München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460
Wenn du Eier ohne Feuer sieden willst, dann nimm ungelöschten Kalk und zermahle ihn klein. Lege ihn in einen Topf mit Wasser und gib die Eier hinein. So werden sie hart oder weich, wie du es wünschst.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| vngeleschten kalch | Ungelöschter Kalk | Baumarkt (Vorsicht: Ätzend!) | - |
| wasser | Wasser | Leitung | - |
| ayer | Eier | Supermarkt | - |
Welches Gericht ist das? Kein Gericht im eigentlichen Sinn, sondern ein Kunststück: Eier ohne Feuer garen. Genutzt wird die stark wärmebildende Reaktion von ungelöschtem Kalk (Branntkalk, Calciumoxid) mit Wasser - sie wird heiß genug, um die Eier weich oder hart werden zu lassen, ganz ohne Flamme.
Historisches Kuriosum. Solche ‚ohne Feuer'-Tricks zeigen die experimentelle, halb haushalts-chemische Seite spätmittelalterlicher Sammelhandschriften. Denselben Branntkalk nutzt der Korpus an anderer Stelle zum Kandieren (vgl. den kandierten Ingwer m725-022).
⚠️ Nicht nachmachen. Ungelöschter Kalk ist stark ätzend, die Hitzeentwicklung ist heftig und schwer kontrollierbar; Spritzer und Kalkstaub verätzen Haut und Augen. Wir dokumentieren das Verfahren als historisches Kuriosum - zum Eierkochen heute bitte schlicht Feuer oder Herd nehmen (vgl. das Eierkochen mar-192).
Nein, dieses Rezept ist aufgrund der Verwendung von ungelöschtem Kalk und der damit verbundenen Gefahren nicht für die Lagerküche geeignet. Ungelöschter Kalk ist ätzend und die Hitzeentwicklung schwer zu kontrollieren, was in einem Lagerumfeld unpraktisch und gefährlich wäre.
Ungelöschter Kalk (Calciumoxid) reagiert mit Wasser in einer stark exothermen Reaktion, die viel Wärme freisetzt. Diese Wärme wird genutzt, um die Eier zu garen. Es ist eine historische Methode, Eier ohne direkte Flamme zu kochen, aber sie erfordert äußerste Vorsicht und ist potenziell gefährlich.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Klosterkochbuch Rott am Inn' (Clm 15632), einer Handschrift aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn, datiert um 1458/1464. Es ist ein Beispiel für die experimentelle und oft auch medizinisch-chemische Seite mittelalterlicher 'Kochbücher'.
Aufgrund der Gefahren, die von ungelöschtem Kalk ausgehen (ätzend, starke Hitzeentwicklung), wird dringend davon abgeraten, dieses Rezept ohne professionelle Anleitung und Schutzausrüstung nachzukochen. Es ist eher ein historisches Kuriosum als eine praktische Kochanleitung.
Ungelöschter Kalk (Calciumoxid) reagiert stark exotherm mit Wasser, wobei Hitze entsteht, die zum Garen der Eier genutzt wird. Dies ist eine chemische, nicht-kulinarische Methode und potenziell gefährlich.
Ein Gefäß oder Topf. Nicht zu verwechseln mit Hefe (dem Backtriebmittel).
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vngeleschten kalch
Gewählte Lesart: Ungelöschter Kalk (Calciumoxid). Die Lesart ist durch den Kontext des Kochens ohne Feuer und die chemische Reaktion mit Wasser eindeutig.
zermall
Gewählte Lesart: Zermahlen/zerkleinern. Das Verb 'zermall' ist eine bairische Form von 'zermalmen' oder 'zerreiben', hier im Sinne von fein zerkleinern.
hefen
Gewählte Lesart: Ein Gefäß oder Topf. Im Kontext des Kochens ist 'hefen' hier als Behältnis zu verstehen, nicht als Hefe (Backtriebmittel).
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