München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Mus von Gebäck:
Nimm gebackene Strauben und hacke sie klein. Koch es dann in einer dicken Milch und schlage zwei Eier hinein. Färbe es. Wenn du das Mus anrichten willst, gib Gewürze darauf, so wird es sehr gut.
Strauben: Hacke Strauben sehr gut und gib Milch und Eier dazu. Mache daraus ein Mus. Wenn du möchtest, würze und färbe es.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| gebachen strubeten | Gebackene Strauben | - | Supermarkt (Backwaren) | Frittierte Krapfen oder Schmalzgebäck |
| ainer dicken milch | Dickmilch | - | Supermarkt | Naturjoghurt oder mit Milch verdünnter Quark |
| czway ayer | Eier | 2 | - | - |
| gewurtz | Gewürze | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Zimt, Ingwer, Muskatblüte oder eine süße Gewürzmischung |
| mich | Milch | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein süßes Resteverwertungs-Mus: fertig gebackene Strauben (frittiertes Schmalzgebäck, krapfenartig) werden klein gehackt, in Dickmilch aufgekocht, mit zwei Eiern gebunden, gefärbt (periodentreu mit Safran) und beim Anrichten mit Gewürz bestreut. Ein schnelles, gehaltvolles Dessert, das gebackene Teigreste zweitverwertet - eng verwandt mit dem rheinfränkischen Strauben-Auflauf-Mus und den gebackenen Strauben aus dem Meister-Hans-Korpus, sowie mit dem benachbarten Eier-Mus m384-051 und dem Käse-Mus m384-053.
Küchentechnik. Strauben sehr fein hacken, in der angesäuerten Dickmilch (Joghurt-Konsistenz) bei mäßiger Hitze aufkochen, die zwei verquirlten Eier zügig unterrühren und nur knapp binden lassen - nicht stürmisch kochen, sonst gerinnt das Ei. Mit etwas in warmer Milch aufgelöstem Safran gelb färben, beim Anrichten mit süßer Gewürzmischung (Zimt, Ingwer, Muskatblüte) bestreuen. Insgesamt rund 20 Minuten am Feuer.
Zwei Rezepte, eine Speise. In der Edition Ehlert (1999) stehen hier zwei aufeinanderfolgende, getrennt nummerierte Rezepte: <37> Mus von Gebäck und <38> [Strauben]. Beide beschreiben dieselbe Strauben-Mus-Zubereitung, das zweite knapper. Wir führen sie als einen Eintrag mit beiden Fassungen.
Strauben sind eine Art frittiertes Gebäck, das im Mittelalter sehr beliebt war. Man kann sie sich wie eine Mischung aus Krapfen und Schmalzgebäck vorstellen. Für dieses Rezept können fertige Strauben oder auch andere süße, gebackene Teigreste verwendet werden.
Ja, gut geeignet. Die Zubereitung ist schnell und erfordert nur einen Topf am Feuer. Die Strauben können vorbereitet mitgebracht werden, und die Dickmilch sowie Eier lassen sich mit einer Kühlbox gut frisch halten.
‚Dicke Milch‘ bezeichnet im Mittelalter fermentierte, eingedickte Tiermilch, ähnlich unserer heutigen Dickmilch, Sauermilch oder Naturjoghurt. Es ist keine Mandelmilch gemeint, die explizit als ‚Mandelmilch‘ bezeichnet worden wäre.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
‚Färbe es‘ - eine häufige Anweisung in mittelalterlichen Rezepten. Bei einer süßen Speise wie diesem Mus ist die periodentreue Farbe gelb durch Safran; herzhafte Gerichte konnten auch mit Sandelholz (rot) oder Petersiliensaft (grün) gefärbt werden.
‚Strauben‘ - frittiertes Schmalzgebäck, krapfenartig (Ehlert 1999: ‚eine Art Backwerk; Spritzkrapfen‘). Nicht zu ‚Zerstreutes/Verstreutes‘ verlesen.
Bezeichnet fermentierte, eingedickte Tiermilch, vergleichbar mit heutiger Dickmilch, Sauermilch oder Naturjoghurt. Es ist keine Mandelmilch gemeint.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| czway ayer | chicken egg Q15260613 |
| gewurtz | spice Q42527 |
| mich | milk Q8495 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.