Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Um eine Konkavelite zuzubereiten, nimm ein Pfund Mandeln. Aus diesen sollst du mit Wein die Milch herausstoßen. Nimm dazu ein Pfund Kirschen, schlage sie durch ein Sieb und gib die Kirschen in die Milch. Nimm ein Viertelpfund Reis und stoße ihn zu Mehl, und gib auch das in die Milch. Nimm dann reines Schmalz oder Speck und schmelze es in einer Pfanne, und gib dazu eine halbe Mark weißen Zuckers. Versalze es nicht und serviere es.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| ein phunt mandels | 500 g Mandeln | - | - |
| wine | Wein (z.B. Weißwein) | - | - |
| milich | Mandelmilch (aus den Mandeln gewonnen) | - | - |
| kirsen ein phunt | 500 g Kirschen | Wochenmarkt | - |
| einen vierdung rises | 125 g Reis | - | - |
| rein smaltz oder spec | 50 g reines Schmalz oder Speck | Metzger | Pflanzenöl (z.B. Rapsöl) für eine vegetarische Variante |
| eine halbe mark wizzes zuckers | 125 g weißer Zucker | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Kirschmus auf Mandelmilch-Basis, mit Reismehl zum sämigen Pudding angedickt - ein früher Verwandter des blanc manger, aber auf Frucht statt Fleisch gebaut. Dasselbe Gericht steht im selben Buch ein zweites Mal (bgs-083, dort „Conkauelit“ geschrieben, mit ausführlicherem Wortlaut): saure Kirschen mit Wein gekocht, durchs Tuch passiert, mit Mandelmilch und Reismehl gebunden, mit Schmalz und Zucker abgerundet. Die zweite Fassung ist der Schlüssel zum Verständnis dieser knappen ersten.
milich vz stozzen. Das ist kein Gerinnen, sondern das Herstellen der Mandelmilch: Mandeln werden mit dem Wein im Mörser zerstoßen und die Flüssigkeit durchs Tuch ausgepresst (vz stozzen = herausstoßen/auspressen). Die Schwesterfassung bgs-083 macht das eindeutig - dort kocht man die Kirschen separat in Wein und gießt sie in die fertige Mandelmilch. Eine quarkartig geronnene Milch entsteht hier nicht.
vierdung und halbe mark. Ein Vierdung ist ein Viertelpfund Reis (ca. 125 g), zu feinem Reismehl gestoßen; es bindet das Mus. Die halbe Mark Zucker (ca. 115-125 g) wird mit dem geschmolzenen Schmalz aufgelöst und untergerührt - so bekommt das Mus Süße und Fülle zugleich.
Praxis. Für etwa vier Portionen: aus 250 g Mandeln und ca. 0,5 l Weißwein eine Mandelmilch ausstoßen. 500 g entsteinte Kirschen (frisch, tiefgekühlt oder Sauerkirschen/Weichseln) kurz weich kochen und durchs Sieb streichen, in die Mandelmilch geben. 60-80 g Reismehl (fertig gekauft erspart das Stoßen) einrühren und unter Rühren bei milder Hitze andicken lassen. 40-50 g Schmalz schmelzen, ca. 100-125 g Zucker darin auflösen und unterrühren. Eine Prise Salz hebt die Süße, daher die Warnung versaltz niht. In Schälchen servieren. Vegetarisch mit Pflanzenöl statt Schmalz.
Reines Schmalz oder Speck erhalten Sie beim Metzger Ihres Vertrauens. Achten Sie auf gute Qualität. Als Alternative für eine vegetarische Variante kann auch ein geschmacksneutrales Pflanzenöl wie Rapsöl verwendet werden.
Ja, mit etwas Vorbereitung. Am Topf über offenem Feuer ist das Mus gut machbar, ein Ofen oder eine Kühlung wird nicht gebraucht. Reismehl kauft man am besten fertig, das erspart das mühsame Stoßen vor Ort. Kirschen lassen sich zu Hause entsteinen und passieren oder bereits eingekocht mitnehmen. Am Lager bleiben dann nur noch das Auspressen der Mandelmilch und das geduldige Rühren beim Andicken übrig.
Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', dem ältesten bekannten Kochbuch in deutscher Sprache, verfasst um 1350 im süddeutschen Raum. Es gibt Einblicke in die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters.
Eine 'Mark' war eine mittelalterliche Gewichtseinheit, die je nach Region variierte, aber typischerweise zwischen 230 und 250 Gramm lag. Eine 'halbe Mark' entspricht somit etwa 115 bis 125 Gramm.
Ungewöhnlicher Gerichtname, im selben Buch ein zweites Mal als „Conkauelit“ überliefert (bgs-083). Bezeichnet ein angedicktes Kirsch-Mandel-Mus; die genaue Wortherkunft ist unklar.
Die Mandelmilch herausstoßen: Mandeln mit Wein im Mörser zerstoßen und die Milch durchs Tuch auspressen. Kein Gerinnen-Lassen.
Ein Viertelpfund, hier Reis (ca. 125 g), zu Reismehl gestoßen.
Eine halbe Mark Zucker, ca. 115-125 g (die Mark war eine Gewichtseinheit von etwa 230-250 g).
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