Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Süße Gersten-Tisane. Nimm Wasser und bringe es zum Kochen. Dann gib für jedes Sextier Wasser eine reichliche Schale Gerste hinzu - es macht nichts, wenn sie noch die ganze Spelze hat. Füge zudem Süßholz im Wert von zwei Parisis und Feigen hinzu. Lasse alles so lange kochen, bis die Gerste aufplatzt. Danach seihe die Flüssigkeit durch zwei oder drei Tücher und gib in jedes Trinkgefäß eine große Menge Kandiszucker. Die gekochte Gerste ist danach gut geeignet, um sie dem Geflügel zum Mästen zu geben. Beachte, dass gutes Süßholz das frischeste ist und eine lebhafte, gestreifte Farbe hat. Altes Süßholz ist fader, leblos und trocken.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| de l'eaue | Wasser | - | Leitung | - |
| une escuelle d'orge largement | Schale Gerste (mit Spelze) | 1 | Supermarkt / Reformhaus | geschälte Gerste |
| deux parisis de reglisse | Süßholz (ca. 20-30g) | - | Reformhaus, Online-Gewürzhandel | - |
| des figues | Feigen | - | - | - |
| succre en roche | Kandiszucker | - | - | Zucker |
Ein 'sextier' war ein französisches Hohlmaß, das je nach Region variierte, aber im Kontext des Ménagier de Paris oft etwa 3,8 Liter entsprach. 'Parisis' war ursprünglich eine Münze, wurde aber auch als Gewichtseinheit für kleine Mengen verwendet, vergleichbar mit etwa 10-15 Gramm pro Parisis. Für dieses Rezept kannst du etwa 20-30 Gramm Süßholz verwenden.
Ja, sehr gut geeignet. Es benötigt lediglich einen Topf, Wasser und eine Feuerstelle. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung ist unkompliziert.
Das Rezept erwähnt 'Gerste mit der ganzen Spelze' ('orge a toute l'escorche'). Dies ist ungeschälte Gerste, die mehr Ballaststoffe und einen intensiveren Geschmack hat. Wenn du keine ungeschälte Gerste findest, kannst du auch geschälte Gerste (Rollgerste) verwenden, die im Supermarkt erhältlich ist. Die Kochzeit kann sich dann leicht verkürzen.
Dieses Rezept stammt aus dem Ménagier de Paris. Haushaltsbuch eines Pariser Bürgers (~1393). Enthält rund 380 Rezepte sowie Anleitungen zu Falknerei, Gartenbau und Haushaltsführung.
Altes französisches Hohlmaß, hier etwa 3,8 Liter.
Eine Schale oder Schüssel, hier als ungefähres Volumenmaß für Getreide.
Ursprünglich eine Münze, hier als Gewichtseinheit für eine kleine Menge, etwa 10-15 Gramm pro Parisis.
Gerste mit Spelze, also ungeschält. Dies ist die ursprüngliche Form, die mehr Ballaststoffe und Nährstoffe enthält.
Kandiszucker, Zucker in kristalliner Form.
Süßholz mit lebhafter, gestreifter Farbe, ein Zeichen für Frische und Qualität.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| de l'eaue | water Q283 |
| des figues | fig Q2746643 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
deux parisis de reglisse
Gewählte Lesart: Die Mengenangabe 'deux parisis' wurde als Gewichtseinheit von etwa 20-30 Gramm Süßholz interpretiert, da 'parisis' im mittelalterlichen Kontext oft als kleines Gewicht für Gewürze oder andere wertvolle Zutaten verwendet wurde, nicht als Geldwert für den Einkauf.
Andere mögliche Lesart:
escuelle d'orge
Gewählte Lesart: Eine 'escuelle' wurde als eine Schale oder Schüssel interpretiert, die als ungefähres Volumenmaß für die Gerste dient. Eine 'reichliche Schale' deutet auf eine großzügige Menge hin.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.