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Hecht in polnischer Würzung

Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají · Prag, Böhmen · 1535

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeise
Zubereitungszeit75 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBöhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch (~1535)

Bereite eine nicht allzu salzige Brühe zu. Reinige und zerteile den Hecht, hacke ihn in Stücke, wasche ihn und gib ihn in die Brühe, damit er gut durchkocht.

Seihe den Hecht ab und richte ihn auf einer Schale an. Nimm Zwiebeln, koche sie fein gehackt in einem Topf. Wenn sie gar sind, teile sie in zwei Hälften.

Reibe oder zerdrücke eine Hälfte der Zwiebeln in einer Pfanne mit Petersilie. Wenn diese Mischung gut ist, nimm Essig oder Wein, oder was immer du wünschst, und löse es in der Pfanne auf. Ziehe die Sauce durch ein Tuch und gib sie in einen Kessel.

Lege den festen Hecht hinein und würze mit allen Gewürzen außer Nelken. Und wenn es zu dick erscheint, gib griechischen Wein hinzu. Auf diese Weise kannst du auch Karpfen und andere weiße Fische zubereiten, und die andere Hälfte der Zwiebel gibst du obenauf.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
rosol nevelmi slaný Brühe - -
sůl Salz - -
štika Hecht Fischhändler Karpfen oder anderer fester Weißfisch
cibule Zwiebeln - -
petruželí Petersilie - -
octa neb vína Essig - Weißwein
kořeními kromě hřebičkuov Gewürze (ohne Nelken) - Pfeffer, Ingwer, Galgant, Muskat
řeckého vína Griechischer Wein Gut sortierter Weinhändler Ein kräftiger Weißwein

Modernes Pendant: Hecht „nach polnischer Art" - in pürierter Zwiebel-Petersilien-Sauce mit Essig, auch für Karpfen und andere Weißfische.

Technik: Hecht in nicht zu salziger Brühe garen, abseihen. Zwiebeln fein gehackt kochen, halbieren: eine Hälfte mit Petersilie zur Sauce zerreiben, mit Essig oder Wein lösen, durchs Tuch passieren; den Fisch hinein, alle Gewürze außer Nelken, bei zu dicker Sauce griechischen Wein. Die andere Zwiebelhälfte als Garnitur obenauf.

Cluster: Hecht-Trio mit sev-064 und sev-065; die pürierte Zwiebelsauce teilt die Technik mit sev-047 (Zwiebelmus).

Was bedeutet 'po polsku' (nach polnischer Art) in diesem Rezept?

Der Zusatz 'po polsku' (nach polnischer Art) deutet auf eine Zubereitungsweise hin, die oft eine Kombination aus süßen und sauren Elementen sowie kräftigen Gewürzen verwendet. In diesem Fall wird die Säure durch Essig oder Wein eingebracht, was für die polnische Küche der Zeit typisch war.

Welche Gewürze soll ich verwenden, wenn keine spezifischen genannt sind?

Da das Rezept ‚alle Gewürze außer Nelken‘ nennt, kannst du eine typische mittelalterliche Gewürzmischung verwenden. Dazu gehören Pfeffer, Ingwer, Galgant, Muskatnuss und eventuell etwas Zimt. Achte darauf, dass die Gewürze fein gemahlen sind, um eine glatte Sauce zu erhalten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Der Hecht muss frisch sein und gekühlt werden, aber die Zubereitung selbst erfordert nur einen Topf, eine Pfanne und ein Passiertuch. Die Kochzeit ist überschaubar, und die Zutaten sind gut zu beschaffen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Böhmischen Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch‘ von Pavel Severin z Kapí Hory, das um 1535 in Prag gedruckt wurde. Es ist eines der ältesten erhaltenen gedruckten Kochbücher in frühneuzeitlichem Tschechisch und bietet Einblicke in die Küche des böhmischen Bürgertums und Adels.

Štika v koření po polsku. Zastav rosol nevelmi slaný, ostruž a roztrhni štiku, i zsekaj v kusy, vymyje, dajž do toho rosola, ať dobře obevře, vocedě, vyklaď na misu, a vezma cibule, uvař v hrnci, drobně usekaje, a když uvře, rozdělaj ji na dvé, i třiž jednu stranu v pánvi s petruželí, a když dobře bude, vezma octa neb vína, neb jak kto čím rozkáže, rozpustiž v pánvi, protáhni skrze hartuch a daj do kotla, a vklaď tam štiku obtužnú (drobet tuhou) a zakořeň všemi kořeními kromě hřebičkuov, a zdálo-li by se, že by husté byly, daj řeckého vína. A takovým způsobem muožeš i kapry dělati i jiné bílé ryby, a druhú polovici cibule daj svrchu.
rosol

Alttschechisch für Brühe oder Aspik. Im Kontext des Kochens von Fisch ist hier eine klare Brühe gemeint.

třiž

Vom Verb ‚třít‘, das reiben, zerdrücken oder mahlen bedeuten kann. Im Kontext von Zwiebeln und Petersilie in einer Pfanne ist das Zerdrücken oder Pürieren zu einer Saucenbasis die wahrscheinlichste Lesart.

hartuch

Ein feines Tuch oder Sieb zum Passieren von Flüssigkeiten, vergleichbar mit einem Passiertuch oder Mulltuch.

obtužnú (drobet tuhou)

Bedeutet ‚fest‘ oder ‚ein wenig zäh‘. Hier bezieht es sich auf den Hecht, der bereits gekocht und dadurch eine feste Konsistenz angenommen hat.

hřebičkuov

Alttschechisch für Nelken. Das Rezept schließt sie explizit von der Gewürzmischung aus.

řeckého vína

Griechischer Wein, der im Mittelalter über Handelsrouten nach Böhmen gelangte und als besondere Zutat galt.

Handschrift
Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají
Folio
Fol. 8v
Sprache
Frühneuzeitliches Tschechisch
Entstehung
Prag, Böhmen, 1535

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartrosol

Gewählte Lesart: Wir haben ‚rosol‘ als Brühe übersetzt, da der Fisch darin gekocht wird. Eine Aspik-Lesart wäre hier weniger passend für den Kochprozess.

Andere mögliche Lesart:

  • Aspik oder Sülze - ‚Rosol‘ kann auch eine gelierte Brühe oder Aspik bedeuten. Dies wäre denkbar, wenn der Fisch nach dem Kochen in der gelierten Flüssigkeit serviert würde, aber der Kontext des ‚gut durchkochens‘ spricht eher für eine flüssige Brühe.

Lesarttřiž

Gewählte Lesart: Das Verb ‚třít‘ wurde als ‚reiben‘ oder ‚zerdrücken‘ interpretiert, um eine feine, pürierte Basis für die Sauce aus Zwiebeln und Petersilie zu schaffen.

Andere mögliche Lesart:

  • Reiben oder raspeln - Obwohl ‚třít‘ auch ‚reiben‘ oder ‚raspeln‘ bedeuten kann, würde dies bei gekochten Zwiebeln und Petersilie in einer Pfanne eher zu einer groben Textur führen. Das Ziel scheint eine glatte Saucenbasis zu sein, was das Zerdrücken oder Pürieren wahrscheinlicher macht.

Lesartštiku obtužnú (drobet tuhou)

Gewählte Lesart: Wir haben dies als ‚festen Hecht‘ übersetzt, was darauf hindeutet, dass der Fisch bereits gekocht und dadurch eine feste Konsistenz erhalten hat, bevor er in die fertige Sauce gegeben wird.

Originalwerk (~1535) gemeinfrei.

Bildquelle
Tacuinum Sanitatis, BNF NAL 1673, Fol. 8v (ca. 1390)
Transkription
Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927), Zlatý fond SME - Kap. 26-27: Pavel Severin z Kapí hory Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Frischer Fisch benötigt eine Kühlkette, ist aber morgens am Markttag gut zu beschaffen. Die Zubereitung ist mit offenem Feuer, einem Topf und einer Pfanne in etwa 75 Minuten gut machbar. Das Passieren der Sauce durch ein Tuch ist einfach.
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