Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Hechtpastete mit Mandeln und Reis

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofkücheReisReis
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 PersonenBuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Wenn du Pasteten von gebackenem Hecht und von gestoßenen Mandeln und gestoßenem Reis machen willst: Wenn du den Hecht backst, so lege ihn auf ein Brett und entferne alle Gräten davon. Die geschälten Mandeln stoße gesondert und den Reis gesondert. Und wenn das Hechtfleisch nun (nach dem Backen) gekocht ist, so stoße das Hechtfleisch mit Mandeln und Reis alles durcheinander und mische es mit einer Menge Dickmilch ab. Mache es nicht zu dünn, sodass es dennoch wie ein Mus ist. Gib ein Lot Zucker auch hinein. Färbe es gelb und salze es fein nach Maß.

Mache einen Teig aus gesiebtem Roggenmehl. Brüh das Mehl mit heißem Wasser ab und knete den Teig gut, sodass er fest wird. Forme eine Pastetenhülle und gib die Füllung hinein. Schiebe es in ein Öflein und lass es backen. Achte darauf, dass es nicht verbrennt.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
hechten Hecht gut sortierter Supermarkt, Fischhändler -
gestossem mandel gemahlene Mandeln Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen
gestossem rei?sh reisch gemahlener Reis gut sortierter Supermarkt, Asialaden Reismehl
ainem pfenbart ober milch eine Menge Dickmilch Supermarkt Naturjoghurt oder Quark mit etwas Milch verdünnt
ain lat zucher 1 Lot Zucker - -
salcz fein mas Salz - -
rocken peutlaten melb gesiebtes Roggenmehl Supermarkt -
hayssem wasser heißes Wasser Leitung -
mach es gelb Safran (optional, zum Färben) gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Eine gebackene Hecht-Pastete mit einer Füllung aus Hecht, gestoßenen Mandeln und Reis (ein feines Fischmus), in einer heißwasser-gebrühten Roggenteig-Hülle.

Die Hülle (heißer Teig). Der Teig aus gesiebtem Roggenmehl wird mit heißem Wasser abgebrüht und fest geknetet - ein Brühteig, der sich frei zu einer standfesten Pastetenhülle (‚Kopf') formen lässt (der mittelalterliche ‚coffin'/Standpastete). Hülle füllen, in den Ofen schieben, aufpassen, dass nichts verbrennt.

Die Füllung. Gebackenen, entgräteten Hecht mit separat gestoßenen Mandeln und Reis zu einem Mus stoßen, mit etwas Dickmilch/Rahm abmischen (nicht zu dünn), ein Lot Zucker, gelb gefärbt, fein gesalzen.

Praxis. Heute mit Roggen-Brühteig (Roggenmehl mit kochendem Wasser anbrühen, fest kneten) eine Form auskleiden, die Hecht-Mandel-Reis-Masse einfüllen, im Ofen backen.

Was ist ein 'Pfenbart Obermilch' und 'peutlaten melb'?

'Pfenbart' ist eine unklare Mengenangabe, die hier im Kontext von 'Obermilch' (Dickmilch oder Rahm) als eine Menge oder ein Stück dieser Milchprodukte zu verstehen ist. 'Peutlaten melb' bezieht sich auf 'Beutelmehl', also gesiebtes Mehl, das feiner ist als ungesiebtes Mehl.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Dieses Rezept ist nur eingeschränkt für die Lagerküche geeignet. Das Backen einer Pastete erfordert einen Ofen, der im Lager nur mit einem gut beheizten Dutch Oven oder einem Lehmofen simuliert werden kann. Zudem müssen frischer Hecht und Dickmilch gekühlt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Regensburger Kochbuch' (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es repräsentiert die gehobene, festliche Küche des mittelbairischen Raums dieser Zeit.

Was bedeutet 'ein Lot Zucker' im Rezept?

Ein Lot war eine historische Gewichtseinheit. In Süddeutschland um 1500 entsprach ein Lot etwa 15 bis 16 Gramm.

Ain pasteten von hechten Wildu machen pasteten von pachen hechten vnd von gestossem mandel vnd gestossem reisch wan du dem hecht pachest so leg in auf ain richt vnd thu dy grat al da von vnd den geschelten mandel stoß pesunder vnd den reyß pesunder vnd wan Es nu gesoten ist So stoß es als durch ein ander vnd misch es ab mit ainem pfenbart ober milch vnd mach es nit zw dun das es dennoch sey wie ain mus thue ain lat zucher auch darein mach es gelb salcz fein mas mach ain tag von rocken peutlaten melb prenn das mit hayssem wasser ab vnd will den wol das er hert werdt vnd mach ain kopf vnd thue dy ful dar ein vnd thue es In ain oflein las es pachen wart dar zw das es nit verpryne
peutlaten melb

Gebeuteltes (gesiebtes) Roggenmehl - durch ein Beuteltuch von Kleie befreit, also feineres Mehl für die Teighülle.

prenn das mit hayssem wasser ab

Den Teig mit heißem Wasser abbrühen (Brühteig) - so wird die Roggenhülle fest und standfest genug für eine freistehende Pastete.

mach ain kopf

Eine Pastetenhülle formen (‚Kopf' = der Teigbehälter), in den die Füllung kommt.

oflein

Ein kleiner (Back-)Ofen - die Pastete wird gebacken, nicht am offenen Feuer gegart.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 016r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartainem pfenbart ober milch

Gewählte Lesart: Eine kleine Menge (ein ‚Pfennwert') Obermilch/Rahm bzw. Dickmilch zum Abmischen des Fischmuses - macht es sämig, aber nicht zu dünn.

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 016r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Füllung ist am Feuer machbar, aber die Pastetenhülle braucht einen regelbaren Ofen (‚oflein') - am offenen Lagerfeuer schwer kontrolliert zu backen. Daher eingeschränkt.
Alle Rezepte aus Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.