München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Nimm dazu welschen Wein und ein wenig Semmelbrösel. Streiche die Mischung zusammen durch ein Tuch. Gib Zucker hinein; hast du keinen Zucker, so nimm Honig an dessen Stelle.
Gib die Masse in ein kleines Töpfchen und setze es auf glühende Kohlen. Rühre es stetig, bis es dick wird. Dann nimm es herunter und versalze es nicht.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ayr totteren | Eigelb | - | - |
| wel= hisch wein | Welscher Wein | gut sortierter Supermarkt, Weinhandel | trockener Weißwein |
| ain wenig semel | Ein wenig Semmelbrösel | - | geriebenes Weißbrot |
| zucher | Zucker | - | Honig |
Welches Gericht ist das? Ein süßes Eidotter-Wein-Mus - ein direkter Vorfahr der Zabaglione/Weinschaumcreme: Eigelb mit Wein, etwas Semmel und Zucker (oder Honig) auf Kohlen cremig dick gerührt.
Die Technik. Welschen Wein und etwas Semmelbrösel mit den Eidottern durch ein Tuch streichen, süßen, in einem Töpfchen auf glühenden Kohlen stetig rühren, bis es dick wird - dann sofort von der Hitze. Nicht versalzen.
Naher Korpus-Zwilling. Praktisch dasselbe Rezept steht im Klosterkochbuch Rott am Inn (ri15632-027, ebenfalls ‚Eigelbmus mit Wein und Semmel') und als Weinmus ri15632-050 - eine weit verbreitete süße Eier-Wein-Creme.
Praxis. Wie Zabaglione: Eigelb, süßer Wein, etwas Zucker über sanfter Hitze schaumig-dick rühren; Semmelbrösel geben etwas Bindung.
'Welscher Wein' bezeichnete im Mittelalter italienischen Wein. Du kannst einen trockenen Weißwein verwenden.
Goldstandard: Dieses einfache Eigelbmus lässt sich mit wenigen Zutaten und einem kleinen Topf über glühenden Kohlen schnell zubereiten. Eigelb benötigt zwar Kühlung, ist aber für den Tagesbedarf gut zu handhaben.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Regensburger Kochbuch‘ (Cgm 5919), einer Handschrift aus Regensburg um 1500-1510. Es repräsentiert die gehobene bürgerliche Küche dieser Zeit in Mittelbayern.
Die Warnung ‚versalze es nicht‘ ist wörtlich zu verstehen. Salz wurde im Mittelalter auch in süßen Speisen als Geschmacksverstärker eingesetzt. Die Formulierung kann aber auch eine allgemeine Mahnung sein, das Gericht nicht zu überwürzen, unabhängig von der Geschmacksrichtung.
Welscher (italienischer/südländischer) Wein - meist ein süßerer, kräftiger Wein.
Eidotter - die Basis des Muses; das Eiweiß bleibt außen vor.
Auf glühenden Kohlen stetig (‚vorsichtig/fürsichtig') rühren, damit es bindet, ohne zu gerinnen.
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