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Ausgekochter Kapaunhals

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit70 Min.Portionen1-2 Personen als kleine Mahlzeit oder als BrühenbasisBuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Trenne dem Kapaun den Hals ab. Stecke ihn in einen engen irdenen Topf und gieße so viel Wasser darauf, dass er bedeckt ist. Lass ihn unten auf einem Dreifuß aussieden.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
kapauner Kapaun Metzger, gut sortierter Wochenmarkt Hähnchen
hals Hals - -
wasser Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Ein ausgekochter Kapaunhals - das simpelste Auskoch-Verfahren des Regensburger Kochbuchs. Es lebt bis heute weiter: als Geflügelklein- bzw. Hals-Brühe und in der Tradition des gefüllten Geflügelhalses (cou farci, gefüllter Gänsehals). Das unmittelbare Schwesterrezept m5919-070 macht mit einer ganzen Gans Wort für Wort dasselbe; m5919-069 zeigt die Gegenvariante, bei der der Hals gefüllt statt ausgekocht wird.

Der Titel trägt die Schreiberformel merck („merk(e)!“) - ein bloßes „Beachte:“, das die Handschrift Dutzenden Rezepten voranstellt. Es bezeichnet weder „Hals“ noch „Mark“; der Halsbezug steht erst im Fließtext.

Die Anweisung dy teck ist als Verb zu lesen - stecke (ihn in den Topf), wie der Paralleltext m5919-070 „dy steck in ainen engen erdein copff“ zeigt. Nicht „die Stücke“. Auch schalt ... ab meint hier am ehesten abtrennen/abschlagen (vgl. 069 „hals ab schlahen“, 070 „dros abgeschnten“), nicht „schälen“.

Praxis. 2-3 Kapaun- oder Hähnchenhälse (ersatzweise Geflügelkarkassen, ca. 300-400 g) in einen kleinen, engen Topf geben und knapp mit Wasser bedecken (ca. 0,5 l). Der enge Topf ist Absicht: wenig Wasser ergibt eine kräftigere Brühe. Auf dem Dreifuß über schwacher Glut leise sieden, dabei den Schaum abschöpfen. Soll vor allem das Fleisch genutzt werden, reichen 30-45 Minuten; für eine konzentrierte Brühe 60-70 Minuten oder länger ziehen lassen. Das Original nennt keine Würze - höchstens eine Prise Salz ergänzen.

Was ist ein Kapaun?

Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der speziell gemästet wurde, um besonders zartes und fettreiches Fleisch zu entwickeln. Er galt im Mittelalter als eine besondere Delikatesse und war oft den wohlhabenderen Haushalten vorbehalten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung im irdenen Topf auf einem Dreifuß über offenem Feuer ist authentisch und praktikabel. Achte darauf, frischen Kapaunhals am Markttag zu besorgen, da er Kühlung benötigt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch) verfasst wurde. Es ist Teil einer Sammlung von Rezepten, die oft eine gehobene Festküche widerspiegeln.

Was bedeutet 'trifus' im Rezept?

Ein 'trifus' ist ein Dreifuß, ein einfaches Gestell mit drei Beinen, das über einer Feuerstelle platziert wird. Darauf konnte man Töpfe oder Kessel stellen, um Speisen über dem offenen Feuer zu garen.

von dem koppauer merck den kapauner schalt du den hals ab gesniten sey dy teck in ain engen erden kopf gews wasser dar auf das sy pedeckt sey las si vnden aussieden
kapauner

Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn, der für zarteres und fettreicheres Fleisch gezüchtet wurde und als Delikatesse galt.

merck

Rubrik-Formel dieses Schreibers, Imperativ von „merken“ („merk(e)!“ = beachte, nimm zur Kenntnis). Sie eröffnet hier wie in vielen anderen Rezeptköpfen der Handschrift den Eintrag und gehört NICHT in den Gerichtsnamen - also weder „Mark“ noch „Hals“.

erden kopf

Ein Topf aus Ton, der direkt ins Feuer oder auf einen Dreifuß gestellt werden kann.

trifus

Ein Dreifuß ist ein Gestell mit drei Beinen, das über dem offenen Feuer platziert wird, um einen Topf darauf zu stellen.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 023r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartkoppauer merck

Gewählte Lesart: „Vom Kapaun - merk(e)!“: „merck“ ist hier kein Bestandteil des Gerichtsnamens, sondern die in diesem Manuskript durchgehende Rubrik-Formel (Imperativ von „merken“ = beachte, nimm zur Kenntnis).

Andere mögliche Lesart:

  • „Kapaunerhals“ (Hals als Bestandteil des Titels) - Verworfen. Das Wort „hals“ steht erst im Rezeptkörper, nicht im Kopf. „merck“ bedeutet weder „Hals“ noch „Mark“: dieselbe Kopf-Formel „merck“ findet sich gleichlautend in zahlreichen anderen Rezepten dieser Handschrift (u.a. m5919-030, -031, -032, -061, -065 sowie im unmittelbaren Schwesterrezept m5919-069 „Von dem kapauner merck“ und in m5919-070), überall ohne Hals- oder Mark-Bezug. Der Halsbezug des Gerichts stammt allein aus dem Fließtext.

Lesartschalt du den hals ab

Gewählte Lesart: Trenne/schlage den Hals ab.

Andere mögliche Lesart:

  • Schäle/häute den Hals ab (Haut abziehen) - Mögliche Nebenlesart, ohne deutsche Eich-Edition für Cgm 5919 nicht sicher zu entscheiden. Für „abtrennen“ sprechen zwei Parallelen derselben Handschrift: m5919-069 „den hals ab schlahen“ (Hals abschlagen) und m5919-070 „der dros abgeschnten sey“ (die Kehle abgeschnitten). 068 (Hals ab) und 069 (Hals NICHT ab, sondern füllen) bilden ein bewusstes Verfahrenspaar.

Lesartdy teck

Gewählte Lesart: „dy (s)teck“ = stecke (ihn/sie) in den Topf (Imperativ von stecken).

Andere mögliche Lesart:

  • „die Stücke“ (Substantiv) - Verworfen. Der nahezu wortgleiche Paralleltext m5919-070 schreibt an gleicher Stelle eindeutig „dy steck in ainen engen erdein copff geus wasser darauf“ - also Imperativ „stecke“ mit am Anfang stehendem s-. In 068 ist das s- bei „teck“ verschluckt (typische Schreiberhand). Die Lautwege „teck“→„Stücke“ bzw. „Decke“ sind dagegen nicht zu halten.

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 023r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Reine Topf-und-Wasser-Küche: ein irdener Topf auf dem Dreifuß, kein Ofen, kein Kaltstellen, kein Gerät. Ideal als Resteverwertung, wenn man Geflügelhälse oder -karkassen sammelt - skaliert problemlos. Einkaufshinweis: rohes Geflügel braucht Kühlung, also am Markttag frisch besorgen.
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