Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460
Wenn du gebackene Masannczen haben möchtest, so nimm Käse und reibe ihn klein. Gib Eier hinzu und verteile die Masse auf einem Blech. Füge ein wenig Gewürz hinzu. Willst du es gelb färben, so gib Safran daran und lass es backen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| kaesz | Käse | - | - |
| ayer | Eier | - | - |
| gewurcz | Gewürz | - | Pfeffer, Ingwer, Muskat |
| saffran | Safran | Supermarkt, Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Ein einfacher, gebackener Käse-Eier-Fladen, im Geiste verwandt mit einem herzhaften Käsekuchen ohne Boden oder einem Gratin, der als Vorspeise oder Beilage diente. Die ‚Masannczen‘ sind quasi kleine Käse-Mäsle, die im Ofen gestockt werden.
So gelingt es. Der Schlüssel liegt in der richtigen Käse-Ei-Balance und der Hitzeführung. Nimm einen kräftigen, gut reibbaren Käse, der nicht zu fett ist, damit er beim Backen nicht zu stark ausölt - ein gereifter Bergkäse, alter Gouda oder ein kräftiger Emmentaler sind ideal. Als Startpunkt für 250g geriebenen Käse rechne mit 2-3 mittelgroßen Eiern. Die Masse sollte dickflüssig, aber noch streichfähig sein, ähnlich einem sehr dicken Pfannkuchenteig. Verteile sie etwa 1-2 cm dick auf einem leicht gefetteten Blech oder in einer flachen Auflaufform. Backe die Masannczen bei mittlerer Hitze (ca. 180-200°C Ober-/Unterhitze) im Ofen, bis sie goldbraun sind und die Masse vollständig gestockt ist. Das dauert je nach Dicke 15-25 Minuten. Der häufigste Fehler ist eine zu dünne Masse, die nicht richtig stockt, oder zu langes Backen, wodurch der Käse trocken und zäh wird. Halte die Backzeit im Auge und nimm die Masannczen aus dem Ofen, sobald sie fest und goldbraun sind.
So wird es richtig gut. Das ‚wenig Gewürz‘ ist entscheidend: Ein Hauch frisch geriebener Muskatnuss und etwas schwarzer Pfeffer heben den Käsegeschmack wunderbar hervor. Für eine besondere Note kannst du auch eine Prise Ingwer oder Nelke hinzufügen. Wenn du Safran verwendest, weiche die Fäden kurz in einem Esslöffel warmem Wasser oder Weißwein ein, bevor du sie zur Käsemasse gibst - so entfalten sie Farbe und Aroma optimal. Ein Spritzer Verjus oder Weißweinessig in der Masse kann die Käsenote wunderbar aufbrechen und für eine feine Säurebalance sorgen, die das Gericht lebendiger macht. Serviere die Masannczen warm, vielleicht mit einem einfachen grünen Salat dazu. Die Ränder dürfen ruhig leicht knusprig werden, das gibt schöne Röstaromen und Textur.
Frühneuhochdeutscher Begriff aus dem schwäbisch-alemannischen Raum, vermutlich gebildet aus mhd. masse ("Klumpenmasse, Teig") mit dem regionalen Diminutiv-Suffix -ancz/-enczen - die genaue Herleitung ist unsicher, da das Wort im Korpus offenbar nur dieses eine Mal vorkommt (Hapax legomenon). Wörtlich vermutlich "kleine Mäsle"; das heutige schwäbische Käs-Mäsle liegt sprachlich und kulinarisch nahe, ist aber keine gesicherte Ableitung. Das Gericht selbst ist eine im Backofen gebackene Käse-Ei-Speise mit Auflauf- bzw. Frittata-Charakter, optional mit Safran gelb gefärbt.
Nur eingeschränkt. Die Käse-Ei-Masse muss gleichmäßig von oben und unten durchstocken, das braucht kontrollierte Ofenhitze über 15-25 Minuten. Am offenen Feuer im Topf ist das kaum sauber zu steuern; mit einem Dutch Oven mit Deckel-Glut oder einem Feldbackofen lässt es sich am ehesten nachstellen.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Kochbuch des Meisters Hans', das um 1460 in Basel verfasst wurde. Es gibt Einblicke in die bürgerliche Küche des Spätmittelalters im alemannischen Raum.
Das Rezept nennt kein spezifisches Gewürz. Typische mittelalterliche Gewürze für herzhafte Speisen waren Pfeffer, Ingwer, Muskat oder auch eine Mischung aus diesen. Du kannst nach deinem Geschmack wählen oder eine Prise einer solchen Mischung verwenden.
Frühneuhochdeutscher Begriff aus der schwäbisch-alemannischen Küchensprache: vermutlich gebildet aus mhd. masse ("Klumpenmasse, Teig") mit dem regional produktiven Diminutiv-Suffix -ancz / -enczen, also mutmaßlich "kleine Mäsle" / "kleine Käse-Portionen". Die Herleitung ist unsicher (Hapax legomenon im Korpus): lexikalisch belegt ist mhd. mâze/masse vor allem im Sinne von "Maß, Mäßigung", nicht als "Teigmasse" - die kulinarische Deutung stützt sich daher auf die naheliegende Nähe zum heutigen schwäbischen Käs-Mäsle, nicht auf eine gesicherte mhd. Belegstelle. Kulinarisch entspricht das Rezept einer auf einem Blech gebackenen Käse-Ei-Masse, Auflauf- bzw. Frittata-Charakter, optional mit Safran gelb gefärbt.
Bezeichnet hier ein Backblech oder eine flache Platte, auf der die Masse gebacken wird.
Im Mittelalter war 'Gewürz' oft eine Mischung aus gängigen Gewürzen wie Pfeffer, Ingwer, Muskat oder Nelken, je nach Verfügbarkeit und Geschmack.
Mhd. gel, Farbadjektiv "gelb" (MHDBDB, Bedeutungsfeld Farben) - hier bewusst nicht als alemannische Interjektion "gell?" ("nicht wahr?") gelesen, da der Satzzusammenhang ("wiltu es gell machen so thue saffran daran") eindeutig eine Färbe-Absicht beschreibt.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: Vermutlich Diminutivbildung aus mhd. masse ("Klumpenmasse, Teig") mit dem schwäbisch-alemannischen Suffix -ancz/-enczen, wörtlich "kleine Mäsle / kleine Käse-Massen". Naheliegendes modernes Pendant ist das schwäbische Käs-Mäsle; kulinarisch eine Käse-Ei-Speise mit Auflauf-Charakter. Die Etymologie ist nicht sicher belegt (Hapax legomenon im Korpus, keine direkte lexikalische Entsprechung für die Teigmasse-Bedeutung gefunden).
Andere mögliche Lesart:
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