Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Erstlich merke, dass alle Gewürze, die für einen Potage bestimmt sind, fein gemörsert und nicht passiert werden sollen, außer wenn es sich um Gallerte handelt. Und in alle Potages gib die Gewürze so spät wie möglich hinzu, denn je früher sie beigefügt werden, desto mehr verlieren sie ihren Geschmack. Das gemörserte Brot sollst du passieren.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| toutes espices | Gewürzmischung | - | - |
| pain broyé | Brot (gemörsert) | - | - |
Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern eine küchentechnische Grundregel des Ménagier de Paris zur Gewürz- und Bindungsbehandlung im potage (dem gebundenen Eintopf). Zwei zeitlose Profi-Prinzipien, die jeder gute Koch heute noch beherzigt: Gewürze erst spät zugeben, Brot zum Binden passieren.
Broyees et non coulees: Gewürze werden im Mörser fein zerstoßen, aber nicht durchgeseiht - das volle Gewürz bleibt im Topf, nur das Aroma soll wirken. Ausnahme ist die gellee (Sülze/Aspik), die glasklar werden muss und deshalb passiert wird.
Die Kernregel: les espices le plus tart que l'en peut - Gewürze so spät wie möglich zugeben, weil sie beim langen Mitkochen Aroma verlieren (perdent de leur saveur). Genau deshalb steht in den Rezepten oft au parcuire ('beim Fertiggaren'). Modern: ganze und gemahlene Gewürze gehören gegen Ende in den Topf, nicht an den Anfang.
Couler le pain broyé: Das im Mörser zerstoßene Brot, das als Bindemittel dient, soll durch ein Tuch passiert werden - so bindet es glatt und sämig statt klumpig. Brot war im Mittelalter das Standard-Bindemittel anstelle von Mehlschwitze oder Stärke.
Praxis. Beim Nachkochen mittelalterlicher Eintöpfe: Brot (altbacken, ohne Rinde) im Mörser oder Mixer mit etwas Brühe zerkleinern, durch ein Sieb streichen und damit binden. Gemahlene Gewürze immer erst in den letzten Minuten zugeben und nur kurz mitziehen lassen.
Im Mittelalter war ein 'Potage' kein klarer Suppenteller, sondern ein dicker, gebundener Eintopf, oft mit Fleisch, Gemüse und Brot als Bindemittel. Er hatte eine sämige Konsistenz.
Wenn der Ménagier de Paris von 'espices' spricht, ist meist eine Mischung aus wärmenden Gewürzen gemeint. Typisch waren Ingwer, Zimt, Nelken, langer Pfeffer, Muskatnuss und Paradieskörner. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Gericht und Verfügbarkeit.
Ja, diese allgemeinen Kochprinzipien lassen sich gut in der Lagerküche anwenden. Sie geben grundlegende Hinweise zur Zubereitung von Gewürzen und Bindemitteln, die für viele Lagergerichte relevant sind.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet detaillierte Anweisungen für die Haushaltsführung und Kochkunst des späten 14. Jahrhunderts.
'Broyer' bedeutet, Zutaten im Mörser zu zerstoßen oder zu mahlen, um eine feine Textur zu erhalten. 'Couler' bedeutet, die zerstoßenen Zutaten durch ein feines Tuch oder Sieb zu passieren, um eine glatte Flüssigkeit oder Paste zu erhalten, wie es hier für Gallerte oder passiertes Brot empfohlen wird.
Ein dicker, gebundener Eintopf - nicht eine klare Suppe im modernen Sinn.
Gewürzmischung, typischerweise Ingwer, Zimt, Nelken, langer Pfeffer, Muskatnuss, Paradieskörner.
Im Mörser fein zerstoßen.
Nicht durchgeseiht - die Gewürze bleiben im Topf statt herausgefiltert zu werden.
Gallerte/Sülze - die einzige Ausnahme, bei der passiert wird, damit sie glasklar wird.
Beim Fertiggaren - der späte Zeitpunkt, zu dem Gewürze zugegeben werden, damit ihr Aroma nicht verkocht.
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