Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Kräuter-Omelett mit Käse und Rosinen

Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum · Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz · 1433

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchRegistrum Coquine (~1433)

Um eine Herbolata zuzubereiten: Nimm gute, wohlriechende Kräuter, wie Petersilie, Majoran, Minze und Salbei und Ähnliches, und zerstoße sie in einem Mörser. Danach nimm rohe Eier und frischen Käse und mische sie mit Rosinen. Dann nimm Safran, Ingwer, Nelken, Muskatnüsse und andere süße Gewürze, vermische sie mit frischer Butter oder Olivenöl und bereite daraus eine Paste. Vermenge diese Gewürzpaste mit der Kräuter-Ei-Käse-Rosinen-Mischung. Fette eine Pfanne gut mit Fett ein, sowohl am Boden als auch an den Seiten. Gib die gesamte Mischung in die Pfanne. Decke sie gut zu, und wenn sie gar ist, streue Zucker darüber. Es wird gut schmecken.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
petrosillum Petersilie - - -
maioranam Majoran - - -
mentam Minze - - -
saluiam Salbei - - -
et similia Andere wohlriechende Kräuter - - -
oua cruda Rohe Eier - - -
caseum recentem Frischer Käse - - -
uuis passis Rosinen - - -
crocum Safran - - -
zinziberem Ingwer - - -
gariofolos Nelken - - -
nuces muscatas Muskatnüsse - - -
Et alias speties dulces Andere süße Gewürze - - Zimt, Kardamom
butiro recenti Frische Butter - - -
oleo oliuarum Olivenöl - - -
pinguedinem Fett - - Schmalz, Butter, Pflanzenöl
zuccharum Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Eine herbolata - ein dickes, gewürztes Kräuter-Omelett, das in der Pfanne gestockt wird, vergleichbar einer süß-herzhaften Frittata oder der altfranzösischen arboulastre (Korpus-Zwilling men-225). Im Kern dieselbe Familie wie Martinos Frittata (mar-183): geschlagene Eier mit Käse und Kräutern, in Fett gebacken. Hier mit der spätmittelalterlichen Süß-Würz-Note aus Rosinen, süßen Gewürzen und Zucker.

herbolata. Sammelbegriff für ein Kräutergericht auf Ei-Käse-Basis - mal als flaches Omelett, mal als offene Tarte. Charakteristisch ist die große Menge frischer, aromatischer Kräuter (Petersilie, Majoran, Minze, Salbei), die im Mörser zerstoßen werden.

caseum recentem. Frischer, ungereifter Käse: Quark, Ricotta oder ein milder Frischkäse. Anders als die gereifte Reibekäse-Masse der Käse-Torte (boc-042).

fac pastam. Die süßen Gewürze (Safran, Ingwer, Nelken, Muskat) werden mit Butter oder Olivenöl zu einer Gewürzpaste verrieben - so verteilen sich die fein gemahlenen Gewürze gleichmäßig in der Masse, statt zu klumpen. Diese Paste kommt in die Kräuter-Ei-Käse-Rosinen-Mischung.

Praxis. Eine gute Handvoll gemischte Kräuter fein hacken oder mörsern. 4-6 Eier mit etwa 200 g Frischkäse und einer Handvoll Rosinen verrühren. Eine Prise Safran, je eine Messerspitze Ingwer, Nelken und Muskat mit einem Löffel weicher Butter zu einer Paste verreiben, unterrühren. Pfanne gründlich fetten (Boden und Rand), Masse einfüllen, zudecken und bei milder Hitze stocken lassen. Zum Schluss mit Zucker bestreuen.

Was ist eine Herbolata?

Eine Herbolata ist ein mittelalterliches Gericht, das einer Kräuter-Tarte oder einem dicken Omelett ähnelt. Sie wurde oft mit Eiern, Käse, Kräutern und Gewürzen zubereitet und konnte sowohl herzhaft als auch süßliche Elemente enthalten, wie hier Rosinen und Zucker.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht ideal. Zutaten wie frische Eier, frischer Käse und Butter erfordern eine durchgehende Kühlung, die im Sommerlager schwer zu gewährleisten ist. Es sollte zuhause vorbereitet werden.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im mittelalterlichen Kontext ist ein Mörser oft ein großer Fleischmörser aus Stein oder Metall, der zum Zerstoßen von Fleisch, Nüssen oder Kräutern zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept genügt ein kleinerer Gewürzmörser für die Kräuter und Gewürze. Alternativ kannst du die Kräuter auch sehr fein hacken und die Gewürze fertig gemahlen verwenden oder in einer modernen Gewürzmühle mahlen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Registrum Coquine (Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz). Das älteste erhaltene Kochbuch eines namentlich bekannten päpstlichen Küchenmeisters. Johannes von Bockenheim kochte ab 1417 für Papst Martin V.; sein Registrum (~1431-1435) verzeichnet 80 Rezepte mit Angaben, für welche Nationalitäten oder Stände sie geeignet sind - für Italiener, Deutsche, Böhmen, Frauen, Adelige, Söldner, Mönche u.v.m. Das macht es zum einzigen mittelalterlichen Kochbuch mit expliziter Zielgruppenzuordnung.

Ad faciendum herbolatam. Recipe herbas bonas odoriferas. scilicet petrosillum, et maioranam, mentam, et saluiam, et similia et pista illa in mortario. Post hoc recipe oua cruda, et caseum recentem et misce illa cum uuis passis, Et tunc recipe crocum, zinziberem, gariofolos, nuces muscatas, Et alias speties dulces, cum butiro recenti, uel oleo oliuarum et fac pastam, mitte illam in patellam, et subtus et intus, pinguedinem. Et mitte illam temperaturam totam intus. Et cooperi bene, et quando est coctum mitte superius zuccharum. et erit bonum.
herbolatam

Ein dickes Kräuter-Omelett oder eine Kräuter-Tarte auf Ei-Käse-Basis, oft mit süßen Zutaten. Cognate des altfranzösischen arboulastre (men-225).

caseum recentem

Frischer, ungereifter Käse wie Quark, Ricotta oder milder Frischkäse - im Gegensatz zum gereiften Reibekäse (antiquum) der Käse-Torte boc-042.

fac pastam

Die süßen Gewürze werden mit Butter oder Öl zu einer Paste verrieben, damit sie sich gleichmäßig in der Masse verteilen statt zu klumpen.

speties dulces

Süße Gewürze, im Mittelalter oft in herzhaften Gerichten verwendet - hier Zimt, Kardamom oder Paradieskörner.

Handschrift
Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum
Folio
fol. 70v
Sprache
Mittellatein (frühes 15. Jh.)
Entstehung
Päpstliche Kurie, Rom / Konstanz, 1433

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

petrosillumparsley Q25284
maioranammarjoram Q22694
mentammint Q27640062
saluiamcommon sage Q1111359
oua crudachicken egg Q15260613
caseum recentemcheese Q10943
uuis passisraisin Q13186
crocumsaffron Q25434
zinziberemginger Q15046077
gariofolosclove Q15622897
nuces muscatasnutmeg Q83165
Et alias speties dulcesspice Q42527
butiro recentibutter Q34172
oleo oliuarumcooking oil Q427457
pinguedinemanimal fat Q1423543
zuccharumunrefined cane sugar Q57656231

Originalwerk (~1433) gemeinfrei.

Bildquelle
BnF Ms. Latin 7054, fol. 70v/71r (Gallica ark:/12148/btv1b10035736w, f71) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Robert Maier (Hg.): Das Registrum Coquine des Johannes von Bockenheim, Monumenta culinaria 3, GEB Gießen 2013 - CC BY-NC-SA 3.0 (urn:nbn:de:hebis:26-opus-93375) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
In der gedeckten Pfanne über dem Feuer gut machbar. Eier und Frischkäse sollten tagesfrisch sein, da sie ungekühlt schnell verderben.
Alle Rezepte aus Registrum Coquine Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 11.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.