, um einen authentischen mittelalterlichen Geschmack zu erzielen.

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