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Gebackene Oblaten mit Feigenfüllung

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

🍯 Nachspeise 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 30 Min.👥 4–6 Personen📖 Koch und Kellermeisterei (~1574)

Original — Frühneuhochdeutsch

Gebackene Oblaten mit Feigenfüllung — Originalseite aus Koch und Kellermeisterei
Koch und Kellermeisterei, S. 028

Transkription (Frühneuhochdeutsch)

Gebackens von Oblaten.

Erwell Feigen, Rosin, vnd hack sie klein, mache es ab mit Würtz vnd Saffran, Saltz, vnd temperirs wol. Nim ein Oblat, vnd ziehe die Feigen drauff, Mach ein Oblat darüber, ziehe es durch ein Teiglin von weissem Mehl back sie schön.

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000)

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zum Backen kann ein Dutch Oven oder eine Pfanne über offenem Feuer verwendet werden, oder ein Lehmofen, falls vorhanden. Achte darauf, dass die Hitze nicht zu stark ist, damit die Oblaten nicht verbrennen.

Wähle Feigen und Rosinen aus und hacke sie fein. Würze die Mischung mit Gewürzen, Safran und Salz und vermenge alles gut, bis es eine homogene Masse ergibt. Nimm eine Oblate und streiche die Feigenmasse darauf. Lege eine weitere Oblate darüber. Ziehe das gefüllte Oblatenpaket durch einen dünnen Teig aus weißem Mehl und Wasser und backe es anschließend schön goldbraun.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Feigen Getrocknete Feigen
Rosin Rosinen
Würtz Gewürze (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt)
Saffran Safranfäden Apotheke, gut sortierter Supermarkt
Saltz Salz
Oblat Backoblaten
Teiglin von weissem Mehl Weißes Weizenmehl
(implied) Wasser Leitung

Anmerkungen

Erwell
Auswählen
Würtz
Gewürze, hier allgemein gehalten, typisch Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat.
temperirs wol
Gründlich vermischen, zu einer homogenen Masse verarbeiten.
Oblat
Dünne Backoblaten, wie sie heute für Lebkuchen oder als Hostien verwendet werden.
ziehe die Feigen drauff
Die Feigenmasse aufstreichen.
Teiglin
Diminutiv von Teig, hier wohl ein dünner Teig oder eine Backteighülle, ähnlich einem Ausbackteig.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

Würtz

Gewählte Lesart: Die Übersetzung 'Gewürze (allgemein)' wurde gewählt, da der Originaltext keine spezifischen Gewürze nennt. Dies erlaubt eine flexible Interpretation basierend auf dem persönlichen Geschmack und der Verfügbarkeit typischer mittelalterlicher Gewürze.

Andere mögliche Lesart:

  • Man könnte eine spezifische Mischung wie 'Pfeffer und Ingwer' annehmen, da dies eine sehr häufige Kombination in mittelalterlichen Rezepten war. — Viele Rezepte der Zeit spezifizieren nur 'Gewürze', meinen aber oft die Standardmischung aus Pfeffer und Ingwer, manchmal ergänzt durch Zimt oder Nelken.

temperirs wol

Gewählte Lesart: Die Phrase wurde als 'gründlich vermischen, zu einer homogenen Masse verarbeiten' interpretiert, da es sich um eine feste Feigenmasse handelt, die eine gute Konsistenz zum Streichen erhalten soll.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart könnte 'auf die richtige Temperatur bringen' sein, was jedoch für eine Fruchtpaste weniger plausibel ist als für flüssige oder schmelzende Zutaten. — Das Verb 'temperieren' kann auch die Einstellung einer Temperatur bedeuten, ist aber im Kontext einer gehackten Fruchtmasse unwahrscheinlicher als das Vermengen zu einer guten Konsistenz.

ziehe es durch ein Teiglin von weissem Mehl

Gewählte Lesart: Dies wurde als das Eintauchen des Oblatenpakets in einen dünnen Backteig oder eine Teighülle interpretiert, bevor es gebacken wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch bedeuten, das Oblatenpaket mit einem festen Teig zu umhüllen, der dann ausgerollt wird. — Die Formulierung 'ziehen durch' legt jedoch eher einen flüssigeren Teig nahe, in den etwas eingetaucht wird, als einen festen Teig, der um etwas herumgelegt und geformt wird.

Häufige Fragen

Welche 'Würtz' soll ich für dieses Rezept verwenden?

Im Mittelalter waren 'Würtz' eine allgemeine Bezeichnung für Gewürze. Typische Gewürze dieser Zeit, die gut zu süßen Speisen passen, sind Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken oder Muskat. Wähle eine Mischung, die deinem Geschmack entspricht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Feigen-Rosinen-Masse lässt sich hervorragend vorbereiten und in einem verschließbaren Gefäß mitbringen. Oblaten und Mehl sind ebenfalls leicht zu transportieren. Zum Backen kannst du eine Pfanne oder einen flachen Topf über dem Feuer verwenden, oder einen Lehmofen, falls vorhanden. Achte darauf, dass die Hitze nicht zu stark ist, damit die Oblaten nicht verbrennen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein typisches Beispiel für die bürgerliche Küche der frühen Neuzeit, die bereits eine größere Vielfalt an Zutaten und Zubereitungsarten kannte.

Was bedeutet 'temperirs wol' im Rezept?

Im Kontext dieses Rezepts bedeutet 'temperirs wol', dass die Feigen-Rosinen-Masse gründlich vermischt und zu einer homogenen, gut streichfähigen Konsistenz verarbeitet werden soll. Es geht hier nicht um die Temperatur, sondern um das sorgfältige Vermengen der Zutaten.

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