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Eigelbmus mit Wein und Semmel

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10BrotBrot / BackwerkHöfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Wenn du ein Mus von Eigelb zubereiten möchtest, nimm dazu guten Wein und ein wenig geriebenes Semmelbrot.

Streiche diese Mischung miteinander durch ein Tuch.

Gib dann Zucker oder Honig hinzu und fülle alles in einen Topf. Setze den Topf auf Glut und rühre, bis die Masse dick wird. Nimm das Mus dann beiseite und achte darauf, es nicht zu versalzen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ayer toter Eigelb - -
guten wein Guter Wein - -
ein wenig geriben semel Ein wenig geriebene Semmel - Paniermehl
zucker Zucker - Honig

Welches Gericht ist das? Ein süßes Eigelb-Wein-Mus - Eidotter mit gutem Wein und etwas geriebener Semmel durch ein Tuch gestrichen, gesüßt und über Glut cremig eingedickt. Im Geist die direkte Verwandte von Weinschaumcreme / Zabaglione.

Technik. Eidotter, guten Wein und ein wenig geriebene Semmel (geriben semel = Weißbrot, kein Mehl) zusammen durch ein Tuch passieren, mit Zucker oder Honig süßen, im Topf über milder Glut unter ständigem Rühren eindicken, bis die Masse sämig ist - dann sofort von der Hitze nehmen, sonst gerinnt das Ei.

Praxis. Auf 4 Eidotter etwa 100 ml lieblichen Wein, 1 EL geriebene Semmel und Zucker nach Geschmack; im Wasserbad oder bei kleinster Hitze cremig rühren (wie Zabaglione). Die geriebene Semmel gibt etwas Bindung. Warm oder kalt. Die Schlussformel ‚versalze nicht' meint hier nur: nicht übersalzen - es ist ein süßes Mus.

Was ist ein 'Mus von Eigelb'?

Ein süßes, cremiges Gericht aus Eigelb, Wein und Brot, das mit Zucker oder Honig gesüßt wird. Es hat eine puddingartige Konsistenz.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur einfache Zutaten und Utensilien wie einen Topf und eine Feuerstelle mit Glut. Die Zubereitung ist in etwa 20-30 Minuten abgeschlossen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632)', einer bairischen Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn, datiert auf die Jahre 1458 und 1464. Es ist ein Beispiel für die spätmittelalterliche Klosterküche.

Was bedeutet 'ayer toter' im Rezept?

'Ayer toter' bezieht sich auf das Eigelb. Das Wort 'Toter' ist eine bairische oder frühneuhochdeutsche Form von 'Dotter'.

Item wildu machen ein gemueß von ayer toter so nym dar zw guten wein vnd ein wenig geriben semel vnd streych daz mit ein ander durch ein thuech vnd thue dar ein zucker oder honick vnd thue daz in ein hefen vnd setz en auff ein glut vnd ruer ez vntz ez dick wirt so nym en sunder vnd versaltz nicht
semel

Geriebene Semmel (Weißbrot), dient als leichte Bindung. Im Mittelalter wurde mit Brot/Semmel gebunden, nicht mit Mehl.

thuech

Ein feines Tuch zum Passieren der Masse, um eine glatte Konsistenz zu erzielen.

hefen

Ein Topf oder Kessel, der direkt auf die Glut gesetzt wird.

glut

Glühende Kohlen, die eine gleichmäßige, milde Hitze abgeben - wichtig, damit das Eigelb nicht gerinnt.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632
Folio
Fol. 146v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)
Entstehung
Rott am Inn, Oberbayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartayer toter

Gewählte Lesart: Eigelb. ‚Toter' ist eine bairische/frühneuhochdeutsche Form von ‚Dotter'.

Lesartversaltz

Gewählte Lesart: ‚versalze es nicht' - eine formelhafte Schlusswarnung des Buches, die Speise nicht zu übersalzen. Bei diesem süßen Mus ohnehin nur am Rande relevant.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 146v, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Im Topf über Glut in etwa 20-30 Minuten zubereitet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung, ideal für die Lagerküche.
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