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Verlorene Eier

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

🍯 Nachspeise 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 30 Min.👥 2–3 Personen📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Verlorene Eier — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 156v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Oeufz perduz. Prenez iiii moyeux d'oeufz et les batez, et du succre en pierre batu, et en pouldre; et soit tout batu ensemble tresbien; puis coulé en l'estamine; puis frit au fer de la paelle et apres trenchié par losanges. Puis avecques autres alumelles d'oeufz pochez soient icelles losanges mises ou plat, et fine pouldre pardessus.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuckerpulver und die gesiebte Eimasse können zu Hause vorbereitet und mitgebracht werden. Eine Pfanne und eine Feuerstelle sind für die Zubereitung am Lager erforderlich.

Nimm vier Eigelb und schlage sie. Füge dazu Zucker, der zuvor aus einem Zuckerhut geschlagen und im Mörser zu feinem Pulver zerstoßen wurde. Schlage alles zusammen sehr gut, bis es schaumig ist. Seihe die Masse dann durch ein feines Tuch. Brate sie anschließend in einer Pfanne und schneide sie nach dem Garen in Rauten. Lege diese Rauten zusammen mit anderen pochierten Eiern auf einen Teller und bestreue sie mit feinem Puderzucker.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
iiii moyeux d'oeufz 4 Eigelb
du succre en pierre batu, et en pouldre Zuckerhut / Puderzucker
autres alumelles d'oeufz pochez 2–3 Eier (zum Pochieren)
fine pouldre pardessus Puderzucker (zum Bestreuen)

Anmerkungen

Oeufz perduz
Wörtlich „Verlorene Eier“, ein historischer Begriff, der oft für pochierte Eier verwendet wurde, hier aber eine gebratene Eigelb-Zubereitung meint.
succre en pierre batu, et en pouldre
Zucker, der aus einem Zuckerhut geschlagen und im Mörser zu feinem Pulver zerstoßen wurde.
l'estamine
Ein feines Tuch oder Sieb zum Passieren.
fer de la paelle
Wörtlich „Eisen der Pfanne“, gemeint ist die Pfanne selbst.
alumelles d'oeufz pochez
Pochierte Eier oder Eierscheiben.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

succre en pierre batu, et en pouldre

Gewählte Lesart: Zucker, der aus einem Zuckerhut geschlagen und im Mörser zu feinem Pulver zerstoßen wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • Moderner Puderzucker. — Dies ist die praktische moderne Entsprechung, da Zuckerhüte und das manuelle Zerstoßen heute unüblich sind.

alumelles d'oeufz pochez

Gewählte Lesart: Pochierte Eier (als Ergänzung zu den verwendeten Eigelben).

Andere mögliche Lesart:

  • Dünne Scheiben von pochierten Eiern. — Das Wort „alumelles“ kann „dünne Scheiben“ oder „Lamellen“ bedeuten. Im Kontext von pochierten Eiern ist jedoch die allgemeine Form „pochierte Eier“ in der deutschen Übersetzung natürlicher und deckt die Absicht ab.

fer de la paelle

Gewählte Lesart: In einer Pfanne braten.

Andere mögliche Lesart:

  • Auf einem Eisenrost in der Pfanne braten. — „Fer“ bedeutet Eisen, und „paelle“ ist die Pfanne. Es könnte theoretisch ein spezieller Eisenrost in der Pfanne gemeint sein, aber die einfachste und gebräuchlichste Lesart ist das Braten direkt in der Pfanne.

Häufige Fragen

Was bedeutet 'Oeufz perduz'?

Der Begriff „Verlorene Eier“ (Oeufz perduz) bezeichnete im Mittelalter meist pochierte Eier. In diesem Rezept ist es jedoch der Name für eine süße, gebratene Eigelb-Zubereitung, die dann mit tatsächlich pochierten Eiern serviert wird.

Brauche ich einen Mörser, um den Zucker zu pulverisieren?

Das Rezept verlangt, den Zucker aus einem Zuckerhut zu schlagen und zu pulverisieren. Historisch wurde dies in einem großen Mörser getan. Für die moderne Küche kannst du einfach feinen Puderzucker verwenden. Wenn du es authentisch zubereiten möchtest, benötigst du einen stabilen Mörser und Stößel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Eimasse kann vorbereitet und gesiebt mitgebracht werden. Das Braten in der Pfanne und das Pochieren der Eier sind über offenem Feuer oder auf einem Kocher gut umsetzbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Ménagier de Paris“, einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters.

Was sind 'alumelles d'oeufz pochez'?

„Alumelles d'oeufz pochez“ bezieht sich auf pochierte Eier. Da das Rezept die Eigelbe für die Hauptzubereitung verwendet, sind hier wahrscheinlich die Eiweiße oder ganze pochierte Eier gemeint, die als Beilage zu den gebratenen Eigelb-Rauten serviert werden.

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