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Gewürz- und Potage-Anleitung

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichVeganVegan
Zubereitungszeit5 Min.PortionenAllgemeine AnleitungBuchMénagier de Paris (~1393)

Erstlich merke, dass alle Gewürze, die für einen Potage bestimmt sind, fein gemörsert und nicht passiert werden sollen, außer wenn es sich um Gallerte handelt. Und in alle Potages gib die Gewürze so spät wie möglich hinzu, denn je früher sie beigefügt werden, desto mehr verlieren sie ihren Geschmack. Das gemörserte Brot sollst du passieren.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
toutes espices Gewürzmischung - -
pain broyé Brot (gemörsert) - -

Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine küchentechnische Grundregel des Ménagier de Paris zur Gewürz- und Bindungsbehandlung im potage (dem gebundenen Eintopf). Zwei zeitlose Profi-Prinzipien, die jeder gute Koch heute noch beherzigt: Gewürze erst spät zugeben, Brot zum Binden passieren.

Broyees et non coulees: Gewürze werden im Mörser fein zerstoßen, aber nicht durchgeseiht - das volle Gewürz bleibt im Topf, nur das Aroma soll wirken. Ausnahme ist die gellee (Sülze/Aspik), die glasklar werden muss und deshalb passiert wird.

Die Kernregel: les espices le plus tart que l'en peut - Gewürze so spät wie möglich zugeben, weil sie beim langen Mitkochen Aroma verlieren (perdent de leur saveur). Genau deshalb steht in den Rezepten oft au parcuire ('beim Fertiggaren'). Modern: ganze und gemahlene Gewürze gehören gegen Ende in den Topf, nicht an den Anfang.

Couler le pain broyé: Das im Mörser zerstoßene Brot, das als Bindemittel dient, soll durch ein Tuch passiert werden - so bindet es glatt und sämig statt klumpig. Brot war im Mittelalter das Standard-Bindemittel anstelle von Mehlschwitze oder Stärke.

Praxis. Beim Nachkochen mittelalterlicher Eintöpfe: Brot (altbacken, ohne Rinde) im Mörser oder Mixer mit etwas Brühe zerkleinern, durch ein Sieb streichen und damit binden. Gemahlene Gewürze immer erst in den letzten Minuten zugeben und nur kurz mitziehen lassen.

Was ist ein 'Potage' im mittelalterlichen Kontext?

Im Mittelalter war ein 'Potage' kein klarer Suppenteller, sondern ein dicker, gebundener Eintopf, oft mit Fleisch, Gemüse und Brot als Bindemittel. Er hatte eine sämige Konsistenz.

Welche Gewürze sind mit 'espices' gemeint?

Wenn der Ménagier de Paris von 'espices' spricht, ist meist eine Mischung aus wärmenden Gewürzen gemeint. Typisch waren Ingwer, Zimt, Nelken, langer Pfeffer, Muskatnuss und Paradieskörner. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Gericht und Verfügbarkeit.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, diese allgemeinen Kochprinzipien lassen sich gut in der Lagerküche anwenden. Sie geben grundlegende Hinweise zur Zubereitung von Gewürzen und Bindemitteln, die für viele Lagergerichte relevant sind.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet detaillierte Anweisungen für die Haushaltsführung und Kochkunst des späten 14. Jahrhunderts.

Was bedeuten 'broyer' und 'couler' im Kochkontext?

'Broyer' bedeutet, Zutaten im Mörser zu zerstoßen oder zu mahlen, um eine feine Textur zu erhalten. 'Couler' bedeutet, die zerstoßenen Zutaten durch ein feines Tuch oder Sieb zu passieren, um eine glatte Flüssigkeit oder Paste zu erhalten, wie es hier für Gallerte oder passiertes Brot empfohlen wird.

Primo, nota que toutes espices qui doivent estre mises en potage doivent estre bien broyees et non coulees, exepté pour gellee. Et en tous potages l'en doit mectre les espices le plus tart que l'en peut, car tant plus perdent de leur saveur comme plus tost sont mises; et doit l'en couler le pain broyé.
potage

Ein dicker, gebundener Eintopf - nicht eine klare Suppe im modernen Sinn.

espices

Gewürzmischung, typischerweise Ingwer, Zimt, Nelken, langer Pfeffer, Muskatnuss, Paradieskörner.

broyees

Im Mörser fein zerstoßen.

non coulees

Nicht durchgeseiht - die Gewürze bleiben im Topf statt herausgefiltert zu werden.

gellee

Gallerte/Sülze - die einzige Ausnahme, bei der passiert wird, damit sie glasklar wird.

au parcuire

Beim Fertiggaren - der späte Zeitpunkt, zu dem Gewürze zugegeben werden, damit ihr Aroma nicht verkocht.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 139v
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 139v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Reine Technikregel - braucht nur Mörser und Sieb und gilt für jedes Lagergericht. Spätes Würzen und passiertes Brot zum Binden lassen sich überall umsetzen.
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