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Krumme Krapfen wie Hufeisen

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen4-6 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Für krumme Krapfen, die wie Hufeisen geformt sind, reibe guten Käse. Nimm die Hälfte dieser Menge an Mehl und schlage Eier darunter, damit sich der Teig besser ausrollen lässt. Würze den Teig ausreichend.

Rolle ihn auf einer Arbeitsfläche zu einer Wurst. Daraus forme dann krumme Krapfen wie Hufeisen. Diese werden sehr gut und sind überaus bekömmlich für den, der sie in den Mund schiebt. Backe sie anschließend in Schmalz.

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
guoten kaeß Geriebener Käse - - Ein fester, würziger Käse wie Bergkäse oder alter Gouda
halb als vil mel Mehl (die Hälfte der Käsemenge) - - -
ayer (inferred from m384-077) Eier - - -
gewurtz es gnuog Gewürze - - Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskat
schmalcz Schmalz - - Pflanzenöl oder Butterschmalz

Welches Gericht ist das?

Ein Käse-Ei-Mehl-Teig wird zu einer Wurst gerollt, hufeisenförmig gebogen und in Schmalz ausgebacken - ein herzhafter Käseteigling aus der Krapfen-Familie. Die namensgebende Hufeisenform verbindet dieses Rezept mit einem breiten Cluster verwandter Rezepte über mehrere Handschriften hinweg (m384-077, ri15632-012, rfk-041, mha-121). Eine lebende Fortsetzung unter diesem Namen gibt es nicht mehr; am ehesten vergleichbar sind herzhafte Käsekrapfen bzw. Käsefritter der süddeutsch-österreichischen Küche.

Die Bindung mit Ei.

Der Originaltext nennt beim Unterschlagen keine Zutat ausdrücklich (‚schlach dar vndern‘). Aus der eng verwandten Parallelüberlieferung m384-077 (‚schlach ayer dar= vnder‘) - unabhängig bestätigt durch ri15632-012 und rfk-041 - ergibt sich, dass Eier untergeschlagen werden. Sie liefern die Bindung und Elastizität, damit sich der Käse-Mehl-Teig überhaupt zu einer Wurst rollen und zum Hufeisen biegen lässt, ohne zu reißen - genau die im Text selbst genannte Funktion (‚damit sich der Teig besser ausrollen lässt‘).

Praxis.

Käse reiben, die halbe Menge an Mehl untermischen, Eier unterschlagen und großzügig würzen. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einer Wurst rollen, zu Hufeisen biegen und in heißem Schmalz ausbacken. Die Ei-Menge und die genaue Backzeit bzw. -temperatur nennt der Text nicht - das überlässt er der Erfahrung des Kochs; mittlere Hitze und ein Probestück vorab sind ein guter Anhaltspunkt.

Welche Gewürze soll ich für die Krapfen verwenden?

Das Rezept gibt keine spezifischen Gewürze an, was typisch für mittelalterliche Kochbücher ist. Du kannst eine Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat verwenden, um einen authentischen Geschmack zu erzielen. Auch Kümmel oder Anis wären denkbar.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und einfach zu transportieren, und die Zubereitung (Teig kneten, formen, in Schmalz ausbacken) ist mit einfachem Lager-Equipment wie Topf oder Pfanne über offenem Feuer schnell und unkompliziert möglich.

Warum steht im Rezept, dass die Krapfen 'gesund' sind?

Mittelalterliche Kochbücher enthielten oft diätetische oder medizinische Hinweise, die auf der Humoralpathologie basierten. ‚Gesund‘ bezog sich hier auf die Ausgewogenheit der Säfte im Körper und die vermeintliche Bekömmlichkeit der Speise, nicht auf moderne ernährungswissenschaftliche Kriterien.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee)). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

bachen krumb krampfen Zuo krumben krapfen als roß ysen So solt du riben guoten kaeß vnd nem halb als vil mel vnd schlach dar vndern daz es sich dester baz wellen lauß vnd gewurtz es gnuog vnd wil es vf ainen banck daz es werd als wurst dar uß mach denn krump krapfen als roß ysen die wirt gar guot vnd fast gesund der sy schubt in den mund vnd sol si bach im schmalcz
krumb krampfen

‚Krumme Krapfen‘. Krapfen war im Mittelalter eine allgemeine Bezeichnung für Gebäck, das oft frittiert oder gebacken wurde und sowohl süß als auch herzhaft sein konnte.

roß ysen

‚Hufeisen‘. Die Krapfen sollen in der Form von Hufeisen zubereitet werden.

gewurtz es gnuog

‚Würze es genug‘. Eine typische mittelalterliche Anweisung, die dem Koch die genaue Gewürzmischung und -menge überlässt. Üblich waren Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat.

bach im schmalcz

‚Backe sie in Schmalz‘. Bedeutet hier ‚frittieren‘ oder ‚ausbacken‘ in heißem Fett.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartschlach dar vndern

Gewählte Lesart: Schlage Eier darunter.

Andere mögliche Lesart:

  • Schlage etwas (undefiniertes) darunter. - Der Originaltext lässt die Zutat offen. Ohne die Ergänzung durch die Parallelüberlieferung wäre unklar, was genau untergeschlagen werden soll, um den Teig rollbar zu machen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf oder in der Pfanne über offenem Feuer schnell zubereitet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung, was es zu einem guten Lagergericht macht.
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