Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Wer einen Fladen aus Bauchfleisch machen will, nehme ein Viertel Käse dazu und schlage genug Eier darunter. Schneide Streifchen von frischer Schweineschwarte hinein und gib Hühnerlebern und Hühnermagen dazu. Schneide eine Birne der Länge nach in Scheiben, streue sie darunter und richte es auf seinem Teigboden an. Lasse es backen und trage es auf.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| fleische von den wensten | Schweinebauchfleisch (ohne Knochen und Knorpel) | 500 g | Metzger | - |
| des vierteil kes | Käse (mild, schnittfest) | 125 g | - | - |
| eyer genuoc | 3-4 Eier | 3 | - | - |
| swertelech von gruenen swarten | frische Schweineschwarte | 100 g | Metzger | Speck ohne Schwarte (für Fett) |
| huenerlebern | Hühnerleber | 150 g | Metzger / Supermarkt | - |
| megelech | Hühnermagen (Muskelmagen, fein gewürfelt) | 50 g | Metzger / Geflügelhändler | - |
| ein birn | feste Birne | 1 | Supermarkt / Wochenmarkt | - |
| vf sin blat | Rolle Mürbeteig (für eine Tarteform Ø ca. 26 cm) | 1 | Supermarkt | Selbstgemachter Mürbeteig |
| (nicht explizit genannt) | Salz | - | - | - |
| (nicht explizit genannt) | Pfeffer | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein herzhafter, gebackener Fladen auf einem Teigboden - im Geiste eine mittelalterliche Quiche oder Fleisch-Tarte, hier mit Schweinebauch, Geflügel-Innereien, Käse und einer Birne. Teil der großen Fladen-Reihe des Buchs (bgs-086 bis bgs-093); die süß-herbe Note der Birne hebt es von den reinen Fleisch-Käse-Fladen (bgs-088/089/092) ab. Die Kombination aus Hühnerleber und Hühnermagen ('Hühnerklein') mit fettem Bauchfleisch und Obst in einer offenen Teigkruste hat lebendige Verwandte bis heute - herzhafte Quiches und Tartes mit Geflügelklein.
Die Zutaten. Fleische von den wensten ist Bauch-/Flankenfleisch (vgl. bgs-086, bgs-093), fettreich und saftig. Swertelech von gruenen swarten sind kleine Streifen ('Schwertchen') von frischer, ungeräucherter Schweineschwarte - sie liefern beim Backen Fett und etwas Gelatine, die die Masse zusammenhalten. Dazu huenerlebern (Hühnerleber) und ein Viertel(-Pfund) Käse.
Megelech - Hühnermagen, nicht Knochenmark. Megelech leitet sich von mittelhochdeutsch 'mage' (Magen) ab und bezeichnet den Muskelmagen vom Huhn - zusammen mit der Hühnerleber also klassisches Hühnerklein. Der Text nennt dafür keine Vorbereitung; Leber und Magen werden roh zur Ei-Käse-Masse gegeben ('tuo auch dor zvo huenerlebern vnd megelech'). Da der Magen zähes Muskelgewebe ist, empfiehlt es sich in der Praxis, ihn klein zu schneiden - das verkürzt die Garzeit, macht ihn für sich allein aber noch nicht zart.
Die Birne. Snit ein birn lengeleht - eine feste Birne wird der Länge nach in Scheiben geschnitten und darübergestreut (strauwe sie drunder - streuen, nicht mischen). Eine feste Kochbirne (Conference, Williams) zerfällt nicht und bringt eine süß-säuerliche Note, die das fette Fleisch kontert.
Der Boden. Vf sin blat heißt 'auf sein (Teig-)Blatt', also auf einen ausgerollten Teigboden in einer flachen Form - daher die Tarte-Lesart, nicht ein Fladenbrot. Das Backen auf offenem Teigboden braucht echte Oberhitze; am reinen Topffeuer wird der Boden nicht gar (siehe Lagerküche-Hinweis).
Praxis. Nimm 500 g Schweinebauchfleisch - der Text nennt kein Zerkleinern, für eine gleichmäßige Füllung schneidet man es aber sinnvollerweise in kleine Stücke - und schneide die 100 g frische Schwarte in dünne Streifen (wörtlich belegt: snide swertelech). Hühnerleber (150 g) und Hühnermagen (50 g) kommen laut Text roh und ohne weitere Vorbereitung dazu; für die Praxis empfiehlt es sich, beides klein zu schneiden, damit es beim Backen durchgart. Schlage 3-4 Eier unter, reibe 125 g kräftigen halbfesten Käse dazu und streue die in dünne Scheiben geschnittene feste Birne darunter. Der Text nennt keine Gewürze; wer mag, salzt und pfeffert nach eigenem Geschmack. Auf einen Mürbeteigboden geben und im Ofen backen, bis die Füllung durchgehend gestockt ist - bei rohem Geflügelklein in der Masse ist das die entscheidende Garprobe, nicht allein die Bräunung des Bodens. Als Orientierung etwa 180 °C für 30-40 Minuten (moderne Schätzung, der Text selbst nennt nur 'lass es backen' ohne Zeit- oder Temperaturangabe). Warm servieren (tragez hin).
Frische Schweineschwarte und Hühnermagen erhalten Sie am besten beim Metzger oder Geflügelhändler; Hühnermagen wird oft zusammen mit Herzen und Leber als 'Hühnerklein' angeboten. Fragen Sie gegebenenfalls vorab, ob er es vorrätig hat oder bestellen kann.
Nur eingeschränkt: Der Teigboden braucht echte Oberhitze zum Durchbacken, die ein reines Topffeuer nicht liefert. Möglich ist es mit einem Dutch Oven (Glut auch auf dem Deckel) oder einem tragbaren Backofen. Füllung und Mürbeteig lassen sich zu Hause vorbereiten und gekühlt mitbringen - das Backgerät bleibt aber Voraussetzung.
'Ein Viertel Käse' bezieht sich wahrscheinlich auf ein Viertel Pfund Käse, also etwa 125 Gramm. 'Grünen Schwarten' bezeichnet frische, ungeräucherte Schweineschwarte - 'grün' steht hier wie an anderen Stellen des Buchs (vgl. bgs-090, bgs-093) für frisch/roh, nicht für eine Farbe.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
Bauch-/Flankenfleisch (vom Schwein); fettreich und saftig - vgl. bgs-086, bgs-093.
Kleine Streifen ('Schwertchen') von frischer, ungeräucherter Schweineschwarte - liefern Fett und Gelatine zur Bindung.
Hühnermagen (Muskelmagen), nicht Knochenmark - zusammen mit der Hühnerleber klassisches Hühnerklein.
Ein Viertel(-Pfund) Käse, also etwa 125 g - 'Viertel' als Pfund-Bruchteil ist die übliche Mengenangabe des Buchs.
Auf seinen Teigboden ('Blatt') - ein ausgerollter Teig als Tarte-Unterlage, kein Fladenbrot.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| fleische von den wensten | pork Q191768 |
| eyer genuoc | chicken egg Q15260613 |
| huenerlebern | chicken liver Q67210929 |
| megelech | chicken stomach Q67210992 |
| ein birn | pear Q13099586 |
| (nicht explizit genannt) | table salt Q11254 |
| (nicht explizit genannt) | pepper Q3143131 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gruenen swarten
Gewählte Lesart: Frische, ungeräucherte Schweineschwarte ('grün' = frisch, wie bei 'grünem Speck' in bgs-090/093) - liefert Fett und gelierende Gelatine.
Gewählte Lesart: Hühnermagen (Muskelmagen) - gestützt durch die CoReMA-Sachglosse zur selben Handschrift (München UB, Cim. 4 / CoReMA-Sigle M11, Rezept 95: wortgleicher Text, 'megelech' dort als Hühnermagen glossiert) sowie das MHDBDB-Bedeutungsfeld zu 'mage' ('Organe von Vögeln'). Dieselbe Schreiberhand nutzt im unmittelbar vorangehenden Rezept mit 'knucken' ein eigenes, anderes Wort für Knochenmark.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.