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Wildschwein aus Hausschwein

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

🐷 Hauptspeise · Schwein ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 180 Min.👥 4–6 Personen📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Wildschwein aus Hausschwein — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 170r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Pour faire d'un ver bon sanglier, prenez ung ver de deux ans ou environ, et ou moiz de may ou de juing le faictes chastrer; en la saison de porchoisons le faictes chasser, fouailler, et deffaire comme ung sanglier. Vel sic: prenez d'un porc privé qui soit brulé et le cuisiez en moictié eaue moictié vin, et servez en ung plat d'icelluy chaudeau de navetz, de chastaignes. A la venoison, sic 3o.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Um aus einem Ferkel ein gutes Wildschwein zu machen, nimm ein Ferkel von etwa zwei Jahren. Lasse es im Mai oder Juni kastrieren. In der Wildschweinjagdzeit lasse es jagen, schlagen und zerlegen wie ein Wildschwein. Oder so: Nimm ein Hausschwein, das gesengt wurde, und koche es in halb Wasser, halb Wein. Serviere es in einer Schüssel mit einer warmen Sauce aus Rüben und Kastanien. (Anmerkung des Originals: Für Wildbret, so drittens.)

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ung ver de deux ans ou environ Ein Ferkel (ca. 2 Jahre alt) Metzger
un porc privé qui soit brulé Ein gesengtes Hausschwein Metzger
eaue Wasser
vin Wein
navetz Rüben
chastaignes Kastanien

Anmerkungen

ver
Ferkel oder junger Eber
chastrer
kastrieren
porchoisons
Wildschweinjagdzeit
fouiller
schlagen, peitschen (im Kontext der Jagd)
deffaire
zerlegen, ausnehmen
porc privé
Hausschwein
brulé
gesengt, abgeflammt (um Borsten zu entfernen und rauchiges Aroma zu erzeugen)
chaudeau
warme Sauce oder Brühe
navetz
Rüben (oft weiße Rüben oder Mairüben)
chastaignes
Kastanien
A la venoison, sic 3o.
Für Wildbret, so drittens (Verweis auf ein drittes Rezept oder eine Fortsetzung)

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

ver

Gewählte Lesart: Als 'Ferkel' oder 'junger Eber' übersetzt, da es sich um ein zwei Jahre altes Tier handelt, das kastriert werden soll, um Wildschwein zu imitieren.

fouiller

Gewählte Lesart: Im Kontext der Jagd und Zerlegung als 'schlagen' übersetzt, um die Zartheit des Fleisches zu beeinflussen oder die Strapazen einer Wildjagd zu simulieren.

A la venoison, sic 3o.

Gewählte Lesart: Als Anmerkung des Originals im Text belassen, da es sich um einen Verweis auf ein möglicherweise drittes, verwandtes Rezept oder eine Fortsetzung handelt, die nicht Teil der aktuellen Zubereitungsanleitung ist.

Häufige Fragen

Wie kann ich ein Hausschwein wie Wildschwein schmecken lassen?

Das Rezept schlägt zwei Methoden vor: Entweder ein junges Ferkel kastrieren, jagen, schlagen und zerlegen wie ein Wildschwein, um dessen Eigenschaften zu imitieren. Oder ein gesengtes Hausschwein in einer Mischung aus Wasser und Wein kochen und mit einer Sauce aus Rüben und Kastanien servieren, um einen ähnlichen Geschmack zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die Zubereitung direkt am Lager geeignet. Die erste Methode erfordert eine aufwendige Vorbereitung, die einer Jagd und Schlachtung gleicht. Die zweite Methode, das Sengen eines ganzen Schweins und das lange Kochen, ist ebenfalls zu zeit- und ausrüstungsintensiv für typische Lagerbedingungen. Zuhause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es wurde von einem wohlhabenden Pariser Bürger für seine junge Frau geschrieben und enthält neben Kochrezepten auch Ratschläge zur Haushaltsführung und Moral.

Was bedeutet 'gesengt' bei einem Schwein?

Ein 'gesengtes' Schwein bedeutet, dass die Borsten des Tieres durch Abflammen entfernt wurden. Dies geschah traditionell über offenem Feuer oder mit Stroh. Neben der Entfernung der Borsten verleiht das Sengen dem Fleisch auch ein leicht rauchiges Aroma und eine dunklere Kruste, was hier dazu dient, den Geschmack von Wildschwein zu imitieren.

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