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Gepresster Schweinekopf in Gallert

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919 · Regensburg, Bayern · 1505

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit180 Min.Portionen6-8 PersonenBuchRegensburger Kochbuch (Cgm 5919) (~1505)

Willst du einen gepressten Schweinekopf zubereiten, so lasse ihn sehr gut sieden und danach sehr gut erkalten. Löse die Knochen sehr schön davon und ziehe die Schwarte ab. Lege den Kopf auf eine Anrichte und hacke ihn sehr klein. Würze ihn gut ab mit guten Gewürzen. Wenn du es gerne tun möchtest, so kannst du gut hartgekochte Eier daruntergeben, damit es aussieht, als sei es gespickt.

Nimm dann ein zweilagiges Tuch und lege die Schwarte darauf. Nimm das gehackte Fleisch und schlage es darauf zusammen. Schlage das Tuch zusammen, trage es in einen Keller und lege einen großen Stein darauf. Presse es gut. Wenn du es zum Essen geben willst, so schneide es in Schnitten. Die Gallerte soll heiß daran kommen und gelb sein, etwa ein Maß.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ain presten schbein kopf Schweinekopf Metzger Schweinebacke oder Eisbein
gutem gburcz Gute Gewürze - Pfeffer, Ingwer, Muskat, Nelken
herte ayr Hartgekochte Eier (optional) - -
ain zbilichs thuech Zweilagiges Tuch Supermarkt (Haushaltswaren) Mulltuch oder Leinentuch
ain grossen stain Großer Stein (zum Pressen) - Schwerer Topf oder Gewicht
dy galradt Gallerte - Selbstgemachte Fleischbrühe mit Gelatine oder Aspikpulver
saffran Safran (zum Färben) gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein Presskopf / Schweinskopfsülze (Headcheese): der gesottene Schweinekopf wird entbeint, klein gehackt, gewürzt, in der eigenen Schwarte zusammengepresst und kalt geschnitten - serviert mit der heißen Galrat aus m5919-004. Der direkte Vorfahr von Presssack/Schwartenmagen/Sülze.

Die Technik. Kopf gut weich sieden, erkalten lassen, Knochen sauber auslösen, Schwarte abziehen. Fleisch fein hacken, kräftig würzen; wer mag, gibt hartgekochte Eier dazu, damit der Anschnitt ‚wie gespickt' aussieht (ein Schau-Effekt). Die Schwarte als Hülle auf ein doppeltes (Zwillich-)Tuch legen, das Hackfleisch darauf häufen, einschlagen, mit einem großen Stein im Keller pressen. Kalt in Schnitten schneiden.

Praxis. Wie heutiger Presskopf: Kopf-/Schwartenfleisch garen, würzen, in Tuch/Form unter Gewicht kalt pressen, aufschneiden. Mit der warmen Leber-Lebkuchen-Galrat (m5919-004) anrichten.

Was ist ein 'gepresster Schweinekopf'?

Ein gepresster Schweinekopf ist eine Art Sülze oder Presswurst, bei der das gekochte und zerkleinerte Fleisch des Schweinekopfes in Form gepresst und anschließend gekühlt wird, oft in einer Gallerte. Es war eine beliebte Methode, Fleisch haltbar zu machen und als repräsentative Speise zu servieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt (Kühlung): Die Zubereitung erfordert das Sieden und anschließende Kühlen des Schweinekopfes, sowie das Pressen unter einem Stein im Keller. Dies ist im Lager nur mit guter Kühlmöglichkeit und ausreichend Zeit (mindestens über Nacht) umsetzbar. Das Kochen selbst ist am offenen Feuer machbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Regensburger Kochbuch' (Cgm 5919), das um 1500-1510 in Regensburg verfasst wurde. Es ist ein Beispiel für die gehobene Festküche des mittelbairischen Raums am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühneuzeit.

Was bedeutet 'sam es vnter spick sey'?

Die Phrase bedeutet ‚als ob es gespickt sei'. Die hartgekochten Eier, die unter das gehackte Fleisch gemischt werden, sollen dem Gericht ein Aussehen verleihen, als wäre es mit Speckwürfeln oder anderen Einlagen durchsetzt, was eine optische Raffinesse darstellt.

Wildu machen ain presten schbein kopf So las In gar wol syeden vnd las In gar wol kalten vnnd claib dy pain gar schonn daruon vnd zeuch dy schbartenn herab vnd thue In auf ain anricht vnd hack In gar clain vnd gburcz In wol ab mit gutem gburcz wildu es gerne thun so machstu wol herte ayr darunter thuen So wirt es sam es vnter spick sey so nimm ain zbilichs thuech vnd leg dy schbarten darauff vnd nimm das geback vnd schlag es zw hauffen darauff vnd schlag das tuch zesam trag es In ainen keler vnd leg ain grossen stain darauff vnd preß in wol vnd wen du zw Essen wildt geben so schneidt es zw schnitlein vnd das dy galradt hais daran kem vnd gilb sein ain maß
claib dy pain ... daruon

Die Knochen sauber vom gekochten Kopf lösen (auslösen/entbeinen).

schbarten

Die Schwarte (Haut) wird abgezogen und dient als Hülle, in der das Hackfleisch gepresst wird.

sam es vnter spick sey

Hartgekochte Eier ins Hackfleisch, damit der Anschnitt ‚wie gespickt' aussieht - ein optischer Effekt.

leg ain grossen stain darauff vnd preß

Mit einem schweren Stein im kühlen Keller pressen, bis der Kopf schnittfest ist - das Press-Sülze-Prinzip.

galradt

Die heiße Leber-Lebkuchen-Galrat (m5919-004) kommt zum Anrichten über die kalten Schnitten.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919
Folio
Fol. 015v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)
Entstehung
Regensburg, Bayern, 1505

Originalwerk (~1505) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 015v, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 5919 (Regensburg, um 1500); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M9 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Sieden geht am Feuer, das Pressen mit einem Stein ist low-tech - aber das Erkalten und kühle Pressen über Nacht (‚in einen Keller') braucht eine kühle Umgebung. Am Lager nur bei kühlem Wetter zuverlässig.
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