Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate

Gebackene Käse-Hufeisen

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichEinfach
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Original - Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)

Gebackene Käse-Hufeisen - Originalseite aus Klosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632)
Fol. 144v, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz

Transkription - Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)

Item nym geriben kaß der gut sey vnd halb als vil mel vnd schlach ayer dar an daz ez sich laß wellen vnd puluer daz wol vnd wirch ez auff einem prett lang alz die wurst vnd mach ez thun dun vnd krumpt ez alz die hueff eysen vnd pachs also in schmaltz

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

LagerkücheLagerküche-Tipp: Im Lager gut machbar: Robuste Zutaten, einfache Zubereitung auf einem Brett und schnelles Ausbacken in der Pfanne über dem Feuer.

Nimm geriebenen Käse von guter Qualität und halb so viel Mehl. Schlage Eier dazu, sodass sich der Teig rollen lässt. Würze ihn gut (bestreue ihn mit Gewürzpulver).

Verarbeite den Teig auf einem Brett zu einer langen Wurst. Mache ihn dünn und krümme ihn wie ein Hufeisen. Backe ihn dann in Schmalz aus.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
geriben kaß der gut sey Geriebener Käse - -
halb als vil mel Mehl - -
ayer Eier - -
schmaltz Schmalz - Pflanzenöl

Lagerküche Zubereitungshinweis

Zur Form: Die langen, dünnen Teigstücke werden vor dem Frittieren zu Hufeisen-Bögen gebogen - das ist der Sinn der Wendung "krümme es wie ein Hufeisen". Der Teig aus geriebenem Käse und halb so viel Mehl, mit Eiern gebunden, wird kurz miteinander erhitzt bzw. verknetet, bis er sich gut ausrollen lässt; "puluer daz wol" meint dabei kräftig würzen (mit Gewürzpulver bestreuen), nicht mehlen. Dann zu einer langen, dünnen Wurst rollen, wie ein Hufeisen biegen und in reichlich Schmalz goldbraun ausbacken.

Im Unterschied zur fast wortgleichen Fassung im Rheinfränkischen Kochbuch (rfk-041), die die Hufeisen zum Schluss noch in einer Brühe anrichtet, enden die Rott-am-Inn-Hufeisen direkt nach dem Frittieren - ein knuspriges Käsegebäck, das warm gereicht wird.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpuluer daz wol

Gewählte Lesart: bestäube es gut mit Mehl

Andere mögliche Lesarten:

  • arbeite es gut ein - Das Verb 'pulvern' kann auch bedeuten, etwas zu einer feinen, pulverartigen Konsistenz zu verarbeiten oder gut zu kneten. Im Kontext der Teigzubereitung wäre dies ebenfalls denkbar.
  • würze es gut mit Pulver/Gewürz - Das Wort 'Pulver' bezeichnete im Mittelalter oft gemahlene Gewürze. Ohne die Nennung eines spezifischen Gewürzes und im Kontext der Teigverarbeitung ist diese Lesart jedoch weniger wahrscheinlich.

Häufige Fragen

Was bedeutet 'puluer daz wol'?

'puluer daz wol' heißt 'würze es gut' bzw. 'bestreue es gut mit Gewürz(pulver)' - NICHT 'mit Mehl bestäuben'. 'Pulver' meint im mittelalterlichen Kochwortschatz die gemahlene Gewürzmischung (so auch Ehlert §2.6: 'puluer = bestreu mit Gewürz').

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und leicht zu transportieren (Käse und Eier benötigen eine leichte Kühlung, sind aber für einen Tag im Lager unproblematisch). Die Zubereitung ist einfach und erfordert nur grundlegendes Equipment wie ein Brett, eine Pfanne und eine Feuerstelle.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn in Bayern, datiert auf die Jahre 1458 und 1464. Es ist ein Beispiel für die spätmittelalterliche Klosterküche in Süddeutschland.

Was sind 'Hufeisen' in diesem Kontext?

Die 'Hufeisen' beziehen sich auf die Form des Gebäcks. Der Teig wird dünn ausgerollt und dann wie ein Hufeisen gekrümmt, bevor er in Schmalz ausgebacken wird. Es handelt sich also um kleine, hufeisenförmige Käsegebäcke - fast wortgleich im Rheinfränkischen Kochbuch (rfk-041).

Alle Rezepte aus Klosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.