Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Nimm die Brühe von gekochtem Fisch. Füge eine weiße Paste hinzu, zum Beispiel aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot. Schlage die Mischung durch ein Sieb, sodass sie fein und glatt wird.
Lass sie dann aufkochen und würze sie gut. Dies nennt man ein Milchmus. Serviere es zum Essen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| gesotten vischen | Fisch (gekocht) | Fischhändler | - |
| die milich aus den gesotten vischen | Fischbrühe (aus gekochtem Fisch) | - | - |
| weiss priss | Gemahlene Mandeln | - | Eingeweichtes Weißbrot |
| wol gewurczen | Gewürze (nach Geschmack) | - | - |
| (implied) | Salz | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein herzhaftes, weißes Fischmus - im Kern eine Fasten-Blancmange: die Brühe von gekochtem Fisch wird mit einer weißen Paste (Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot) sämig gebunden und durchpassiert. Eine Fastenvariante ohne Kuhmilch, verwandt mit dem Fisch-Blancmanger mar-091 und den Mortrews foc-121, die beide dasselbe Grundverfahren teilen: Fischbrühe, Mandel- oder Brotbindung, Passieren durch ein Tuch.
Warum „Milchmus" ohne Milch? Milich muoss - der Name beschreibt die weiße, milchige Konsistenz, nicht die Zutat. An Fastentagen war Kuhmilch verboten; die weiße Farbe und Cremigkeit kommt von Mandeln (oder Brot) und der Fischbrühe. Genau diese Umdeutung von „Milch" als Textur statt Tierprodukt zieht sich durch die ganze Fastenküche.
Die weiße Priss bindet. Weiss priss ist die weiße Paste, die das Mus zusammenhält. Der Text selbst lässt offen, ob fein gemahlene Mandeln oder eingeweichtes, ausgedrücktes Weißbrot gemeint sind - beides war ein zeittypisches Bindemittel. Das Wort „priss" kommt im Korpus nur an dieser Stelle vor (Hapax legomenon) und bleibt in seiner genauen Bedeutung ungeklärt; die Lesart als Paste/Brei stützt sich auf den Kontext, nicht auf einen gesicherten Wörterbucheintrag. Das Verb schlah sy durch verlangt das Passieren durch ein feines Tuch - der Schritt, der die glatte Konsistenz erst herstellt.
Praxis. Fisch in Wasser gar kochen und die entstandene Brühe auffangen. Die weiße Paste (Mandeln oder ausgedrücktes Weißbrot) mit der Brühe verrühren und durch ein feines Sieb oder Passiertuch streichen, damit sie fein und glatt wird. Anschließend aufkochen lassen und gut würzen. So entsteht ein „Milchmus" - serviert wird es direkt zum Essen.
Ein ‚Milchmus' war im Mittelalter eine Speise mit einer weißen, cremigen Konsistenz. In diesem Rezept wird sie aus Fischbrühe und einer weißen Paste (vermutlich Mandeln oder Brot) zubereitet und gut gewürzt, um eine Art dicke Fischsuppe oder -sauce zu ergeben.
Ja. Fisch kochen, die Mischung durch ein Tuch passieren und erneut aufkochen sind Arbeitsschritte, die sich am Kessel über dem offenen Feuer gut umsetzen lassen - ein feines Passiertuch reicht als Zusatzausrüstung. Zu beachten ist die Frischehaltung des Fisches bis zur Zubereitung.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans', das um 1460 in Basel verfasst wurde. Es ist eine wichtige Quelle für die spätmittelalterliche Küche im südwestdeutschen Raum und gibt Einblicke in die Essgewohnheiten dieser Zeit.
‚Weiss priss' bezieht sich vermutlich auf eine weiße Paste oder einen Brei, wie er in der mittelalterlichen Küche häufig aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot hergestellt wurde, um Speisen zu binden, zu verdicken und ihnen eine helle, milchige Farbe zu verleihen. Das Wort selbst ist ungeklärt - es kommt im Korpus nur in diesem Rezept vor.
Im Mittelalter konnte ‚Muoss' ein allgemeiner Begriff für eine Speise sein, nicht nur für süßen Brei. ‚Milich' (Milch) bezeichnete oft eine weiße, cremige Konsistenz, die auch durch Fischbrühe oder Mandeln erreicht wurde.
Ein ‚Priss' ist vermutlich eine Paste oder ein Brei aus gemahlenen Mandeln oder eingeweichtem Weißbrot, die zur Bindung und Weißfärbung der Speise dienen. Das Wort ist im Korpus ein Hapax legomenon (kommt nur hier vor) und auch in der CoReMA-Edition als ungeklärt vermerkt - die Lesart „Paste/Brei" ergibt sich aus dem Kontext, nicht aus einem gesicherten Wörterbucheintrag.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Gemahlene Mandeln als weiße Binde-Paste - typisch für „milchige" Fastengerichte ohne tierische Milch.
Andere mögliche Lesart:
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