Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Hirschleber in Honig eingelegt (haltbar gemacht)

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen1 kleines Fass oder 1 großes Glas (ca. 1-2 Liter Inhalt)BuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Von einer Hirschleber. Eine Hirschleber, die man lange haltbar machen will, soll man auf einem Rost braten und danach dünn in Scheiben schneiden. Nimm einen reinen Honigseim und koche ihn auf. Nimm dann Ingwer, Galgant und Nelken, stoße sie zusammen und wirf sie hinein. Nimm dann ein Fass oder eine Wanne, in die du es tun willst, und mache es ganz sauber. Gieße eine Schicht Honig hinein und lege darauf eine Schicht Leber, und so fahre fort. Lege es fest aufeinander und stelle es zur Aufbewahrung beiseite.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Ein hirzes lebern Hirschleber - Metzger, Wildhändler, Jäger -
honicsaum Honigseim (ungeklärter Honig) - Supermarkt, Imker Cremiger Honig
yngeber Ingwer - - -
galgan Galgant - Asiamarkt, Reformhaus, Online-Gewürzhandel Ingwer (geschmacklich ähnlich, aber nicht identisch)
negelin Nelken - - -

Welches Gericht ist das? Eine mittelalterliche Methode, Hirschleber haltbar zu machen: gebratene, dünn geschnittene Leber wird Schicht für Schicht in gewürztem Honig eingelegt. Der Honig senkt durch seinen hohen Zuckergehalt die Verderblichkeit, das vorherige Braten macht die Leber fest genug für dünne, saubere Scheiben. Im Prinzip verwandt mit Frucht-in-Sirup-Konserven oder Honig-glasierten Pökelwaren - nur eben mit Fleisch statt Obst.

honicsaum. Gemeint ist ein reiner Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig (DWDS: mhd. honecseim), nicht der industriell erhitzte und gefilterte Flüssighonig des Handels. Kein moderner Sirup. Das Aufkochen macht den Honig dünnflüssig genug zum Gießen und bindet die zerstoßenen Gewürze gleichmäßig ein - eine ausreichend flüssige Honigsorte würde die Leberscheiben auch kalt vollständig umhüllen.

Die Würze. Ingwer, Galgant und Nelken werden zusammen zerstoßen und in den kochenden Honig gegeben - das löst ihr Aroma schneller heraus als eine kalte Beigabe. Ob sie in dieser Menge zusätzlich messbar zur Haltbarkeit beitragen, sagt der Text nicht; die Konservierung trägt vor allem der Honig selbst. galgan und negelin sind zwei Gewürze (Galgant und Nelken), keine zusammengesetzte „Galgant-Nelke“ - die Parallelfassung trennt sie mit „und“.

Praxis. Hirschleber auf dem Rost oder in der Pfanne vollständig durchbraten (kein rosa Kern), dünn aufschneiden. Honigseim aufkochen, die frisch zerstoßenen Gewürze einrühren. In ein sauberes Gefäß abwechselnd eine Schicht Honig und eine Schicht Leber geben, fest schichten, so fortfahren. Wichtig für heute: die historische Langzeit-Lagerung bei Raumtemperatur nicht nachmachen - im Kühlschrank aufbewahren und binnen weniger Tage verzehren.

Wo bekomme ich Hirschleber?

Hirschleber ist bei spezialisierten Metzgern, Wildhändlern oder direkt vom Jäger erhältlich. In gut sortierten Supermärkten mit Frischfleischtheke kann man sie eventuell auf Bestellung bekommen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die direkte Zubereitung am Lagerfeuer gedacht, da es sich um eine Konservierungsmethode handelt, die Zeit zum Durchziehen benötigt. Die eingelegte Hirschleber kann jedoch hervorragend vorbereitet und als Proviant mit ins Lager gebracht werden. Sie ist dann eine besondere Delikatesse für den Lageralltag, sollte dort aber gekühlt aufbewahrt werden.

Was bedeuten 'Honicsaum' und 'Schaf' im Rezept?

'Honicsaum' ist Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig. Im Handel entspricht das am ehesten cremigem Honig. 'Schaf' ist im Mittelhochdeutschen ein Begriff für ein großes Gefäß, eine Wanne oder einen Bottich, und nicht das Tier Schaf.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Von einer hirz lebern. Ein hirzes lebern sol man braten vf eime roste, die man lange behalten wil, vnd sol die duenne schniden zvo schiben. vnd nim einen reinen honicsaum, den suede. vnd nim denne yngeber vnd galgan vnd negelin, die stozze vnder ein ander vnd wirfe sie dar in. vnd nim denne ein faz oder eine schaf, dor in du ez wilt tuon, vnd waschez gar rein vnd guoz dor in ein schiht honiges vnd lege denne ein schiht lebern vnd also fuerbaz. vnd legez faste vf ein ander vnd setze daz hin.
honicsaum

Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig (DWDS: „Honigseim, mhd. honecseim = ungeläuterter Honig“; ahd. seim = Nektar/Honig, wie er aus der Wabe fließt), nicht zu verwechseln mit Honigwasser oder Met. Das Aufkochen im Rezept gehört zur jeweiligen Zubereitung, nicht zur Bedeutung des Begriffs selbst.

galgan

Galgant, ein ingwerähnliches Wurzelgewürz mit zitrischer Schärfe.

negelin

Nelken.

schaf

Wanne, Bottich, großes Gefäß (nicht das Tier Schaf).

fuerbaz

weiter, so fortfahrend.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 156r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Ein hirzes leberndeer liver Q96756392
honicsaumnectar Q171934
yngeberginger Q15046077
galganlesser galangal Q27653540
negelinclove Q15622897

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesarthonicsaum

Gewählte Lesart: Honigseim - dickflüssiger, ungeläuterter Honig (DWDS: mhd. honecseim).

LesartGarzustand der Leber beim Braten

Gewählte Lesart: Vollständig durchbraten (kein rosa Kern) - die sichere Praxis-Empfehlung, da die geschichtete Konserve gelagert und nicht sofort verzehrt wird.

Andere mögliche Lesart:

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 156r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Keine Lagerfeuer-Spontanküche, sondern eine vorbereitete Konserve: Die Leber wird zu Hause gebraten und in Honig eingelegt. Aus Hygienegründen heute gekühlt aufbewahren - damit ist sie als kalte, würzige Delikatesse für den Lageralltag ein schöner Proviant, braucht vor Ort aber Kühlung.
Alle Rezepte aus Das Buch von guter Speise Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 09.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.