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Fleischfladen aus dem Ofen

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

RindHauptspeise · RindLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10BrotBrot / BackwerkHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Wer einen Fladen aus Fleisch zubereiten möchte, der nehme Fleisch, entweder vom Lendenstück oder vom Bauch, und dazu Knochenmark. Lasse dies alles gut kochen und hacke das Fleisch anschließend fein. Reibe sodann halb so viel Käse darunter, wie Fleisch vorhanden ist, und vermische es mit Eiern, sodass eine dicke Masse entsteht, und würze es mit Pfeffer. Streiche diese Masse auf ein Teigblatt und schiebe es in einen Ofen. Lasse es backen und serviere es heiß.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
fleisch, do ge von dem lumbel oder von dem wenste 500 g Rindfleisch (Lende oder Bauch) Metzger -
knucken 200 g Rinder-Markknochen (oder Knochenmark) Metzger -
als vil keses 250 g Hartkäse (z.B. alter Gouda oder Parmesan) Supermarkt -
eyern 2-3 Eier - -
pfeffer 1 TL Schwarzer Pfeffer - -
ein blat von gemaht 1 Rolle Blätterteig oder Mürbeteig Supermarkt -
Wasser 1 Liter Wasser Leitung -

Welches Gericht ist das? Ein gebackener herzhafter Fleisch-Fladen - eine Art Fleisch-Käse-Pastete auf Teigboden. Gekochtes, fein gehacktes Fleisch wird mit Käse und Ei zu einer dicken, streichfähigen Masse gebunden, auf ein Teigblatt gestrichen und im Ofen gebacken. Es ist das erste einer kleinen Reihe von Fleisch-Fladen im Buch von guter Speise (bgs-087 mit Kutteln, bgs-088 und bgs-089 mit Lende/Käse) - alle nach demselben Grundmuster: gekochtes Fleisch + geriebener Käse + Ei, auf Teig gebacken.

Fleisch und Bindung. lumbel (Lende) ist mager, wenste (Bauch/Flanke) saftiger - eine Mischung gibt Geschmack und Feuchtigkeit. Die mitgekochten markhaltigen Knochen (knucken) geben der Füllung zusätzliche Fett- und Geschmackstiefe. Der Käse - im Rezept ausdrücklich halb so viel wie Fleisch - und die Eier (mengez mit eyern, daz ez dicke) binden die Füllung zu einer streichfähigen, nicht zu wässrigen Masse.

Praxis. Rindfleisch mit den Knochen gut weich kochen, dann fein hacken. Käse im Verhältnis von etwa der Hälfte des Fleischgewichts reiben (bei 500 g Fleisch ca. 250 g Käse) und mit den Eiern zu einer dicken, streichfähigen Masse verrühren - bei zu wässriger Füllung mehr Käse oder ein zusätzliches Ei zugeben. Mit Pfeffer würzen. Auf einen ausgerollten Teig (Mürbe- oder Blätterteig) streichen und im Ofen backen, bis die Füllung durchgegart und die Oberfläche gefestigt ist. Heiß servieren.

Wo bekomme ich die Zutaten für diesen Fladen?

Fleisch und Knochen erhalten Sie beim Metzger. Käse, Eier, Pfeffer und fertigen Teig finden Sie in jedem gut sortierten Supermarkt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, direkt am Lagerfeuer ist es schwierig, da ein Ofen zum Backen benötigt wird. Wenn Sie jedoch Zugang zu einem Lehmofen oder einem großen Dutch Oven haben, der wie ein Ofen beheizt werden kann (mit Glut von oben und unten), ist es machbar. Alternativ können Sie die Fleischfüllung zu Hause vorkochen und am Lager nur noch auf den Teig geben und backen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', einem der ältesten erhaltenen Kochbücher in deutscher Sprache, das um 1350 im süddeutschen Raum verfasst wurde. Es gibt Einblicke in die bürgerliche und höfische Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet 'als vil keses' im Rezept?

'Als vil keses' bedeutet nicht 'nach Belieben', sondern gibt eine feste Mengenrelation vor: halb so viel Käse wie Fleisch. Bei 500 g Fleisch entspricht das etwa 250 g Hartkäse.

Einen fladen. Der eynen fladen woelle machen von fleische, der nem fleisch, do ge von dem lumbel oder von dem wenste, vnd nim knucken, vnd daz daz wol gesoten werde vnd hackez cleyne. vnd ribe als vil keses drunder vnd mengez mit eyern, daz ez dicke vnd wuertzez mit pfeffer. vnd slahe ez vf ein blat von gemaht vnd schuez ez in einen ofen vnd laz ez backen. dar also heiz.
lumbel

Lendenstück - ein mageres, hochwertiges Teilstück.

wenste

Bauch oder Flanke - ein fetthaltigeres, saftigeres Teilstück. (Im Schwesterrezept bgs-087 meint 'wensten' dagegen Kutteln/Pansen.)

knucken

Markhaltige Knochen bzw. Knochenmark, die/das mitgekocht werden/wird, um der Füllung zusätzliche Fett- und Geschmackstiefe zu geben.

blat von gemaht

Ein vorbereitetes Teigblatt als Boden des Fladens - die Teigart ist nicht festgelegt.

als vil keses

Halb so viel Käse wie Fleisch - eine feste Mengenrelation, keine freie Ermessensfrage. (Im Schwesterrezept bgs-087 wird dagegen die gleiche Menge Käse wie Fleisch verlangt.)

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 165r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfleisch, do ge von dem lumbel oder von dem wenste

Gewählte Lesart: Rindfleisch (Lende oder Bauch) - eine verbreitete, vielseitige Fleischart, die beide genannten Teilstücke liefert.

Andere mögliche Lesart:

  • Schweinefleisch - Das mhd. 'fleisch' ist unspezifisch; auch Schwein liefert Lende und Bauch und war weit verbreitet. Die Wahl hing von regionaler Verfügbarkeit ab.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 165r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Braucht zum Backen einen Ofen - am Lager nur in einem gut regelbaren Dutch Oven (Glut von oben und unten) oder transportablen Lehmofen machbar. Fleischfüllung lässt sich gut zu Hause vorkochen und am Lager nur noch auf den Teig geben und backen.
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