Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Reibe guten Käse und nimm ebenso viel Mehl dazu. Schlage Eier daran, bis er sich auswellen lässt. Würze den Teig gut mit Gewürzpulver.
Rolle den Teig auf einem Tisch zu einer Rolle aus, so dass er wie eine Wurst aussieht, und biege ihn dann zu einem Hufeisen. Backe es in Schmalz aus.
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| guoten kaeß | Käse, gerieben | - | - | Ein fester, gut reibbarer Käse wie Bergkäse oder alter Gouda passt am besten |
| als vil melbs | Mehl, gleiche Menge wie der Käse | - | - | - |
| ayr | Eier | - | - | - |
| puluer | Gewürzpulver | - | - | Eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer und etwas Salz ist eine gute zeittypische Wahl |
| schmalcz | Schmalz zum Ausbacken | - | - | Pflanzenöl funktioniert auch, verändert aber den Geschmack |
Welches Gericht ist das? Ein herzhafter Käse-Ei-Mehl-Teig, der zur Rolle geformt, zum Hufeisen gebogen und in Schmalz ausgebacken wird - eine Fett-Fritur, kein Ofengebäck. In der Substanz ist das eine Vorstufe dessen, was man heute als herzhafte Käsekrapfen kennt; die eigentliche Pointe liegt aber in der Form selbst, die dem Alltagsteig vor dem Backen aufgeprägt wird - näher verwandt mit der bis heute lebendigen Praxis, Teig vor dem Backen zu einer erkennbaren Form zu biegen (etwa bei der Brezel), als mit einer bestimmten modernen Käsegebäck-Sorte. Der Rezepttyp ist über vier weitere Fassungen hinweg belegt (Mondseer Kochbuch, Reichenauer Kochbuch und zwei weitere Handschriften) und damit kein singuläres Kuriosum.
Eine Besonderheit gegenüber diesen Parallelfassungen: mha-119 selbst verlangt gleiche Teile Mehl und Käse, während die anderen Fassungen an derselben Stelle nur die halbe Mehlmenge nennen. Das ist eine echte Zeugenvariante, keine Übersetzungsungenauigkeit - der Text ist hier eindeutig.
Praxis. Käse reiben und mit Mehl vermengen - mit gleichen Teilen wie im Text wird der Teig deutlich weicher und öliger als mit der von den Parallelfassungen genannten halben Mehlmenge; wer das Rollen und Biegen erleichtern will, kann sich an dieser geringeren Mehlmenge orientieren. Ei einarbeiten, bis sich der Teig auswellen lässt, mit Pfeffer, Ingwer und etwas Salz würzen. Auf einem Brett zu einer Wurst rollen und zum Hufeisen biegen. In Schmalz in der Pfanne ausbacken, bis der Teig durchgegart und die Oberfläche gebräunt ist - Temperatur und Bräunungsgrad stehen nicht im Text, sind aber die naheliegende Garprobe bei dieser Fritur.
Formgebundene Speisen waren an höfischen Tafeln des 15. Jahrhunderts beliebt, weil sie beim Servieren einen optischen Überraschungseffekt hatten. Der Käseteig wird zunächst wie eine Wurst gerollt und dann einfach zum Hufeisen gebogen, bevor er gebacken wird.
Ja, sehr gut. Käse reiben, Mehl und Ei einarbeiten, würzen, rollen, biegen und in der Pfanne mit Schmalz ausbacken, das gesamte Rezept ist in einer knappen halben Stunde am Feuer erledigt und braucht kein besonderes Equipment.
Das ist eine Anweisung zum Würzen, nicht zum Bestäuben mit Mehl. 'Puluer' meint hier Gewürzpulver, im 15. Jahrhundert typischerweise eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer und ähnlichen Gewürzen.
Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch des Meisters Hans (1460, Württemberg / Basel). Vollständiges Kochbuch des Küchenmeisters Graf Ulrichs V. von Württemberg, geschrieben 1460. Einzig erhaltener Textzeuge: Cod. AN V 12 der Universitätsbibliothek Basel. Enthält Senf- und Hanfspeisen, Fastenkost, Schau- und Scherzgerichte sowie ein eigenes Register vorneweg.
Hufeisen. Der Käseteig wird bewusst wurstförmig gerollt und dann zu dieser Form gebogen, bevor er in Schmalz gebacken wird, ein kleines Schaustück für die Tafel.
Hier als Verb zu lesen: 'würze gut', nicht 'bestäube mit Mehl'. Das Mehl steht bereits vorher im Text ('melbs').
Von mhd. krümmen, 'biege/krümme'. Beschreibt das Formen des Teigstrangs zur Hufeisenform.
Gleiche Menge Mehl wie Käse. Die eng verwandten Fassungen mon-095, ka1-075, ri15632-012 und m384-077 verlangen an derselben Stelle nur die halbe Mehlmenge - eine echte Zeugenvariante zwischen den Fassungen, kein Übersetzungsfehler.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Verb-Lesart: 'würze das gut' mit Gewürzpulver, nicht 'bestäube mit Mehl'.
Andere mögliche Lesart:
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