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Geräucherte Fenchelwürste (Salami nach Martino)

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

SchweinHauptspeise · SchweinMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit120 Min.PortionenFür die Vorratshaltung (ca. 10 Pfund Wurstmasse)BuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Willst du gute Würste aus Schweinefleisch oder anderem Fleisch zubereiten, so nimm mageres und fettes Fleisch zusammen, ohne Sehnen, und schneide es sehr fein. Ist das Fleisch zehn Pfund schwer, gib ein Pfund Salz, zwei Unzen gut gereinigten Fenchel und zwei Unzen grob gestoßenen Pfeffer hinzu. Vermische diese Zutaten gut miteinander und lasse sie einen Tag lang ruhen. Danach nimm gut gereinigte und gesäuberte Därme, fülle sie mit diesem Fleisch und hänge sie zum Trocknen in den Rauch.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
carne magra et grassa inseme senza nervi 10 Pfund mageres und fettes Fleisch (z.B. Schwein), ohne Sehnen Metzger -
una libra de sale 1 Pfund Salz - -
due oncie de finocchio ben necto 2 Unzen Fenchel (gereinigt) - -
doi oncie di pepe pistato grossamente 2 Unzen grob gestoßenen Pfeffer - -
budelli ben necti et ben mondi Därme (gut gereinigt) Metzger -

Welches Gericht ist das? Das ist eine echte Salami - die direkte Vorfahrin der italienischen Trockenwurst, die heute noch in jeder Theke liegt. Mageres und fettes Schweinefleisch wird fein gehackt, kräftig gesalzen, mit Fenchel und grobem Pfeffer gewürzt, in Därme gefüllt und an der Luft im kühlen Rauch getrocknet. Fenchel + Pfeffer ist bis heute die Leitwürze der toskanischen Finocchiona. Anders als die Cervelatwurst nebenan (mar-022, mit Käse und Ei, zum baldigen Verzehr) ist dies eine reine Dauerwurst zum Lagern.

Pökeln, nicht kochen. Das eine Pfund Salz auf zehn Pfund Fleisch ist kein Würzsalz, sondern Konservierung: rund 10 Prozent vom Fleischgewicht. Das Salz entzieht Wasser und macht die Masse für Fäulnisbakterien unbewohnbar - die Grundlage jeder Rohwurst. Der Ruhetag (lassale stare per un dì) lässt das Salz durchziehen und die Masse anziehen, bevor gefüllt wird.

Im Rauch trocknen. Poneli asciuccare al fumo heißt wörtlich „hänge sie zum Trocknen in den Rauch" - gemeint ist Kalträuchern und Lufttrocknen, nicht Heißräuchern. Die Wurst gart nicht, sie reift: Sie verliert über Wochen Wasser, der Rauch konserviert und aromatisiert die Oberfläche. Das Ergebnis ist eine schnittfeste Rohwurst, kein Brühwürstchen.

Praxis. Modern auf 1 kg gerechnet: ca. 28 g Salz (Martinos 10 Prozent sind nach heutigem Geschmack sehr salzig - für eine essbare Wurst reichen 25-30 g/kg, idealerweise mit etwas Nitritpökelsalz für Farbe und Sicherheit), 1-2 TL grob gemörserte Fenchelsamen, 1 TL grob gestoßener schwarzer Pfeffer. Fleisch und Rückenspeck (etwa 70:30) bei knapp -2 °C wolfen oder fein hacken, würzen, einen Tag kalt durchziehen lassen, stramm in Schweinedärme füllen, 1-2 Tage anröten lassen und dann kühl bei 12-15 °C und 75-80 Prozent Luftfeuchte über mehrere Wochen reifen, gern mit etwas Kaltrauch. Wer keine Reifekammer hat, sollte das nicht improvisieren: Rohwurst ohne kontrollierte Bedingungen ist ein echtes Lebensmittelrisiko.

Wo bekomme ich Därme für die Wurstherstellung?

Därme erhältst du beim Metzger deines Vertrauens oder in spezialisierten Online-Shops für Hausschlachtebedarf. Achte auf gut gereinigte und gesalzene Naturdärme.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet, da die Würste nach dem Füllen geräuchert und getrocknet werden müssen. Dies erfordert spezielle Bedingungen und Zeit, die am Lager selten gegeben sind. Bereite die Würste zu Hause vor und bringe sie fertig mit.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘ von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in Norditalien verfasst und gilt als wegweisend für die europäische Kochkunst der Renaissance.

Was bedeuten 'libra' und 'oncia' im Rezept?

Eine ‚libra‘ (Pfund) entsprach in Norditalien im 15. Jahrhundert etwa 340 Gramm. Eine ‚oncia‘ (Unze) war dementsprechend etwa 28 Gramm. Die Mengenangaben im Rezept sind also etwas geringer als moderne Pfund- und Unzenmaße.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Für den grob gestoßenen Pfeffer ist ein Mörser ideal. Du kannst dafür einen kleinen Gewürzmörser verwenden. Für das sehr fein geschnittene Fleisch ist ein großer Fleischmörser historisch korrekt, aber modern ersetzt du dies am besten durch einen Fleischwolf (zweifach gewolft) oder eine Küchenmaschine, um eine feine Farce zu erhalten.

Se tu vorrai fare bone salzicchie di carne di porcho o d'altra carne. Togli de la carne magra et grassa inseme senza nervi et tagliala ben menuta. Et se la carne è dece libre metteve una libra de sale, due oncie de finocchio ben necto et doi oncie di pepe pistato grossamente; et mescola bene queste cose inseme et lassale stare per un dì. Et dapoi togli di budelli ben necti et ben mondi et impieli de questa carne et poneli asciuccare al fumo.
libra

Historisches Pfund, ca. 340 Gramm

oncie

Historische Unze, ca. 28 Gramm

finocchio

Fenchel - hier die Samen als Gewürz. Fenchel und Pfeffer sind bis heute die Leitwürze der toskanischen Salami Finocchiona.

pepe pistato grossamente

Grob gestoßener Pfeffer - im Mörser nur angebrochen, nicht zu Pulver gemahlen, für sichtbare Stippen und kräftigeren Biss.

budelli ben necti et ben mondi

Gut gereinigte und gesäuberte Därme als Wursthülle. Mondi meint von Fett und Häutchen befreit, damit der Darm beim Trocknen sauber durchlässt.

asciuccare al fumo

Im Rauch trocknen: Kalträuchern und Lufttrocknen über Wochen, nicht Heißräuchern. Die Wurst gart nicht, sie reift zur schnittfesten Rohwurst.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 8v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 8v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Nichts für das Lager: Die Würste werden gepökelt, einen Tag durchgezogen, gefüllt und dann tage- bis wochenlang im kühlen Rauch getrocknet. Das verlangt kontrollierte Temperatur, niedrige Feuchte und Zeit - alles, was ein Marktwochenende nicht hergibt. Fertig gereifte Würste bringst du am besten von zu Hause mit; vor Ort taugen sie als kalter Schnitt oder kurz am Feuer angebraten.
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