München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505
Stecke jeweils sechs Feigen auf einen Spieß. Bereite so viele Spieße vor, wie du möchtest. Setze sie in einen Kessel oder einen Topf und gieße Wasser und Wein im gleichen Verhältnis hinzu.
Nimm danach Brot und geriebenen Lebkuchen. Gib dies in eine Suppe aus den Feigen, Honig und Essig. Streiche die Mischung durch ein Sieb, würze und färbe sie. Wer möchte, kann alles miteinander vermischen.
Lege die Feigen in ein reines Gefäß und gieße die Sauce darüber. Wenn du das Gericht anrichtest, bestreue es mit prall aufgekochten, runden Weinbeeren (Rosinen) und Essig, kalt serviert.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| vj feigen | Feigen | 6 | Supermarkt | - |
| wasser | Wasser | - | Leitung | - |
| wein | Wein | - | Supermarkt | - |
| prat | Geriebenes Brot | - | - | Semmelbrösel |
| lezelten geriben | Geriebener Lebkuchen | - | Supermarkt (Backwaren) | ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen) |
| honig | Honig | - | Supermarkt | - |
| essig | Essig | - | Supermarkt | - |
| sinbelen erbelten weinper | Zerstoßene Weinbeeren | - | Supermarkt (Trockenfrüchte) | Rosinen |
Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Feigengericht in dunkler Lebkuchen-Pfeffersauce, kalt serviert - eng verwandt mit der Feigensülze/Feigen-Salse-Familie (vgl. m384-076, rfk-016).
Die Technik. Je sechs Feigen auf Spießchen stecken (hält sie beim Kochen zusammen), im Kessel mit Wasser und Wein zu gleichen Teilen weich sieden. Aus dem Feigensud mit Brot, geriebenem Lebkuchen, Honig und Essig eine süß-saure Sauce (Agrodolce) kochen und durchs Sieb streichen, würzen und färben. Die Feigen in ein sauberes Gefäß legen, die Sauce darüber. Kalt anrichten, mit prall aufgekochten, runden Rosinen und Essig bestreut.
Praxis. Getrocknete Feigen in Wasser-Wein weich kochen; eine mit Brot und Lebkuchen gebundene süß-saure Sauce dazu; kalt servieren. Honig gegen Essig = die süß-saure Leitachse, die das Lebkuchen-Aroma trägt.
'Prat' bedeutet hier 'Brot', nicht 'Braten'. Die gesamte Feigensülze-Rezeptfamilie im Korpus (u.a. m384-076, ka1-069, ka1-070, mon-097, mha-117) schreibt an derselben Stelle unabhängig 'brot'/'prot'/'brott' - Fleisch taucht in keiner Parallelfassung auf. Zusammen mit geriebenem Lebkuchen dient das Brot als Bindemittel für die süß-saure Sauce.
Eingeschränkt (Aufwand): Das Garen der Feigen auf Spießen in einem Topf ist gut machbar. Die Zubereitung der komplexen Sauce mit Lebkuchen und das Passieren durch ein Sieb erfordert jedoch etwas mehr Zeit und Sorgfalt, als man im Lager oft hat. Die Kühlung der fertigen Speise ist für die Haltbarkeit vorteilhaft, besonders bei wärmeren Temperaturen.
'Lezelten' ist eine historische Bezeichnung für Lebkuchen oder ein ähnliches gewürztes Gebäck. Hier wird es gerieben als Bindemittel und Geschmacksgeber in der Sauce verwendet, was typisch für die spätmittelalterliche Küche ist, die oft süße und herzhafte Elemente kombinierte.
Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.
Kleine Spießchen - je sechs Feigen aufgesteckt, damit sie beim Sieden Form und Zusammenhalt behalten.
Brot, nicht Braten/gebratenes Fleisch. Bairische Kurzform, die wie ein 'Braten'-Wort aussieht, hier aber zusammen mit geriebenem Lebkuchen als Bindemittel für die Sauce dient. Die gesamte Feigensülze-Rezeptfamilie im Korpus schreibt an derselben Stelle unabhängig 'brot'/'prot'/'brott' (u.a. m384-076, ka1-069, ka1-070, mon-097, mha-117) - Fleisch kommt in keiner der Parallelfassungen vor.
Geriebener Lebkuchen, bindet und würzt die süß-saure Sauce.
‚Sinwel' = rund; ‚erbelten‘ = erwellen/aufkochen (der Schreiber setzt b für w). Getrocknete Weinbeeren (Rosinen) werden in heißem Wasser oder Wein kurz aufgekocht, bis sie sich vollsaugen und wieder prall und kugelrund aufquellen - so kommen sie als Garnitur darüber.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| vj feigen | fig Q2746643 |
| wasser | water Q283 |
| wein | wine Q282 |
| prat | bread Q7802 |
| lezelten geriben | gingerbread for sauce Q1468150 |
| honig | honey Q10987 |
| essig | vinegar Q41354 |
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Stand dieser Fassung: 13.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.