Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Frittierte Zuckerwurzeln mit Zucker oder als Pastete

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichVeganVegan
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4 Personen als BeilageBuchMénagier de Paris (~1393)

Zuckerwurzeln. Die frischesten, die im Januar, Februar oder später aus der Erde gezogen werden, sind die besten. Frische Wurzeln erkennst du daran, dass sie beim Biegen brechen, während alte Wurzeln sich nur biegen. Schabe die Wurzeln und entferne die schlechten Stellen mit einem Messer, wie du es bei Steckrüben tun würdest. Wasche sie danach sehr gründlich in lauwarmem Wasser, koche sie dann kurz vor und lasse sie auf einem Tuch abtrocknen. Bestäube sie anschließend mit Mehl, frittiere sie und richte sie dann ansprechend in kleinen Scheiben an. Bestreue sie zum Schluss mit Zucker.

Wer daraus Pasteten zubereiten möchte, verfahre wie oben beschrieben bis zum Frittieren. Lege die frittierten Zuckerwurzeln, die zu langen in zwei gebrochen, in eine Pastete. Anstelle des Zuckers gibst du kleingeschnittene Feigen und Rosinen hinzu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Escheroys Zuckerwurzeln Wochenmarkt (selten), Spezialitätenhandel, Gärtnerei Pastinaken oder Petersilienwurzeln
eaue tiede Lauwarmes Wasser - -
enfleurer Weizenmehl - -
frire Pflanzenöl zum Frittieren - -
succre Zucker - -
figues par menus morceaulx Getrocknete Feigen, kleingeschnitten - -
roisins Rosinen - -
pasté Pastetenteig Supermarkt Blätterteig oder Mürbeteig

Welches Gericht ist das? Frittiertes Wurzelgemüse, einmal süß gezuckert wie ein Dessert-Snack, einmal als gefüllte Pastete - vergleichbar mit modernen frittierten Gemüsesticks oder Tempura, nur mit Zucker oder Trockenfrüchten abgerundet.

Escheroys sind Zuckerwurzeln (Sium sisarum), ein heute fast vergessenes, süßliches Wurzelgemüse. Das Rezept nennt den Frischetest gleich mit: frische Wurzeln brechen beim Biegen, alte biegen sich nur. Als gut verfügbarer Ersatz dienen Pastinaken oder Petersilienwurzeln.

Pourboulir ung petit - kurz vorkochen/blanchieren, damit die Wurzeln weich werden, bevor sie nach dem Abtrocknen mehliert und frittiert werden (enfleurer, puis frire). Das Mehl gibt eine knusprige Hülle.

Drecier par petiz plateletz - die frittierten Stücke werden hübsch zu kleinen Häufchen/Scheibchen angerichtet und mit Zucker bestreut. Die zu langen Wurzeln werden für die Pasteten-Variante in zwei gebrochen.

Pasté - in der Pastetenvariante kommen die frittierten Wurzeln in eine Teighülle, und statt Zucker werden kleingeschnittene Feigen und Rosinen dazugegeben. Diese gebackene Form vereint Gemüse und Trockenfrüchte - vgl. das Obst-Rissolen-Rezept.

Praxis. Zuckerwurzeln (ersatzweise Pastinaken) schaben, schlechte Stellen wegschneiden, in lauwarmem Wasser gründlich waschen, kurz blanchieren und abtupfen. In Mehl wenden und in heißem Öl goldbraun frittieren. Süße Variante: in mundgerechten Stücken anrichten und mit Zucker bestreuen. Pasteten-Variante: die frittierten Stücke mit kleingeschnittenen Feigen und Rosinen in einen Mürbe- oder Blätterteig füllen und backen. Das Frittieren gelingt am Lager im stabilen Topf über direkter Glut; die gebackene Pastete braucht einen Ofen.

Wo bekomme ich Zuckerwurzeln (Escheroys)?

Zuckerwurzeln sind heute eine Rarität. Versuche es auf gut sortierten Wochenmärkten, bei Gärtnereien, die alte Gemüsesorten anbauen, oder in Spezialitätenläden. Als geschmackliche Alternative kannst du Pastinaken oder Petersilienwurzeln verwenden, die eine ähnliche Textur und einen erdigen, leicht süßlichen Geschmack haben.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Das Schaben, Waschen und Vorkochen der Wurzeln kann über dem Lagerfeuer erfolgen. Zum Frittieren benötigst du einen stabilen Topf oder eine Pfanne über direkter Glut oder einem Dreibein. Die Zutaten sind leicht transportierbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem "Ménagier de Paris", einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es richtete sich an eine junge Ehefrau und bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters.

Was ist eine 'Pastete' im mittelalterlichen Kontext?

Eine mittelalterliche Pastete war oft eine Art gebackener Kuchen mit einer Füllung aus Fleisch, Fisch oder Gemüse, umhüllt von einem dicken Teigmantel. Dieser Teig diente häufig eher als Garform und Konservierungsmittel denn als essbarer Bestandteil, obwohl er natürlich auch gegessen werden konnte. Für die moderne Zubereitung kannst du fertigen Blätter- oder Mürbeteig verwenden.

Escheroys. Les plus nouveaulx mis hors de terre et fraiz tirez, cueilliz en janvier, fevrier, etc., sont les meilleurs: et sont les plus fraiz congneuz a ce que au plaier ilz se rompent, et les vielz tirez hors de terre se ploient. Il les couvient rere et oster le mauvaiz au coustel comme on fait les navez. Puis les couvient laver tresbien en eaue tiede, puis pourboulir ung petit, puis les mectre essuier sur une touaille, puis enfleurer, puis frire, puis drecier par petiz plateletz arrengeement, et mectre du succre dessus. Item qui en veult faire pastez, il les couvient faire comme dessus jusques au frire, et lors les mectre en pasté, rompuz en deux les trop longs, et au lieu de succre dont dessus est parlé, couvient mectre figues par menus morceaulx et des roisins avec.
Escheroys

Zuckerwurzeln (Sium sisarum), eine alte, süßliche Wurzelgemüsesorte.

pourboulir

Kurz vorkochen, blanchieren.

enfleurer

Mit Mehl bestäuben.

drecier

Anrichten, servieren.

plateletz

Kleine Scheiben oder Plättchen.

arrengeement

Ansprechend, ordentlich.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 162r
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdrecier par petiz plateletz arrengeement

Gewählte Lesart: Die frittierten Wurzeln in kleinen Stücken/Scheibchen ordentlich anrichten. Plateletz wird hier auf die kleinen Wurzelstücke bezogen, die zuvor zerteilt und (bei den langen) gebrochen werden; arrengeement meint das ansprechende Anordnen vor dem Bezuckern.

Andere mögliche Lesart:

  • Auf kleinen Tellern/Schälchen anrichten - plateletz als Diminutiv von plat (Teller). - Plateletz kann auch kleine Servierteller meinen; beide Lesarten beschreiben dasselbe Ergebnis (portionsweise hübsch angerichtet und gezuckert), nur ob sich das Wort auf die Stücke oder das Geschirr bezieht, bleibt offen.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 162r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Schaben, Waschen, Blanchieren und Frittieren gelingen am Lagerfeuer mit einem stabilen Topf über direkter Glut. Nur die gebackene Pasteten-Variante braucht einen Ofen.
Alle Rezepte aus Ménagier de Paris Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.