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Gefüllte Wastel-Brötchen

The Forme of Cury · England · 1390

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit40 Min.Portionen1 PersonBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm ein Wastel-Brötchen und höhle die Krume heraus. Nimm Eier, Schafstalg und die Krume desselben Wastels, scharfe Gewürze und Salz mit Safran und Korinthen. Vermenge alles miteinander und fülle es in das Wastel. Verschließe es, binde es fest zusammen und siede es gut.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
a Wastel 1 Wastel-Brötchen - Feines Weißbrot oder Brioche-Brötchen
ayrenn 2 Eier - -
shepis talow 50 g Schafstalg Metzger Rindertalg oder Butter
þe crummes of þe same Wastell Krume des Wastel-Brötchens - -
powdour fort 1 TL Gewürzmischung (scharf) - Mischung aus Pfeffer, Ingwer, Zimt
salt 1 Prise Salz - -
Safroun 1 Prise Safranfäden gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Raisouns coraunce 50 g Korinthen - -

Welches Gericht ist das? Ein ausgehöhltes, wieder gefülltes und im Sud gegartes feines Weißbrötchen - ein gefüllter Brotkloß, verwandt mit Knödel- und Semmel-Füllungen und mit den gefüllten Brot-/Teiggerichten des Korpus (vgl. bgs-050 „Huhn im Eierblatt“, die gefüllten Krapfen kkm-097).

Wastel. Im mittelalterlichen England das feine, helle Weizenbrot der gehobenen Tafel (zu mlat. wastellus), Gegenstück zum groben Alltagsbrot. Heute ein gutes helles Brötchen, eine Semmel oder ein Brioche.

Shepis talow. Schafstalg, das feste ausgelassene Nierenfett vom Schaf - das Fett bindet die Krumen-Ei-Masse und macht sie reichhaltig. Rindertalg oder Butter ersetzen es geschmacklich nah.

Powdour fort. Die „scharfe“ Gewürzmischung der englischen Küche, kräftig statt süß - typisch Pfeffer, Ingwer, Zimt, oft Galgant oder langer Pfeffer. Gegenstück zum milden powdour douce.

Seeþ it wel. Gesotten, nicht gebacken: das verschnürte Brötchen wird im Wasser oder einer Brühe gar gezogen, sodass die Füllung im Brotmantel stockt - wie ein Knödel.

Praxis. Das Brötchen oben kappen, die Krume aushöhlen und mit verquirlten Eiern, etwas zerlassenem Talg (oder Butter), Korinthen, einer Prise Safran, scharfer Würzmischung und Salz zu einer Masse verrühren. Zurück ins ausgehöhlte Brötchen füllen, den Deckel aufsetzen, mit Küchengarn fest umwickeln (idealerweise zusätzlich in ein Tuch binden, damit es nicht zerfällt) und 15-20 Minuten in siedendem Wasser oder Brühe ziehen lassen. Gut am Lager machbar - nur ein Topf über dem Feuer nötig.

Was ist ein 'Wastel' und wo bekomme ich es?

Ein Wastel war im Mittelalter ein feines, hochwertiges Weizenbrot, oft in Brötchenform. Es war das Gegenstück zum dunkleren Alltagsbrot. Für dieses Rezept kannst du ein gutes, helles Brötchen oder ein Brioche-Brötchen aus dem Supermarkt oder vom Bäcker verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert lediglich einen Topf zum Sieden über offenem Feuer oder einem Kocher. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Kochzeit ist überschaubar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus "The Forme of Cury", einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen, die um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst wurde. Es gibt Einblicke in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.

Was ist 'powdour fort' und wie stelle ich es her?

'Powdour fort' (scharfe Gewürzmischung) war eine gängige Mischung in der mittelalterlichen Küche. Eine typische Zusammensetzung wäre: 1 Teil schwarzer Pfeffer, 1 Teil Ingwerpulver, 1/2 Teil Zimt, optional eine Prise Galgant oder Nelken. Mahle die Gewürze frisch oder verwende fertige Pulver.

Was ist Schafstalg und kann ich ihn ersetzen?

Schafstalg ist das ausgelassene, feste Fett vom Schaf. Er war im Mittelalter ein häufig verwendetes Kochfett. Du bekommst ihn eventuell beim Metzger. Als Ersatz kannst du Rindertalg oder, falls nicht verfügbar, Butter verwenden. Der Geschmack wird sich leicht unterscheiden, aber die Konsistenz bleibt ähnlich.

WASTELS YFARCED. XX.VII Take a Wastel and hewe out þe crummes. take ayrenn & shepis talow & þe crummes of þe same Wastell powdour fort & salt with Safroun and Raisouns coraunce. & medle alle þise yfere & do it in þe Wastel. close it & bynde it fast togidre. and seeþ it wel.
Wastel

Feines, helles Weizenbrot der gehobenen Tafel - heute ein gutes helles Brötchen, eine Semmel oder Brioche.

shepis talow

Schafstalg, das feste ausgelassene Fett vom Schaf; bindet und bereichert die Füllung. Ersatz: Rindertalg oder Butter.

powdour fort

Die kräftig-scharfe Gewürzmischung der englischen Küche - Pfeffer, Ingwer, Zimt, oft Galgant. Gegenstück zum milden powdour douce.

Raisouns coraunce

Korinthen, die kleinen kernlosen Rosinen aus Korinth.

seeþ

Sieden - das verschnürte Brötchen wird im Sud gegart, nicht gebacken.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 74 verso
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 74 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Braucht nur einen Topf zum Sieden über offenem Feuer. Zutaten gut transportierbar.
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