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Fleisch schön sieden

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.PortionenNach BedarfBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Wer schönes gesottenes Fleisch haben möchte, teile es in Stücke nach Belieben und lege es für eine Stunde in frisches Wasser ein. Danach wasche es gut mit heißem Wasser und dann nochmals mit frischem Wasser. Setze es dann in einem Topf auf das Feuer, wo es nicht zu eng liegt, damit es weißer bleibt. Gib dann Salz hinzu, wie es nötig ist, und schäume es vor allem gut ab. Und falls das Salz nicht rein ist, gib es in etwas heißes Wasser; in kurzer Zeit wird es sich aufgelöst und in Salzlake verwandelt haben. Diese kannst du, sobald sie sich geklärt hat, vorsichtig in den Topf geben, damit die Erde, die sich am Boden abgesetzt hat, nicht hineingelangt. Und falls das Fleisch alt und zäh ist, besonders bei Kapaun und Huhn, nimm es mehrmals aus dem kochenden Wasser und kühle es in frischem Wasser ab. Auf diese Weise wird es schöner und schneller gar.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ogni carne Fleisch (nach Wahl) Metzger -
aqua fresca Frisches Wasser Leitung -
aqua calda Heißes Wasser Leitung -
el sale Salz - -
cappone et gallina Kapaun oder Huhn (optional) Metzger Hähnchen

Welches Gericht ist das? Kein Gericht im eigentlichen Sinn, sondern eine Grundtechnik: wie man Fleisch zu schönem, klarem allesso (Siedfleisch) gart - dem Vorfahr von Tafelspitz, Pot-au-feu und Suppenfleisch. Martino erklärt, wie man Brühe und Fleisch hell und sauber bekommt. Dieselbe Sorgfalt beschreibt das Registrum Coquine (boc-004) für „gekochtes Fleisch nach deutscher Art".

Wässern und Abschäumen. Das einstündige Einlegen in frisches Wasser und das anschließende Waschen ziehen Blut und Schlachtreste heraus - das hält die Brühe klar und das Fleisch più bianca (heller). Das gründliche Abschäumen (schiumarla) beim Aufkochen entfernt das geronnene Eiweiß, das die Brühe sonst trüb macht. Reichlich Platz im Topf (dove non stia a stretto) lässt das Fleisch frei sieden, statt im eigenen Trub zu liegen.

Salz klären. Weil Meersalz damals erdige Verunreinigungen enthielt, wird es vorab in heißem Wasser gelöst, absetzen gelassen und nur die klare salimora (Salzlake) vorsichtig abgegossen - der Bodensatz bleibt zurück. Mit modernem reinem Salz entfällt dieser Schritt.

Praxis. Fleisch eine Stunde in kaltem Wasser wässern, mit heißem und dann kaltem Wasser abspülen, in einen weiten Topf mit reichlich Wasser setzen, salzen und beim Aufkochen gründlich abschäumen. Zähes Fleisch (alter Kapaun, Suppenhuhn) mehrfach aus dem Sud heben und in kaltem Wasser abschrecken - der Temperaturschock lockert das Bindegewebe und beschleunigt das Garen.

Was bedeutet 'allesso'?

‚Allesso' bedeutet ‚gesotten' oder ‚pochiert' und beschreibt eine Garmethode, bei der Fleisch oder andere Zutaten in Flüssigkeit (Wasser, Brühe) langsam gegart werden, im Gegensatz zum Braten (arrosto).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich einen großen Topf und Zugang zu frischem Wasser. Die Schritte des Einweichens, Waschens und Siedens lassen sich gut über offenem Feuer oder einem Dreibein umsetzen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, verfasst um 1465 in Norditalien. Es ist eines der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts und bietet Einblicke in die gehobene Küche der Renaissance.

Warum soll man das Salz klären, wenn es nicht rein ist?

Im Mittelalter war Salz oft grob und enthielt Verunreinigungen wie Erde oder kleine Steine. Durch das Auflösen in heißem Wasser und anschließende Absetzenlassen konnten diese Partikel entfernt werden, um die Speise sauber zu halten.

Per haver ogni carne bella allesso. Chi vole haver bella carne allesso la deve dividere in pezi come gli piace, et porla a mollo in aqua fresca per spatio de una hora, poi lavarla bene con aqua calda, et poi iterum con aqua fresca, et ponerla al foco in un caldaro dove non stia a stretto aziò che rimanghi più bianca. Poi gli devi ponere el sale secondo che è necessario, et schiumarla bene sopratutto; et se il sale non fosse netto, ponilo in una pocha d'acqua calda, che in breve spatio serrà dileguato, et converso in salimora, la quale come sia rasectata se potrà poner nel caldaro pianamente, aziò che non ve andassi la terra, che serrà sul fondo; et se la carne fusse vecchia et dura, specialmente cappone et gallina, cavala parechie volte da l'aqua bollente, et rinfredala ne l'aqua fresca, et in questo modo serrà più bella et più presto cotta.
allesso

Gesottenes, in Wasser gegartes Fleisch (im Gegensatz zum Braten, arrosto).

caldaro

Großer Kochkessel.

schiumarla

Abschäumen - das geronnene Eiweiß abnehmen, damit die Brühe klar bleibt.

salimora

Salzlake, in der das unreine Salz gelöst und vom erdigen Bodensatz getrennt wird.

cappone

Kapaun, ein kastrierter Masthahn.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 2v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 2v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Über offenem Feuer oder am Dreibein gut machbar; nur ein großer Topf und Wasser nötig.
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