Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Willst du aber ein Mus mit Eiern zubereiten, so rühre einen Teig mit drei Eiern an.
Setze danach eine Pfanne mit heißem Schmalz auf. Nimm einen schönen Löffel und halte ihn über das heiße Schmalz. Gieße den Teig genügend darauf durch, sodass sie zu Backerbsen geraten. Ziehe sie danach aus der Pfanne.
Bereite eine Eierbrühe zu, gib die Backerbsen hinein und vollende das Gericht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| iij airen | Eier | 3 | - | - |
| taig | etwas Weizenmehl (für den dünnen Teig) | - | Supermarkt | - |
| haysss Smalcz | Schmalz | - | Supermarkt, Metzger | Pflanzenöl oder Butterschmalz |
| air prue | Eier (für die Brühe) | - | - | - |
| air prue | Brühe oder Wasser | - | Supermarkt (Brühwürfel/Pulver) oder Leitung | - |
Welches Gericht? Backerbsen sind ausgebackene Eierteig-Tröpfchen, die als Einlage in eine herzhafte Eierbrühe gegeben werden. Der Gerichtsname aribassen ist die bairisch-österreichische Dialektform zu „Erbsen" - die erbsengroßen Teigtröpfchen geben dem Gericht den Namen. Bis heute sind Backerbsen in Österreich und Süddeutschland eine geläufige Suppeneinlage; das Verfahren ist über die Jahrhunderte unverändert geblieben.
Der dünne Teig. So czewch ein taig ab mit iij airen - aus drei Eiern und etwas Mehl wird ein dünnflüssiger Teig angerührt. Er muss flüssig genug bleiben, um in Tröpfchen abzureißen; ist er zu fest, klumpt er statt sich zu erbsengroßen Perlen zu teilen.
Das Tröpfeln durch den Löffel. Das Schmalz muss richtig heiß sein. Halte einen durchbrochenen Schaum- oder Schöpflöffel über das Fett und gieße den Teig gnwgsam, also reichlich, hindurch - er fällt in erbsengroßen Tröpfchen ins Schmalz und backt dort golden aus. Mit dem Schaumlöffel abschöpfen und gut abtropfen lassen.
Praxis. Ziehe die fertigen Backerbsen aus der Pfanne und ziehe separat eine mit Ei legierte Eierbrühe auf. Die Backerbsen erst kurz vor dem Servieren in die heiße Brühe geben, damit sie nicht durchweichen. Am Feuer mit einer Pfanne und einem Topf in rund 20 Minuten machbar.
Backerbsen sind erbsengroße, ausgebackene Teigtröpfchen. Man gießt einen dünnen Eierteig durch einen durchbrochenen Löffel ins heiße Fett, wo er in kleinen Perlen golden ausbackt. Sie werden hier als Einlage in eine Eierbrühe gegeben - in Österreich und Süddeutschland bis heute eine geläufige Suppeneinlage.
Ja, hervorragend geeignet. Es ist schnell zubereitet, benötigt nur eine Pfanne und einen Topf und die Zutaten sind leicht zu beschaffen und zu lagern.
„Smalcz“ bedeutet Schmalz, also tierisches Fett, meist von Schwein oder Gans. Es wurde im Mittelalter häufig zum Braten und Frittieren verwendet. Als Alternative kann heute auch Pflanzenöl oder Butterschmalz verwendet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (Österreich - Mondsee, Oberösterreich). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).
Bairisch-österreichische Dialektform zu „Erbsen" - gemeint sind Backerbsen: erbsengroße Teigtröpfchen, die durch einen Löffel ins heiße Schmalz gegossen und ausgebacken werden. In Österreich und Süddeutschland bis heute als Suppeneinlage bekannt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| iij airen | chicken egg Q15260613 |
| taig | wheat flour Q2249305 |
| haysss Smalcz | animal fat Q1423543 |
| air prue | egg stock Q107246599 |
| air prue | egg stock Q107246599 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: 'Aribassen' ist die bairisch-österreichische Dialektform zu 'Erbsen' (vgl. alemannisch 'arwis' = Erbse, m384). Glossar-Beleg [lesefalle], lemma='erbse', Autorität Fyndling: hier der Gerichtsname Backerbsen - der Teig wird durch einen Schaumlöffel ins heiße Schmalz gegossen, sodass kleine, erbsengroße Teigtröpfchen ausbacken. Kein Eigenname.
air prue
Gewählte Lesart: Eierbrühe: air=Eier (Mondseer-Profil), prue → MHDBDB Lemma brüeje (Bedeutungsfeld Nahrungszubereitung) = Brühe. Mit Ei legierte Brühe, keine eigenständige Zutat.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.