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Rote Kochbirnen mit Heu

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit30 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Wenn du im November und Dezember deinen Kochbirnen eine leuchtend rote Farbe verleihen möchtest, so verfahre wie folgt: Lege Heu in einen Topf zum Kochen. Bedecke den Topf so fest, dass kein Dampf entweichen kann. Beachte, dass du auf die Birnen Fenchelsamen geben musst, die zuvor in neuem Wein gekocht und dann getrocknet wurden, oder alternativ Dragées.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
poires d'angoisse Kochbirnen (z.B. Gieser Wildeman) Wochenmarkt, Hofladen Harte Birnensorten wie Conference
foing Heu Tierhandlung, Bauernhof -
graine de fanoul Fenchelsamen - -
vin nouvel Neuer Wein (Most, unvergorener Traubensaft) Winzer, Supermarkt (Traubensaft) Süßer Weißwein oder Apfelsaft
dragee Fenchel-Dragées Spezialitätengeschäft, Online Zuckerüberzogene Anissamen
Wo bekomme ich 'poires d'angoisse'?

Die 'poires d'angoisse' sind harte Kochbirnen, die lange garen müssen. Suche auf Wochenmärkten oder in Hofläden nach alten Birnensorten wie 'Gieser Wildeman' oder 'Kletzenbirne'. Alternativ kannst du auch feste, unreife Birnen wie Conference verwenden, die noch nicht ganz weich sind.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Du kannst die Birnen in einem gut verschlossenen Topf (z.B. einem Dutch Oven) über der Glut langsam garen. Das Heu dient dabei als Polsterung und Aromageber. Die Fenchelsamen kannst du bereits vorbereitet mitbringen oder vor Ort in Most kochen und trocknen. Dragées sind eine praktische Alternative, die man einfach mitbringt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris.

Was bedeutet 'vin nouvel' und 'dragee' im Rezept?

'Vin nouvel' bezeichnet unvergorenen oder nur leicht vergorenen Traubensaft, also Most. Er ist süß und fruchtig. 'Dragées' sind kleine, zuckerüberzogene Konfekte, oft mit einem Kern aus Samen (hier Fenchelsamen) oder Nüssen. Sie dienten als Süßigkeit und Verdauungshilfe.

Se vous voulez en novembre et en decembre faire avoir a poires d'angoisse vermeille couleur, mectez du foing au cuire et couvrez le pot tellement qu'il n'en ysse point de fumee. Nota qu'il couvient mectre sur les poires de la graine de fanoul qui est boulue en vin nouvel et puis sechee, ou dragee.
poires d'angoisse

Harte Kochbirnen, die lange gegart werden müssen.

foing

Heu.

vin nouvel

Neuer Wein, Most.

dragee

Zuckerüberzogene Samen oder Nüsse.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 168v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpoires d'angoisse

Gewählte Lesart: Harte Kochbirnen, die lange garen müssen.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtlich 'Angstbirnen', was auf ihre Härte und den langen Garprozess anspielen könnte. - Der Name ist eine alte Bezeichnung für bestimmte, schwer zu kochende Birnensorten.

Lesartfumee

Gewählte Lesart: Dampf, der aus dem Topf entweicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Rauch, falls das Heu im Topf zu heiß wird und zu kokeln beginnt. - Obwohl unwahrscheinlich bei richtiger Anwendung, könnte 'fumee' auch Rauch bedeuten, was ein Hinweis wäre, die Hitze zu reduzieren.

Lesartvin nouvel

Gewählte Lesart: Neuer Wein, also Most oder unvergorener Traubensaft.

Andere mögliche Lesart:

  • Jungwein, der bereits leicht vergoren ist, aber noch nicht vollständig ausgereift. - Der Begriff 'vin nouvel' kann je nach Region und Kontext auch einen sehr jungen, noch gärenden Wein bezeichnen.

Lesartdragee

Gewählte Lesart: Zuckerüberzogene Samen oder Nüsse, hier wahrscheinlich Fenchel-Dragées.

Andere mögliche Lesart:

  • Allgemein süßes Konfekt oder kleine, verzierte Süßigkeiten. - Der Begriff 'dragée' war im Mittelalter breiter gefasst und konnte verschiedene Arten von kleinen, süßen Leckereien umfassen.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 168v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Du kannst die Birnen in einem gut verschlossenen Topf (z.B. einem Dutch Oven) über der Glut langsam garen. Das Heu dient dabei als Polsterung und Aromageber. Die Fenchelsamen kannst du bereits vorbereitet mitbringen oder vor Ort in Most kochen und trocknen. Dragées sind eine praktische Alternative, die man einfach mitbringt.
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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