Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433
Pro Mulieribus.
Sic prepara carnes porcinas. Recipe eas, et laua bene et mitte
ad ignem. Et cum fuerint cocte, mitte superius oua cruda cum croco
et cepis et aceto. Et erit bonum pro mulieribus.
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375)
Lagerküche-Tipp: Im Topf am Feuer in ca. 90 Min gar ziehen lassen; Eier und Fleisch entweder in der Kühlbox transportieren oder am Markttag vor Ort beschaffen.
Für Frauen.
Bereite Schweinefleisch wie folgt zu: Nimm das Fleisch, wasche es gut und setze es auf das Feuer. Und wenn es gar ist, gib rohe Eier mit Safran, Zwiebeln und Essig darüber. Und es wird gut sein für Frauen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| carnes porcinas | Schweinefleisch | - | - |
| oua cruda | Rohe Eier | - | - |
| croco | Safran | - | - |
| cepis | Zwiebeln | - | - |
| aceto | Essig | - | - |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ad ignem
Gewählte Lesart: „auf das Feuer setzen“ im Sinne von kochen oder sieden. Die Zugabe von rohen Eiern, Zwiebeln, Safran und Essig nach dem Garen deutet auf ein gekochtes oder gesottenes Fleisch hin, das dann mit einer Art Sauce oder Auflage versehen wird.
Andere mögliche Lesart:
Der Titel „Pro Mulieribus“ ist in mittelalterlichen Kochbüchern häufig zu finden. Er deutet darauf hin, dass das Gericht als besonders bekömmlich, nahrhaft oder stärkend für Frauen, möglicherweise auch für Schwangere oder Wöchnerinnen, angesehen wurde. Es ist keine Einschränkung, sondern eine Empfehlung.
Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die Lagerküche. Rohe Eier, die nach dem Kochen hinzugefügt werden, sind in einer warmen Umgebung ohne Kühlung problematisch. Das Gericht sollte zu Hause vorbereitet werden.
Dieses Rezept stammt aus dem „Registrum Coquine“, einem Kochbuch, das um 1433 von Johannes von Bockenheim, dem Koch des Papstes Martin V., verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die höfische Küche des frühen 15. Jahrhunderts.
Die Anweisung „auf das Feuer setzen“ bedeutet in diesem Kontext, das Schweinefleisch in einem Topf mit Flüssigkeit (vermutlich Wasser oder Brühe) über dem Feuer zu kochen oder zu sieden, bis es gar ist. Es ist kein Braten oder Rösten gemeint.