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Dreifarbiges Gebäck auf Spießen

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Wenn du ein gutes Gebäck aus dreierlei Blättern zubereiten willst - das eine grün, das andere weiß, das dritte gelb -, so nimm Eier und trenne das Eiweiß davon ab. Lege das Eiweiß beiseite. Hacke Petersilie klein und reibe sie fein, dann mische Eier darunter.

Nimm dann eine Pfanne und fülle sie zur Hälfte mit Schmalz. Backe daraus ein grünes Blatt (aus der Petersilien-Ei-Mischung) und ein gelbes Blatt (aus dem Eidotter) und nimm sie heraus. Schlage dann das Eiweiß auf und backe daraus ein weißes Blatt.

Lege die drei Blätter aufeinander, das grüne in die Mitte. Schneide sie dann in kleine, kunstvolle Stücke und stecke diese auf einen Spieß. Bereite dann einen Teig aus Eiern und Wasser zu, färbe ihn gelb (z.B. mit Safran) und ziehe die Spieße durch diesen Teig. Backe sie in Schmalz aus.

Zieh dann die Spieße heraus und schneide das Gebäck der Länge nach auseinander, um die Schichten zu zeigen. Lege es auf eine Schüssel und streue reichlich Zucker darüber. Salze es nicht.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
air Eier - -
pettersill Petersilie - -
smalcz Schmalz - Butterschmalz oder Pflanzenöl
wasser Wasser Leitung -
czuckers Zucker - -
mach In gelb Safran (zum Färben) gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein dreifarbiges Schau-Omelette: drei separat gebackene, gefärbte dünne Eier-Blätter (grün mit Petersilie, gelb mit Eidotter, weiß mit Eischnee) werden übereinandergeschichtet, geschnitten, aufgespießt, durch einen safrangelben Ausbackteig gezogen und ein zweites Mal in Schmalz frittiert. Beim Längsaufschnitt zeigt sich der dreifarbige Schichtquerschnitt - ein Vorläufer heutiger geschichteter Eierspeisen-Schaugerichte.

Schachbrettartig geschnitten. Der rätselhafte Ausdruck für die Schnittform lässt sich über den Zwilling aus dem Meister-Hans-Kochbuch auflösen: Gemeint ist ein schachbrettartiges Muster, in das die geschichteten Blätter vor dem Aufspießen geschnitten werden.

Praxis. Die drei Ei-Blätter werden nacheinander in einer schmalzhalb gefüllten Pfanne wie dünne Frittata-Blätter gebacken - erst das grüne (Petersilie mit Eigelb verrührt), dann das gelbe (reines Eidotter), zuletzt das weiße (aufgeschlagenes Eiweiß). Die drei Blätter übereinander schichten, das grüne in die Mitte, und schachbrettartig in kleine Stücke schneiden. Die Stücke auf Spieße stecken - das fixiert die feuchten, fettigen Schichten, die sonst leicht auseinanderfallen. Die Spieße durch einen mit Safran gelb gefärbten Ei-Wasser-Teig ziehen und in reichlich heißem Schmalz nochmals ausbacken. Vor dem Servieren die Spieße entfernen, das Gebäck der Länge nach aufschneiden, damit die drei Farbschichten sichtbar werden, großzügig mit Zucker bestreuen und nicht salzen.

Was bedeutet 'schassczogbit'?

'Schassczogbit' ist eine bairische Lautvariante von mittelhochdeutsch 'schâchzabel' (Schachbrett). Ein nahezu wortgleiches Rezept im Meister-Hans-Kochbuch überliefert an derselben Stelle 'schaffczag lat', und mehrere weitere Belege bestätigen dieselbe Lesart. Gemeint ist also ein schachbrettartiger Schnitt, mit dem die geschichteten Eier-Blätter vor dem Aufspießen zerteilt wurden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, als Schaugericht ist es sehr gut geeignet. Die Zubereitung in der Pfanne über offenem Feuer ist problemlos möglich. Die Zutaten sind robust und mit einfacher Kühlung gut zu handhaben. Die Schichtung und das Aufspießen bieten eine schöne visuelle Komponente für Vorführungen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen Sammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider, die Wert auf Ästhetik und Geschmack legte.

Wozu dient das 'Schmalz' im Rezept?

Schmalz (tierisches Fett, meist Schweineschmalz) war im Mittelalter ein gängiges Bratfett. Es verleiht dem Gebäck einen reichen Geschmack und eine knusprige Textur. Für eine vegetarische Variante kann es durch Butterschmalz oder Pflanzenöl ersetzt werden.

ITem wil dw ein guecz pachen von trey= lay pleter machen ainß gruen das ander weyß das tritt gelb so nym air vnd thue das weyß da von vnd thue+ es besunder vnd hack pettersill chlain vnd reib In chlain vnd reib air dar vntter vnd dan ein phann vnd mach sy halb mit einem smalcz vnd mach dan ein gruenß platt her auß vnd mach dan ein gelb plat von denn tutter vnd thue auch her awß vnd chlopff dan das weyß platt her auß vnd leg dy pletter auff ein ander vnd das gruenn mitten so sneydt sy dan chlain schassczogbit vnd stoz es an ein spissel vnd mach dan ain taig mit airen vnd von wasser mach In gelb vnd zeuch es durch ein taig vnd pach es In einem smalcz vnd czewch dan dy spissel her auß vnd sneydt es dan nach der leng von ein ander vnd leg es dan auff die schussel vnd czuckers genug dar auff vnd salcz nitt
schassczogbit

Bairische Lautvariante von 'schaffczag(lat)' < mhd. 'schâchzabel' (Schachbrett) - textkritisch gestützt durch den nahezu wortgleichen Zwilling mha-262 sowie die verwandten Belege mha-261, m5919-057 und koe-017. Bedeutet 'schachbrettartig geschnitten', nicht 'Schafzacken' (mhd. 'zagel' = Schwanz ist hier kein Schnittbegriff).

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 028v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartguecz pachen

Gewählte Lesart: 'Ein gutes Gebäck zubereiten' - 'guecz' wurde als 'gutes' (Adjektiv) und 'pachen' als 'backen/braten' im Sinne von zubereiten verstanden, da es sich um ein süßes Gericht handelt.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Eine gute Speise backen' - Die Lesart 'Speise' ist allgemeiner, aber 'Gebäck' passt besser zum Kontext der 'Blätter' und des Ausbackens in Schmalz.

Lesartpettersill

Gewählte Lesart: 'Petersilie' - die Schreibweise ist eine bairisch-österreichische Variante von Petersilie, die im Kontext des Grünfärbens von Speisen sehr plausibel ist.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Petersilienstängel' - Weniger wahrscheinlich, da die Anweisung 'hack chlain' (klein hacken) eher auf die Blätter als auf die stieligen Teile hindeutet.

Lesartschassczogbit

Gewählte Lesart: 'Schachbrettartig geschnitten' - der Zwilling mha-262 (Meister-Hans-Kochbuch) überliefert an derselben Stelle 'schaffczag lat', eine bairische Lautvariante von mhd. 'schâchzabel' (Schachbrett). Weitere Cross-Belege (mha-261 'schaffczaglat', m5919-057 'schach zaglatt', koe-017 'schagzaglett') sowie der Wörterbucheintrag bei Goetze ('schachzabel, -zagel f. schachbrett') stützen diese Lesart konsistent.

Andere mögliche Lesart:

  • 'Kleine, gezackte Stücke' - Eine rein lautliche Deutung ohne Bezug zur belegten Etymologie; weniger wahrscheinlich angesichts der Cross-Book-Bestätigung von 'schachzabel'.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 028v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Schaugericht: Die Zubereitung der dreifarbigen Schichten und das Aufspießen erfordern etwas Geschick und Zeit, sind aber am Lagerfeuer gut umsetzbar. Ideal für eine Vorführung, bei der die Gäste die kunstvolle Herstellung beobachten können. Zutaten wie Eier und Schmalz sind mit Kühlung gut haltbar.
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