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Verlorene Eier in Milch oder Wein

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit10 Min.Portionen2 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Verfahre in der Zubereitung ähnlich wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben. Erhitze Milch oder süßen Wein in einem Topf bis zum Kochen. Schlage die Eier einzeln auf und lasse sie vorsichtig in die siedende Flüssigkeit gleiten. Lasse sie darin stocken, bis das Eiweiß fest und das Eigelb noch weich ist. Beachte jedoch, dass es sich bei diesem Gericht nicht gehört, Käse darüber zu streuen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Ova 2-4 Eier - -
lacte ca. 200-300 ml Milch - -
vino dolce ca. 200-300 ml süßer Wein - -

Welches Gericht ist das? Pochierte Eier - im Italienischen ova sperdute, wörtlich „verlorene Eier", weil das Ei ohne Schale in der Flüssigkeit „verloren" gart. Hier in der süßen Variante: nicht in Brühe, sondern in Milch oder süßem Wein gestockt. Der direkte lebende Nachfahre ist das pochierte Ei (œuf poché); die süße Linie lebt in milchgekochten Eierspeisen und in der englischen egg custard weiter.

Martino verweist auf das capitolo precedente - das vorangehende Rezept der pochierten Eier in Brühe (ova sperdute in brodo). Die Technik ist identisch, nur die Flüssigkeit wechselt.

Der ausdrückliche Verzicht auf caso (Käse) ist der eigentliche Witz des Rezepts: Die Brühe-Version wurde mit geriebenem Käse bestreut, die süße Milch-/Weinversion darf das nicht - hier zielt alles auf einen milden, süßlichen Charakter, kein herzhaftes Topping.

Praxis. Milch oder einen süßen Weißwein (Dessertwein, notfalls Weißwein mit einer Prise Zucker) in einem flachen Topf bis knapp unter den Siedepunkt erhitzen - es soll leise zittern, nicht sprudeln. Eier einzeln aufschlagen und vorsichtig hineingleiten lassen. Etwa 3-4 Minuten ziehen lassen, bis das Eiweiß fest, das Eigelb noch weich ist. Mit dem Schaumlöffel herausheben. Kein Käse. Wer mag, gibt etwas Zucker oder Zimt darüber.

Was bedeutet 'Ova sperdute'?

'Ova sperdute' bedeutet 'verlorene Eier' oder 'pochierte Eier'. Die Eier werden dabei ohne Schale direkt in eine siedende Flüssigkeit gegeben und darin gegart.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige Zutaten und einen Topf und ist schnell über offenem Feuer zubereitet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist ein Beispiel für die raffinierte Küche der Renaissance.

Welches vorhergehende Kapitel ist gemeint?

Maestro Martino bezieht sich hier auf sein Rezept für 'Ova sperdute in brodo' (Verlorene Eier in Brühe), das die Grundtechnik des Pochierens von Eiern beschreibt. Die Anweisung ist, die gleiche Technik anzuwenden, aber die Flüssigkeit und die Beigabe von Käse zu ändern.

Ova sperdute in lacte o vino dolce. Farai similmente como è ditto nel capitolo precedente, excepto che non gli se convien mettere sopra del caso.
Ova sperdute

Wörtlich „verlorene Eier" - das ohne Schale in Flüssigkeit gegarte, also pochierte Ei.

vino dolce

Süßer Wein als Garflüssigkeit - die Alternative zur Milch, gibt dem Gericht seinen süßlichen Dessert-Charakter.

caso

Käse. Martino verbietet ihn hier ausdrücklich - anders als bei der herzhaften Brühe-Variante.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 47v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 47v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Robuste Zutaten, ein Topf, wenige Minuten am Feuer - mehr braucht es nicht. Milch oder süßer Wein erhitzen, Eier hineingleiten lassen, fertig.
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