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Mus von gebratenem Fisch

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-3 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Nimm einen gut gebratenen Fisch und Rosinen dazu. Du sollst guten Wein, Gewürze und Zucker haben, und vergiss das Salz nicht. Vermische die Zutaten zu einem Mus.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
gepraten visch Gebratener Fisch Wochenmarkt, Fischhändler -
weinper Rosinen - -
guoten wein Wein - -
gewurcz Gewürze - -
zucker Zucker - -
salcz Salz - -

Welches Gericht ist das? Das ist ein süß-saures Mus aus gebratenem Fisch - herzhafte Röstaromen treffen auf die Süße von Rosinen und Zucker, abgerundet mit Wein und Gewürzen. Im Kochbuch des Meisters Hans selbst nur als knappe Zutatenliste notiert, findet sich das Rezept nahezu wortgleich auch im Mondseer Kochbuch (mon-056, mon-102) - dort mit dem zusätzlichen Verfahrensschritt „stoß durch ein ander“ (zerstoßen, zusammen vermengen), der bei mha-252 nur im Wort „gemuess“ (Mus) mitschwingt.

Praxis. Brate den Fisch (zum Beispiel Hecht, Zander oder Karpfen) gut durch. Die Zwillingsüberlieferung legt nahe, den gebratenen Fisch anschließend mit den Rosinen zu zerstoßen beziehungsweise zu vermengen, statt ihn in Stücken zu belassen - das Ergebnis ist ein sämiges Mus, kein Ragout mit intakten Fischstücken. Gib guten Wein, Gewürze (Pfeffer, Ingwer, Zimt und Nelken sind eine zeittypische Mischung) und Zucker dazu und vermenge alles zu einer sämigen Masse. Vergiss das Salz nicht. Mengen und genauer Garablauf stehen im Text nicht - hier ist Erfahrung und eigenes Abschmecken gefragt.

So wird es richtig gut. Die Balance zwischen der Süße der Rosinen, der Säure des Weins und den Gewürzen ist entscheidend. Serviere das Mus warm.

Was bedeutet „Mus“ in diesem Rezept?

Im ‚Kochbuch des Meisters Hans‘ bezeichnet „Mus“ nicht nur süße Fruchtpürees, sondern allgemein eine gekochte, oft gebundene Speise, die eine breiige oder sämige Konsistenz hat. Hier ist es ein herzhaft-süßer Eintopf oder ein Püree aus gebratenem Fisch.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Ein gebratener Fisch lässt sich gut über dem Feuer zubereiten. Die weiteren Zutaten wie Rosinen, Wein, Gewürze, Zucker und Salz sind lagerfähig oder können frisch am Markttag erworben werden. Die Zubereitung des Mus ist schnell und unkompliziert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Kochbuch des Meisters Hans‘, das um 1460 in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst wurde. Es spiegelt die gehobene bürgerliche Küche des südwestdeutschen Raumes wider.

Welche Gewürze sind mit „gewurcz“ gemeint?

Im Mittelalter war „Gewürze“ oft ein Sammelbegriff für eine Mischung aus kostbaren Importgewürzen. Typisch für die gehobene Küche des 15. Jahrhunderts wären Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskatnuss und Zimt. Du kannst eine Mischung dieser Gewürze nach eigenem Geschmack verwenden.

von ainem gemuess von Item ain gemuess gepraten vischen von gepraten vischen . Nym ain guoten gepraten visch vnd weinper dar zue vnd muost haben guoten wein gewurcz vnd zucker vnd des salcz vergiss nicht
gemuess

Im ‚Kochbuch des Meisters Hans‘ bezeichnet ‚Mus‘ eine breitere Palette von gekochten, oft gebundenen Speisen mit sämiger Konsistenz, nicht nur süße Fruchtpürees.

weinper

‚Weinper‘ kann sowohl frische Weintrauben als auch Rosinen bedeuten. Im Kontext eines gekochten ‚Mus‘ mit Zucker sind Rosinen die plausiblere Zutat.

gewurcz

Ein Sammelbegriff für die damals üblichen, oft importierten Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskatnuss und Zimt.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 095r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartweinper

Gewählte Lesart: Rosinen, da sie eine konzentrierte Süße und Textur bieten, die gut zu einem gekochten Mus passen.

Andere mögliche Lesart:

  • Frische Weintrauben. - ‚Weinper‘ kann sowohl frische Weintrauben als auch Rosinen bedeuten. Im Kontext eines gekochten Gerichts sind Rosinen die plausiblere Zutat.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 095r, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Ein gebratener Fisch lässt sich gut über dem Feuer zubereiten. Die weiteren Zutaten sind lagerfähig oder können frisch am Markttag erworben werden. Die Zubereitung des Mus ist schnell und unkompliziert.
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