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Konkavelite: Kirsch-Mandel-Mus

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheReisReis
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Um ein Gericht zuzubereiten, nimm ein Pfund Mandeln. Aus diesen sollst du mit Wein die Milch herausstoßen. Nimm dazu ein Pfund Kirschen, schlage sie durch ein Sieb und gib die Kirschen in die Milch. Nimm ein Viertelpfund Reis und stoße ihn zu Mehl, und gib auch das in die Milch. Nimm dann reines Schmalz oder Speck und schmelze es in einer Pfanne, und gib dazu eine halbe Mark weißen Zuckers. Versalze es nicht und serviere es.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein phunt mandels Mandeln 500 g - -
wine Wein (z.B. Weißwein) - - -
milich Mandelmilch (aus den Mandeln gewonnen) - - -
kirsen ein phunt Kirschen 500 g Wochenmarkt -
einen vierdung rises Reis 125 g - -
rein smaltz oder spec reines Schmalz oder Speck 50 g Metzger Pflanzenöl (z.B. Rapsöl) für eine vegetarische Variante
eine halbe mark wizzes zuckers weißer Zucker 125 g - -

Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Kirschmus auf Mandelmilch-Basis, mit Reismehl zum sämigen Pudding angedickt - am ehesten vergleichbar mit einer heute bekannten, gebundenen Roten Grütze oder einem sämigen Kirschkompott. Vom Bindeprinzip her (Mandelmilch + Reismehl) auch strukturell verwandt mit dem weißen blanc manger im selben Buch, hier auf Frucht statt Fleisch/Fisch übertragen. Dasselbe Gericht steht im selben Buch ein zweites Mal (bgs-083, dort „Conkauelit“ geschrieben, mit ausführlicherem Wortlaut): saure Kirschen mit Wein gekocht, durchs Tuch passiert, mit Mandelmilch und Reismehl gebunden, mit Schmalz und Zucker abgerundet. Die zweite Fassung ist der Schlüssel zum Verständnis dieser knappen ersten.

milich vz stozzen. Vz stozzen bedeutet herausstoßen/auspressen: aus den mit Wein vermengten Mandeln wird die Milch gewonnen. Eine quarkartig geronnene Milch entsteht hier nicht. Wie genau gestoßen und ausgepresst wird, sagt der Text selbst nicht - siehe dazu die Mandelmilch-Grundlage.

Wird die Masse beim Andicken erhitzt? Der Text nennt Hitze ausdrücklich nur für das Schmelzen von Schmalz oder Speck in der Pfanne, nicht für das Zusammenführen von Mandelmilch, Kirschen und Reismehl. Ohne Erhitzen bindet die Reisstärke aber nicht - in der Praxis unten wird die Masse deshalb unter Rühren erwärmt.

Kirschen roh oder gekocht? bgs-001 sagt nur, dass die Kirschen durchs Sieb geschlagen werden, ohne eine Kochangabe. Die Schwesterfassung bgs-083 kocht sie ausdrücklich in Wein, bevor sie durchs Tuch passiert werden - daran orientiert sich die Praxis-Anleitung.

vierdung und halbe mark. Ein Vierdung ist ein Viertelpfund Reis (ca. 125 g), zu feinem Reismehl gestoßen; es bindet das Mus. Die halbe Mark Zucker (ca. 115-125 g) wird mit dem geschmolzenen Schmalz vermischt und untergerührt - so bekommt das Mus Süße und Fülle zugleich.

versaltz niht. Eine eigene Salzzugabe nennt der Text nirgends. Die Warnung „versalze es nicht“ ist im Korpus eine stehende Schlussformel, die in vierzig weiteren Rezepten in ähnlicher Form vorkommt. Am naheliegendsten bezieht sie sich auf den gewählten Fettanteil: Speck ist von sich aus salzig, reines Schmalz nicht.

Praxis. Für etwa vier Portionen: aus 250 g Mandeln und ca. 0,5 l Weißwein eine Mandelmilch ausstoßen. 500 g entsteinte Kirschen (frisch, tiefgekühlt oder Sauerkirschen/Weichseln) kurz weich köcheln und durchs Sieb streichen, in die Mandelmilch geben. 60-80 g Reismehl (fertig gekauft erspart das Stoßen) einrühren und unter Rühren bei milder Hitze andicken lassen, bis die Masse sämig bindet. 40-50 g Schmalz schmelzen, ca. 100-125 g Zucker darin verrühren und unterrühren. Eine eigene Salzzugabe nennt der Text nicht - bei Speck ohnehin unnötig, bei reinem Schmalz nach Belieben eine Prise Salz zugeben, aber nicht übersalzen. In Schälchen servieren. Vegetarisch mit Pflanzenöl statt Schmalz.

Wo bekomme ich reines Schmalz oder Speck?

Reines Schmalz oder Speck erhalten Sie beim Metzger Ihres Vertrauens. Achten Sie auf gute Qualität. Als Alternative für eine vegetarische Variante kann auch ein geschmacksneutrales Pflanzenöl wie Rapsöl verwendet werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, mit etwas Vorbereitung. Am Topf über offenem Feuer ist das Mus gut machbar, ein Ofen oder eine Kühlung wird nicht gebraucht. Reismehl kauft man am besten fertig, das erspart das mühsame Stoßen vor Ort. Kirschen lassen sich zu Hause entsteinen und passieren oder bereits eingekocht mitnehmen. Am Lager bleiben dann nur noch das Auspressen der Mandelmilch und das geduldige Rühren beim Andicken übrig.

Was bedeutet 'eine halbe Mark' im Rezept?

Eine 'Mark' war eine mittelalterliche Gewichtseinheit, die je nach Region variierte, aber typischerweise zwischen 230 und 250 Gramm lag. Eine 'halbe Mark' entspricht somit etwa 115 bis 125 Gramm.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Ein konkavelite. Zuo einer schuezzeln ze machen: man sol nemen ein phunt mandels vnd sol mit wine die milich vz stozzen. vnd kirsen ein phunt, vnd slahe die durch ein sip vnd tuo die kirsen in die milich. vnd nim einen vierdung rises, den sol man stozzen zvo mele, und tuo daz in die milich. vnd nim denne ein rein smaltz oder spec vnde smeltze daz in einer phannen vnd tuo dar zvo eine halbe mark wizzes zuckers. vnd versaltz niht vnd gibz hin.
konkavelite

Ungewöhnlicher Gerichtname, im selben Buch ein zweites Mal als „Conkauelit“ überliefert (bgs-083). Bezeichnet ein angedicktes Kirsch-Mandel-Mus; die genaue Wortherkunft ist unklar.

milich vz stozzen

Die Mandelmilch herausstoßen (vz stozzen = herausstoßen/auspressen): aus den mit Wein vermengten Mandeln wird die Milch gewonnen. Kein Gerinnen-Lassen.

vierdung

Ein Viertelpfund, hier Reis (ca. 125 g), zu Reismehl gestoßen.

halbe mark

Eine halbe Mark Zucker, ca. 115-125 g (die Mark war eine Gewichtseinheit von etwa 230-250 g).

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 156r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein phunt mandelsalmond Q184357
winewine Q282
milichmilk Q8495
einen vierdung risesrice Q5090

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartHitze der Mandelmilch-Kirsch-Reismehl-Masse

Gewählte Lesart: Die Masse wird unter Rühren bei milder Hitze angedickt, bis das Reismehl bindet - sonst bleibt sie roh und körnig, da Reisstärke ohne Erhitzen nicht aufschließt.

Andere mögliche Lesart:

  • Rein wörtlich ließe sich die Masse kalt vermengen und nur Schmalz und Zucker separat erwärmt zugeben. - Der Text nennt Hitze nur für das Schmelzen von Schmalz oder Speck in der Pfanne, nicht für die Hauptmasse. Ein rein kaltes Vermengen ergäbe aber eine mehlig-rohe Konsistenz, da die Reisstärke ohne Hitze nicht bindet.

LesartKirschen roh oder gekocht durchs Sieb

Gewählte Lesart: Die Kirschen werden vor dem Passieren kurz weich geköchelt, wie es die ausführlichere Parallelfassung bgs-083 ausdrücklich beschreibt (dort in Wein gekocht).

Andere mögliche Lesart:

  • Rohe, reife Kirschen ließen sich auch direkt durchs Sieb schlagen. - bgs-001 selbst nennt nur „slahe die durch ein sip“ ohne Kochangabe. Das Ergebnis wäre dünnflüssiger und säuerlicher, aber unbedenklich - ein Textur-, kein Sicherheitsthema.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 156r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Topf über offenem Feuer gut machbar. Kirschen lassen sich zu Hause entsteinen und einkochen oder einfrieren, Mandelmilch ist im Tetrapack lagerstabil (ungesüßt), Reismehl wird fertig gekauft. Vor Ort braucht es nur das Passieren der Kirschen und geduldiges Rühren beim Andicken - kein Ofen, keine Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.