Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Gefüllter Kapaun in Teighülle

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

GeflügelHauptspeise · GeflügelLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 6/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchVon guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Nimm diesen Kapaun, zerlege ihn und fülle die Glieder mit einer Farce. Lege die gefüllten Stücke in eine Teighülle. Nimm hartgekochte Eier, gib Zucker, Pfeffer, Zimt und Ingwer hinzu. Koche die Teigstücke in weißem Schweineschmalz. Lege sie dann auf eine Platte und bestreue sie mit reichlich Zucker.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
dese capoene Kapaun - Metzger, Geflügelhof großes Hähnchen
faersele Farce - - -
deegh cleedse Teighülle - - -
eyeren hart ghesoden hartgekochte Eier - - -
suker ghe nouch / sukers genouch Zucker - - -
peper Pfeffer - - -
caneele Zimt - - -
gingebare Ingwer - - -
witten barghijn smoute weißes Schweineschmalz - Metzger, Supermarkt Butterschmalz
Was ist ein Kapaun und wo bekomme ich ihn?

Ein Kapaun ist ein kastrierter und gemästeter Hahn, der für sein besonders zartes und saftiges Fleisch geschätzt wurde. Er galt als Luxusgeflügel. Heute ist Kapaun seltener, aber in gut sortierten Metzgereien oder auf Geflügelhöfen, oft auf Vorbestellung, erhältlich. Alternativ kann ein großes, zartes Hähnchen verwendet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht ideal. Die Zubereitung einer Farce, das Formen der Teighülle und das Sieden in einer großen Menge Schmalz erfordern eine kontrollierte Umgebung und Ausrüstung, die am Lager schwer zu gewährleisten sind. Zuhause vorbereiten.

Was bedeutet die Anweisung, die Teighülle in Schmalz zu kochen?

Im Mittelalter war es üblich, Teighüllen nicht nur zu backen, sondern auch in Fett zu sieden oder zu frittieren. Dies diente dazu, das Gericht zu garen und gleichzeitig eine schützende, haltbare Kruste zu schaffen. Das Sieden in Schmalz verleiht dem Teig eine besondere Textur und einen reichen Geschmack, der sich vom Backen unterscheidet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (Gent, Flandern). Älteste erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung (~1475). Handschrift UB Gent 1035, 62 Rezepte in zwei Kapiteln - vollständig erhalten, kein Fragment. Höfische Küche des spätmittelalterlichen Flandern: Geflügel, Wild, Fisch, Pasteten und Saucen.

pipes dese capoene ontleedt leght in deegh cleedse met faersele de lede nemt eyeren hart ghesoden daertoe doet suker ghe nouch peper caneele gingebare ziedse in witten barghijn smoute ende dan leghtse in eene platteele ende strooyter sukers genouch vp
capoene

Kapaun, ein kastrierter und gemästeter Hahn, der für sein zartes Fleisch geschätzt wurde.

faersele

Eine Füllung oder Farce, oft aus gehacktem Fleisch, Brot und Gewürzen.

deegh cleedse

Eine Teighülle oder Pastetenkruste, die das Gericht umschließt.

witten barghijn smoute

Weißes Schweineschmalz, ein häufig verwendetes Kochfett im Mittelalter.

platteele

Eine Platte oder Schale zum Servieren.

Handschrift
Wel ende edelike spijse
Sprache
Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Gent, Flandern, 1475

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

dese capoenecapon Q594676
eyeren hart ghesodenchicken egg Q15260613
suker ghe nouch / sukers genouchunrefined cane sugar Q57656231
peperpepper Q3143131
caneelecinnamon Q28165
gingebareginger Q15046077

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpipes

Gewählte Lesart: Die Kapaunstücke werden mit einer Farce gefüllt oder gestopft.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Kapaunstücke werden in eine röhren- oder pfeifenartige Form gebracht. - Das mittelniederländische Wort ‚pipen‘ kann auch ‚aushöhlen‘ oder ‚in eine bestimmte Form bringen‘ bedeuten, was im Kontext der Füllung ebenfalls denkbar wäre.

Lesartziedse in witten barghijn smoute

Gewählte Lesart: Die in Teig gehüllten Kapaunstücke werden in weißem Schweineschmalz gekocht oder gesotten.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Teighülle wird in heißem Schmalz frittiert oder gebacken. - Obwohl ‚sieden‘ wörtlich ‚kochen‘ bedeutet, könnte es im Kontext von Fett auch ein Frittieren oder Backen in heißem Fett meinen, ähnlich einem Konfit, um eine knusprige Kruste zu erzeugen.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 013, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain
Transkription
Coquinaria.nl - Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zuhause vorbereiten.
Alle Rezepte aus Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.