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Fleischgericht für Italiener

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Bereite das Fleischgericht wie folgt zu:

Nimm mageres, gekochtes Schweinefleisch, dazu Petersilie und deren Wurzeln. Hacke dies mit einem Messer fein. Gib geriebenes Weißbrot hinzu. Lasse alles zusammen kurz aufkochen. Dies wird gut sein für Italiener.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
carnes porcinas macras bullitas Mageres gekochtes Schweinefleisch - Metzger -
petrocillo et radicibus eius Petersilie mit Wurzeln - Wochenmarkt -
pane albo grattato Geriebenes Weißbrot - - Paniermehl

Welches Gericht ist das? Ein gekochtes, fein gehacktes Schweinefleischgericht mit Wurzelpetersilie und geriebenem Weißbrot als Bindung - ein früher Fleisch-Hash, nahe an einem Frikassee. Ministrum ist hier kein ‚Diener‘ oder ‚Amt‘, sondern Bockenheims feststehender Fachbegriff für ‚Gericht/Speise‘ - so korpusweit in über einem Dutzend boc-Rezepten belegt. Der engste Verwandte liegt im eigenen Buch: boc-032 (Schweinefleisch, mit Käse, Ei und Safran gebunden statt mit Brot) teilt mit boc-008 wörtlich dieselbe Kernformel pista illa(s) cum cultello. boc-010 (Lunge/Leber, mit Käse und Ei gebunden) verwendet dieselbe Schreiberformel, ist aber ein eigenständiges Gericht - andere Fleischsorte (Innereien statt Muskelfleisch) und andere Bindetechnik -, keine Gerichtsfamilie mit boc-008.

Pista illa cum cultello - ‚zerstoße/zerkleinere es mit dem Messer‘. Das Verb pista (von pistare/pinsere) meint im Korpus sonst das Stoßen im Mörser (vgl. boc-001: pista illa bene in mortario); erst der ausdrückliche Zusatz cum cultello verschiebt die Bedeutung hier zum feinen Hacken mit dem Messer, nicht im Mörser. Diese Formel begegnet in mehreren Rezepten der Serie und ist offenbar Bockenheims feste Wendung für dieses Verfahren - geteilte Formulierung, nicht zwangsläufig gleiches Gericht.

Petrocillo et radicibus eius ist Petersilie mitsamt Wurzeln - also Wurzelpetersilie, deren würzige Wurzel mitverarbeitet wird, nicht nur das Kraut. Pane albo grattato (geriebenes Weißbrot) bindet die Masse - die typische mittelalterliche Brotbindung, lange vor der Mehlschwitze.

Praxis. Bereits gekochtes, mageres Schweinefleisch verwenden (Reste oder eigens vorgekocht). Mit Wurzelpetersilie (Kraut und Wurzel) auf dem Brett fein hacken. Geriebenes Weißbrot (oder Paniermehl) untermischen und alles zusammen kurz aufkochen (modicum bullire). Das Original nennt für diesen Schritt keine Flüssigkeit und kein Gewürz - ein Schluck Brühe erleichtert in der Praxis das Binden der Masse. In rund 20 Minuten fertig.

Was bedeutet 'pro Italicis'?

Der Zusatz 'pro Italicis' (für Italiener) ordnet das Gericht - wie viele andere Bockenheim-Rezepte - einer der am päpstlichen Hof vertretenen Nationen zu. Bockenheim war Koch am Hof Papst Martins V. und teilte seine Gerichte systematisch nach Nationen und Ständen ein; die Formel ist damit eher eine Adressierung/Klassifikation als eine Aussage über Geschmack oder Beliebtheit des Gerichts in Italien selbst.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sogar besonders gut - dieses Gericht ist einfacher und robuster als manche Nachbarrezepte im Buch: kein Ei, kein Käse, keine heikle Gerinnungsphase. Du brauchst nur einen Topf, eine Feuerstelle, Brett und Messer; das Fleisch lässt sich vorab garen oder frisch am Markt besorgen.

Was bedeutet 'pista illa cum cultello'?

‚Pista illa cum cultello‘ bedeutet wörtlich ‚zerstoße es mit einem Messer‘. Dies ist eine Anweisung, das Fleisch und die Petersilie sehr fein zu hacken oder zu zerkleinern, ähnlich wie man es heute mit einem Wiegemesser oder in einer Küchenmaschine tun würde.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Bonum ministrum de carnibus pro Italicis. Sic prepara ministrum de carnibus. Recipe carnes porcinas macras bullitas, cum petrocillo et radicibus eius et pista illa cum cultello, cum pane albo grattato et mitte illa simul modicum bullire. Et erit bonum pro Italicis.
pista illa cum cultello

Wörtlich ‚zerstoße es mit dem Messer‘. Das Verb pista meint im Korpus sonst das Stoßen im Mörser (vgl. boc-001: pista illa bene in mortario); der Zusatz cum cultello verschiebt die Bedeutung hier eindeutig zum feinen Hacken mit dem Messer, nicht im Mörser.

petrocillo et radicibus eius

Petersilie mitsamt Wurzeln - also Wurzelpetersilie, deren würzige Wurzel mitverarbeitet wird.

pane albo grattato

Geriebenes Weißbrot als Bindung - die typische mittelalterliche Brotbindung, lange vor der Mehlschwitze.

ministrum

Kein ‚Diener/Amtsträger‘ (2. Deklination, Akk. von minister), sondern in Bockenheims Registrum Coquine fester Fachterminus für ‚Gericht/Speise‘ - korpusweit in über einem Dutzend boc-Rezepten so verwendet.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 66v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

pane albo grattatowhite bread Q1501889

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKochflüssigkeit im Schlussschritt (modicum bullire)

Gewählte Lesart: Historisch nennt der Text keine Flüssigkeit - vorgesehen war wohl allein die Resteigenfeuchte des bereits gekochten Fleischs.

Andere mögliche Lesart:

  • Für die moderne Praxis empfiehlt sich ein Schluck Brühe zum Binden. - Trockene Hackmasse mit Brot kann sonst kaum ‚bullire‘ (aufkochen); die verwandten Rezepte boc-010 und boc-032 nutzen ebenfalls Flüssigkeit bzw. Brühe zum Binden.

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 66v/67r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f67) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Schneller, robuster Feuertopf ohne heikle Gerinnungsphase - anders als boc-010 (Käse+Ei) oder boc-032 (rohe Eier) enthält boc-008 weder Ei noch Käse. Basis ist bereits gekochtes Schweinefleisch, Wurzelpetersilie und Weißbrot: marktfrisch oder lagerfest, kein Kühlbedarf. Nur kurzes Aufkochen am Schluss - Brett und Messer reichen zum Hacken.
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Stand dieser Fassung: 11.07.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.