Im Viewer öffnen Translate

Menü des Herrn von Foix: Erster Gang

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

Sonstiges ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 0 Min.👥 Ein Bankett für viele Gäste📖 Le Viandier de Taillevent (~1300)

Original — Moyen Français (ca. 1300–1400)

Menü des Herrn von Foix: Erster Gang — Originalseite aus Le Viandier de Taillevent
Fol. 017r, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) — Domaine public

Transkription (Moyen Français (ca. 1300–1400))

Bancquet de monseigneur de foyes. Et premier metz

poussins au succre. leureaulx ou lapereaulx a la cresme damandes. froide
saulce. vin aigre. venoison a souppes.
Second metz

Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Bankett des Herrn von Foix. Und zuerst der erste Gang: Hühnchen mit Zucker. Junge Hasen oder Kaninchen mit Mandelcreme. Kalte Sauce. Saurer Wein (Verjus). Wildbret mit Brotsuppen. Zweiter Gang.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
poussins au succre Hühnchen mit Zucker
leureaulx ou lapereaulx a la cresme damandes Junge Hasen oder Kaninchen mit Mandelcreme
froide saulce Kalte Sauce
vin aigre Verjus Feinkostladen, Online-Spezialitätenhändler Weißweinessig oder Zitronensaft
venoison a souppes Wildbret mit Brotsuppen

Anmerkungen

Bancquet
Bankett, Festmahl
monseigneur de foyes
Monseigneur de Foix, ein Adelstitel, hier wahrscheinlich Gaston III., Graf von Foix und Béarn (1331–1391), bekannt als Gaston Fébus, ein berühmter Jäger und Autor.
metz
Ein Gang oder Service bei einem mittelalterlichen Bankett, der aus mehreren Gerichten bestand.
poussins
Küken oder junge Hühnchen.
succre
Zucker. Im Mittelalter ein teures Gewürz und Süßungsmittel.
leureaulx
Junge Hasen.
lapereaulx
Junge Kaninchen.
cresme damandes
Mandelcreme oder Mandelmilch, oft als Basis für Saucen und Cremes verwendet, auch als Fastenersatz für tierische Milchprodukte.
froide saulce
Kalte Sauce, eine häufige Beilage zu Fleisch und Fisch.
vin aigre
Wörtlich 'saurer Wein', gemeint ist Verjus, der Saft unreifer Weintrauben.
venoison
Wildbret, das Fleisch von Wildtieren (z.B. Hirsch, Wildschwein, Hase).
souppes
Brotsuppen oder Brotschnitten, die in Brühe oder Sauce getunkt wurden. Eine häufige Beilage oder Grundlage für Gerichte.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

metz

Gewählte Lesart: Übersetzt als 'Gang' oder 'Service', da es sich um eine Abfolge von Gerichten bei einem Bankett handelt.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte auch als 'Speise' oder 'Gericht' im Singular verstanden werden. — Obwohl 'metz' im Plural 'mets' ist, kann es im Kontext eines Menüs auch als Oberbegriff für die gesamte Zusammenstellung eines Ganges dienen.

vin aigre

Gewählte Lesart: Als 'Verjus' übersetzt, da dies die spezifische mittelalterliche Zutat für 'sauren Wein' ist, der aus unreifen Trauben gewonnen wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte wörtlich als 'saurer Wein' übersetzt werden. — Die wörtliche Übersetzung ist korrekt, aber 'Verjus' ist der präzisere historische Begriff für diese Zutat in der mittelalterlichen Küche.

souppes

Gewählte Lesart: Als 'Brotsuppen' oder 'Brotschnitten' übersetzt, um die mittelalterliche Bedeutung von in Flüssigkeit getränktem Brot zu vermitteln.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte als 'Suppen' im modernen Sinne verstanden werden. — Die moderne Bedeutung von 'Suppe' (flüssiges Gericht) ist im Mittelalter für 'souppes' meist nicht zutreffend; es handelte sich eher um getränktes Brot als Beilage.

cresme damandes

Gewählte Lesart: Als 'Mandelcreme' übersetzt, da es sich um eine dickflüssige Zubereitung aus Mandeln handelt, die als Sauce oder Creme diente.

Andere mögliche Lesart:

  • Könnte auch als 'Mandelmilch' übersetzt werden. — Mandelmilch war die Basis für Mandelcreme, aber 'crème' impliziert eine dickere, angereicherte Form, die oft mit Zucker oder anderen Bindemitteln zubereitet wurde.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem 'Rezept' und einem 'Menü' in historischen Kochbüchern?

Ein Rezept gibt detaillierte Anweisungen zur Zubereitung eines einzelnen Gerichts. Ein Menü hingegen listet die Abfolge und Art der Speisen auf, die bei einem Festmahl serviert wurden, ohne die genauen Zubereitungsschritte zu beschreiben. Dieser Text ist ein Menüausschnitt.

Was bedeutet 'Verjus' und wo bekomme ich ihn?

Verjus (aus dem Französischen 'vert jus' = grüner Saft) ist der Saft unreifer Weintrauben. Er ist sauer wie Essig, aber fruchtiger und milder im Geschmack. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder bei Online-Spezialitätenhändlern. Als Alternative kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack nicht identisch sein wird.

Was sind 'Brotsuppen' ('souppes')?

Im mittelalterlichen Kontext waren 'Brotsuppen' oder 'Schnitten' (souppes) keine flüssigen Suppen im modernen Sinne, sondern Scheiben von geröstetem oder altem Brot, die in Brühe, Sauce oder Wein getränkt und als Beilage oder Grundlage für andere Speisen serviert wurden. Sie dienten oft dazu, Saucen aufzunehmen und das Gericht sättigender zu machen.

Ist dieses Menü für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Menü ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Es handelt sich um die Beschreibung eines höfischen Banketts mit mehreren komplexen Gerichten, die eine aufwendige Zubereitung und Infrastruktur erfordern würden, die über die Möglichkeiten einer einfachen Lagerküche hinausgeht. Einzelne Komponenten könnten eventuell vereinfacht werden, aber das Gesamtkonzept ist für ein Lager nicht praktikabel.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Menü stammt aus 'Le Viandier de Taillevent', einem der ältesten und einflussreichsten französischen Kochbücher. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben, der im 14. Jahrhundert für mehrere französische Könige und Adlige kochte. Die vorliegende Edition basiert auf einer Handschrift aus der Zeit um 1393 und gibt Einblicke in die höfische Küche Frankreichs.

← Alle Rezepte