Rheinfränkisches Kochbuch (ohne Originaltitel; Ms. germ. fol. 244, fol. 285r-294v) · Mittelrhein · 1445
Wenn du einen Wachtelbrei zubereiten möchtest, nimm eine oder so viele Wachteln, wie du wünschst. Siede sie in einem Topf. Danach hebe die Wachteln heraus und koche Hirse in der entstandenen Wachtelbrühe. Röste die Wachteln auf einem Rost. Serviere die gerösteten Wachteln auf dem Hirsebrei.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| wachtelen | Wachteln | Geflügelhändler | - |
| hyrsen | Hirse | - | - |
| Wasser | Leitung | - | |
| Salz | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein zweistufiges Festtagsgericht: Hirsebrei, gekocht in der Brühe von Wachteln, mit den darauf angerichteten, am Rost gerösteten Wachteln. Im Kern die gehobene Variante des schlichten Hirsebreis (vgl. men-136) - dieselbe Getreidebasis, aber mit Geflügelbrühe statt Wasser gekocht und mit Braten gekrönt. Die Schwester im selben Buch ist rfk-024 (Wachtel mit viel Petersilienkraut).
Brühe zweifach genutzt. Die Wachteln werden erst im Topf gesotten - das gart sie vor und ergibt zugleich eine kräftige wachtelen bruwe. In dieser Brühe quillt anschließend die Hirse zu einem aromatischen Brei; der gesamte Geschmack der Vögel wandert so in das Getreide. Nichts wird weggeschüttet - typische Sparsamkeit und Aromaführung der Zeit.
Roiste die wachtel uff eym roist - Rösten zum Abschluss. Die vorgegarten Wachteln kommen zum Schluss auf den Rost über die Glut. Das gibt Bräune, Röstaroma und eine knusprige Haut, die das gekochte Fleisch allein nicht hätte. Serviert werden sie ganz auf dem Hirsebrei - Wachteln sind kleine Vögel, die man bei Tisch ganz nimmt und das Fleisch von den feinen Knochen löst; ein Entbeinen ist weder genannt noch nötig.
Praxis. Pro Person eine bis zwei küchenfertige Wachteln in leicht gesalzenem Wasser etwa 15-20 Minuten sieden, herausnehmen. In der Brühe Hirse (etwa 60 g pro Person, gut gewaschen) weich quellen lassen, bei Bedarf Brühe oder Wasser ergänzen, bis ein sämiger Brei entsteht. Die Wachteln über Glut oder unter dem Grill rundum knusprig rösten und auf dem Hirsebrei anrichten. Wer mag, würzt den Brei mit etwas Salz und Pfeffer; das Gericht lebt vom puren Brühe-Wachtel-Aroma.
Ja. Topf und Rost am Feuer, zwei Gaenge in etwa 60 Minuten. Wachtel tagesfrisch oder im Kuehlakku, sonst unkritisch.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Rheinfränkischen Kochbuch', das um 1445 verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die bürgerliche Küche des Spätmittelalters im rheinfränkischen Raum.
Der 'Rost' (mhd. 'roist') bezeichnet hier eine Vorrichtung zum Braten oder Rösten über direkter Hitze oder Glut. Im Mittelalter wurden dafür sowohl Metallroste als auch Roste aus frischem, grünem Holz verwendet. Für Wachteln ist ein Metallrost oder ein Bratspieß am praktischsten. Wenn du einen hölzernen Rost verwenden möchtest, lies unsere Grundlagen-Seite zum hölzernen Rost für Details zur sicheren Anwendung.
Die Brühe vom Vorsieden der Wachteln - sie wird gleich als Garflüssigkeit für die Hirse weiterverwendet, sodass das Vogelaroma in den Brei übergeht.
Die vorgegarten Wachteln werden am Rost über der Glut geröstet - Bräune und Röstaroma als Abschluss, das gekochte Fleisch allein hätte keine Kruste.
Mittelhochdeutsch ‚Brei/Mus‘ - eine dickflüssige Speise, hier aus Hirse.
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