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Gekochte Feigen mit Gewürzsauce

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Stecke jeweils sechs Feigen auf einen Spieß. Bereite so viele Spieße vor, wie du möchtest. Setze sie in einen Kessel oder einen Topf und gieße Wasser und Wein im gleichen Verhältnis hinzu.

Nimm danach Brot und geriebenen Lebkuchen. Gib dies in eine Suppe aus den Feigen, Honig und Essig. Streiche die Mischung durch ein Sieb, würze und färbe sie. Wer möchte, kann alles miteinander vermischen.

Lege die Feigen in ein reines Gefäß und gieße die Sauce darüber. Wenn du das Gericht anrichtest, bestreue es mit prall aufgekochten, runden Weinbeeren (Rosinen) und Essig, kalt serviert.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
vj feigen Feigen 6 Supermarkt -
wasser Wasser - Leitung -
wein Wein - Supermarkt -
prat Geriebenes Brot - - Semmelbrösel
lezelten geriben Geriebener Lebkuchen - Supermarkt (Backwaren) ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen)
honig Honig - Supermarkt -
essig Essig - Supermarkt -
sinbelen erbelten weinper Zerstoßene Weinbeeren - Supermarkt (Trockenfrüchte) Rosinen

Welches Gericht ist das? Ein süß-saures Feigengericht in dunkler Lebkuchen-Pfeffersauce, kalt serviert - eng verwandt mit der Feigensülze/Feigen-Salse-Familie (vgl. m384-076, rfk-016).

Die Technik. Je sechs Feigen auf Spießchen stecken (hält sie beim Kochen zusammen), im Kessel mit Wasser und Wein zu gleichen Teilen weich sieden. Aus dem Feigensud mit Brot, geriebenem Lebkuchen, Honig und Essig eine süß-saure Sauce (Agrodolce) kochen und durchs Sieb streichen, würzen und färben. Die Feigen in ein sauberes Gefäß legen, die Sauce darüber. Kalt anrichten, mit prall aufgekochten, runden Rosinen und Essig bestreut.

Praxis. Getrocknete Feigen in Wasser-Wein weich kochen; eine mit Brot und Lebkuchen gebundene süß-saure Sauce dazu; kalt servieren. Honig gegen Essig = die süß-saure Leitachse, die das Lebkuchen-Aroma trägt.

Was ist mit 'prat' gemeint?

'Prat' bedeutet hier 'Brot', nicht 'Braten'. Die gesamte Feigensülze-Rezeptfamilie im Korpus (u.a. m384-076, ka1-069, ka1-070, mon-097, mha-117) schreibt an derselben Stelle unabhängig 'brot'/'prot'/'brott' - Fleisch taucht in keiner Parallelfassung auf. Zusammen mit geriebenem Lebkuchen dient das Brot als Bindemittel für die süß-saure Sauce.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt (Aufwand): Das Garen der Feigen auf Spießen in einem Topf ist gut machbar. Die Zubereitung der komplexen Sauce mit Lebkuchen und das Passieren durch ein Sieb erfordert jedoch etwas mehr Zeit und Sorgfalt, als man im Lager oft hat. Die Kühlung der fertigen Speise ist für die Haltbarkeit vorteilhaft, besonders bei wärmeren Temperaturen.

Was bedeutet 'lezelten' im Rezept?

'Lezelten' ist eine historische Bezeichnung für Lebkuchen oder ein ähnliches gewürztes Gebäck. Hier wird es gerieben als Bindemittel und Geschmacksgeber in der Sauce verwendet, was typisch für die spätmittelalterliche Küche ist, die oft süße und herzhafte Elemente kombinierte.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (Regensburg, Bayern). Umfangreiche mittelbairische Festküche um 1500: 104 Rezepte aus Regensburg (BSB München, Cgm 5919, datiert um 1500-1510), hyperdiplomatisch transkribiert. Die Kochrezepte stehen auf Bl. 15r-27r. Schwerpunkt auf repräsentativer, gehobener Küche: Pasteten (Hecht, Rindfleisch), Torten von Geflügel, zahlreiche Sülzen und Gallerte (gesülzte Kalbsfüße, Morcheln, Schlehen), Schauspeisen (ein ganzes Huhn in einem Glasgefäß, die Verdopplung eines Aals), Senf sowie Mandel- und Eierspeisen. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M9 ediert. Anders als die sechs Münchner Ehlert-Handschriften NICHT in der gedruckten Edition von Trude Ehlert (1999) enthalten - die CoReMA-TEI ist die alleinige Textbasis.

Ein gemacht feigen so stoß ye vj feigen an ain spissel vnd mach der spissel so vil dw wild vnd secz es In ainen kessel oder In ainen hafen zw vnd geus gleich wasser vnd wein daran dar nach nimm prat vnd lezelten geriben vnd thue den In ain suppen von den feigen vnd honig vnd essig vnd streich das durch ain sib gburcz vnd ferb es vnd der wel das alles vnter ain an der vnd leg dy feigen in ain rains fas vnd geus das dar an wan du das an richtest so strae es mit sinbelen erbelten weinper vnd essig kalt
spissel

Kleine Spießchen - je sechs Feigen aufgesteckt, damit sie beim Sieden Form und Zusammenhalt behalten.

prat

Brot, nicht Braten/gebratenes Fleisch. Bairische Kurzform, die wie ein 'Braten'-Wort aussieht, hier aber zusammen mit geriebenem Lebkuchen als Bindemittel für die Sauce dient. Die gesamte Feigensülze-Rezeptfamilie im Korpus schreibt an derselben Stelle unabhängig 'brot'/'prot'/'brott' (u.a. m384-076, ka1-069, ka1-070, mon-097, mha-117) - Fleisch kommt in keiner der Parallelfassungen vor.

lezelten

Geriebener Lebkuchen, bindet und würzt die süß-saure Sauce.

sinbelen erbelten weinper

‚Sinwel' = rund; ‚erbelten‘ = erwellen/aufkochen (der Schreiber setzt b für w). Getrocknete Weinbeeren (Rosinen) werden in heißem Wasser oder Wein kurz aufgekocht, bis sie sich vollsaugen und wieder prall und kugelrund aufquellen - so kommen sie als Garnitur darüber.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 016r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

vj feigenfig Q2746643
wasserwater Q283
weinwine Q282
pratbread Q7802
lezelten geribengingerbread for sauce Q1468150
honighoney Q10987
essigvinegar Q41354

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 016r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Am Feuer im Kessel gut zu machen; getrocknete Feigen sind robuste, lagertaugliche Vorräte. Wird kalt angerichtet.
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Stand dieser Fassung: 13.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.