Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Nimm Kalbfleisch und wasche es gründlich. Schäume es gut ab. Wenn es gar gekocht ist, gib Rosinen und Nelken hinzu, zusammen mit anderen süßen Gewürzen. Schmecke das Gericht mit Wein und Essig ab. So wird es gut sein für die Römer.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| carnes vitellinas | Kalbfleisch | - | Metzger | - |
| uuam passam | Rosinen | - | - | - |
| gariofolos | Nelken | - | - | - |
| aliis spetiebus dulcibus | Süße Gewürze | - | Supermarkt | - |
| vino | Wein | - | - | - |
| aceto | Essig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Süß-saures Kalbfleisch: gewaschen, gar gekocht und dabei abgeschäumt, dann mit Rosinen, Nelken und weiteren süßen Gewürzen versetzt und mit Wein und Essig süß-sauer abgeschmeckt - ein schlichtes Agrodolce ohne Brotbindung, ohne Farbregie, ohne Blut oder Innereien. Bockenheim nennt es ‚für die Römer‘ (oder: ‚nach Römerart‘ - welche Lesart zutrifft, bleibt offen). Die nächste lebende Verwandtschaft ist das süditalienische vitello in agrodolce (Kalbfleisch süß-sauer); entfernter, nur über das Rosinen-Essig-Motiv, ist die deutsche Sauerbraten-Familie. Von den mit Brot gebundenen, durchpassierten Peperata-Saucen der Zeit (vgl. mar-005) unterscheidet sich boc-007 dadurch, dass hier gar nichts gebunden wird - es entsteht ein gewürzter süß-saurer Sud, keine gebundene Sauce.
Uuam passam sind Rosinen (wörtlich ‚getrocknete Trauben‘) - sie bringen die Süße und garen ohne zu zerfließen mit. Gariofolos (Nelken) und die aliis spetiebus dulcibus (andere süße Gewürze, etwa Zimt, Muskat, Ingwer) stützen die warme, süßliche Seite; vino et aceto (Wein und Essig) setzen die Säure dagegen.
Ut prius - ‚wie zuvor‘ - verweist auf das Waschen des Fleischs wie in den vorangehenden Rezepten (vgl. boc-005/boc-006); das Abschäumen (spuma bene) ist an dieser Stelle dagegen eine neue, nicht rückverweisende Anweisung, damit die Brühe klar bleibt.
Praxis. Kalbfleisch waschen, im Topf gar kochen und dabei sorgfältig abschäumen, damit die Brühe klar bleibt. Sobald es weich ist, Rosinen, Nelken und süße Gewürze einrühren und mit Wein und Essig süß-sauer abschmecken.
‚Pro Romanis‘ bedeutet ‚für die Römer‘ oder ‚nach Römerart‘. Es ist unklar, ob damit eine spezifische Zubereitungsweise gemeint ist, die als typisch römisch galt, oder ob das Gericht für eine bestimmte Personengruppe, möglicherweise italienische Kaufleute oder Reisende, gedacht war. Süß-saure Fleischgerichte waren im Mittelalter weit verbreitet.
Ja, dieses Gericht ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung in einem großen Topf über offenem Feuer ist unkompliziert. Achte jedoch darauf, das rohe Kalbfleisch vor der Zubereitung gut gekühlt zu lagern.
Im Mittelalter umfassten ‚süße Gewürze‘ typischerweise Zimt, Muskat, Ingwer, Galgant, Paradieskörner oder auch Nelken. Die genaue Mischung variierte je nach Verfügbarkeit und regionalem Geschmack. Man kann eine eigene Mischung aus diesen Gewürzen verwenden, um den gewünschten süß-sauren Geschmack zu erzielen.
Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.
Rosinen (wörtlich ‚getrocknete Trauben‘) - bringen die Süße der Agrodolce-Balance, garen ohne zu zerfließen mit.
Süße Gewürze wie Zimt, Muskat, Ingwer - stützen neben den Nelken die warme, süßliche Seite des süß-sauren Geschmacks.
‚Wie zuvor‘ - verweist auf das Waschen des Fleischs wie in den vorangehenden Rezepten (vgl. boc-005/boc-006); das Abschäumen (spuma bene) ist an dieser Stelle dagegen eine neue, nicht rückverweisende Anweisung.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| uuam passam | raisin Q13186 |
| gariofolos | clove Q15622897 |
| aliis spetiebus dulcibus | spice Q42527 |
| vino | wine Q282 |
| aceto | vinegar Q41354 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 11.07.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.