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Süße Gersten-Tisane

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

BochetGetränkLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Bürgerliche KücheBürgerlichVeganVegan
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Süße Gersten-Tisane. Nimm Wasser und bringe es zum Kochen. Dann gib für jedes Sextier Wasser eine reichliche Schale Gerste hinzu - es macht nichts, wenn sie noch die ganze Spelze hat. Füge zudem Süßholz im Wert von zwei Parisis und Feigen hinzu. Lasse alles so lange kochen, bis die Gerste aufplatzt. Danach seihe die Flüssigkeit durch zwei oder drei Tücher und gib in jedes Trinkgefäß eine große Menge Kandiszucker. Die gekochte Gerste ist danach gut geeignet, um sie dem Geflügel zum Mästen zu geben. Beachte, dass gutes Süßholz das frischeste ist und eine lebhafte, gestreifte Farbe hat. Altes Süßholz ist fader, leblos und trocken.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
de l'eaue Wasser Leitung -
une escuelle d'orge largement 1 Schale Gerste (mit Spelze) Supermarkt / Reformhaus geschälte Gerste
deux parisis de reglisse Süßholz (ca. 20-30g) Reformhaus, Online-Gewürzhandel -
des figues Feigen - -
succre en roche Kandiszucker - Zucker
Was bedeuten die Maßeinheiten 'sextier' und 'parisis'?

Ein 'sextier' war ein französisches Hohlmaß, das je nach Region variierte, aber im Kontext des Ménagier de Paris oft etwa 3,8 Liter entsprach. 'Parisis' war ursprünglich eine Münze, wurde aber auch als Gewichtseinheit für kleine Mengen verwendet, vergleichbar mit etwa 10-15 Gramm pro Parisis. Für dieses Rezept kannst du etwa 20-30 Gramm Süßholz verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich einen Topf, Wasser und eine Feuerstelle. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung ist unkompliziert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es ist eine umfassende Sammlung von Ratschlägen für die Haushaltsführung, einschließlich zahlreicher Rezepte, die einen Einblick in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters geben.

Welche Art von Gerste soll ich verwenden?

Das Rezept erwähnt 'Gerste mit der ganzen Spelze' ('orge a toute l'escorche'). Dies ist ungeschälte Gerste, die mehr Ballaststoffe und einen intensiveren Geschmack hat. Wenn du keine ungeschälte Gerste findest, kannst du auch geschälte Gerste (Rollgerste) verwenden, die im Supermarkt erhältlich ist. Die Kochzeit kann sich dann leicht verkürzen.

Tizane doulce. Prenez de l'eaue et faictes boulir. Puis mectez pour chascun sextier d'eaue une escuelle d'orge largement - et ne chault s'elle est a toute l'escorche - et pour deux parisis de reglisse - item, des figues - et soit tant bouly que l'orge creve. Puis soit coulee en deux ou trois toilles, et mis en chascun gobelet grant foison succre en roche. Puis est bonne icelle orge a donner a menger a la poulaille pour engressier. Nota que la bonne reglisse est la plus nouvelle et est en la taille de vive couleur vergaye, et la vieille est de plus fade et morte et sesche.
sextier

Altes französisches Hohlmaß, hier etwa 3,8 Liter.

escuelle

Eine Schale oder Schüssel, hier als ungefähres Volumenmaß für Getreide.

parisis

Ursprünglich eine Münze, hier als Gewichtseinheit für eine kleine Menge, etwa 10-15 Gramm pro Parisis.

orge a toute l'escorche

Gerste mit Spelze, also ungeschält. Dies ist die ursprüngliche Form, die mehr Ballaststoffe und Nährstoffe enthält.

succre en roche

Kandiszucker, Zucker in kristalliner Form.

reglisse vergaye

Süßholz mit lebhafter, gestreifter Farbe, ein Zeichen für Frische und Qualität.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 165r
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartdeux parisis de reglisse

Gewählte Lesart: Die Mengenangabe 'deux parisis' wurde als Gewichtseinheit von etwa 20-30 Gramm Süßholz interpretiert, da 'parisis' im mittelalterlichen Kontext oft als kleines Gewicht für Gewürze oder andere wertvolle Zutaten verwendet wurde, nicht als Geldwert für den Einkauf.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Menge könnte sich auf den Wert des Süßholzes beziehen, also 'Süßholz im Wert von zwei Pariser Münzen'. - Obwohl 'parisis' eine Münze war, ist es unwahrscheinlich, dass ein Rezept den Geldwert einer Zutat angibt, ohne eine Mengenangabe zu machen. Die Verwendung als Gewichtseinheit ist in historischen Kochbüchern für kleine, teure Zutaten üblicher.

Lesartescuelle d'orge

Gewählte Lesart: Eine 'escuelle' wurde als eine Schale oder Schüssel interpretiert, die als ungefähres Volumenmaß für die Gerste dient. Eine 'reichliche Schale' deutet auf eine großzügige Menge hin.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 165r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Benötigt einen Kochtopf und eine Hitzequelle. Die Gerste kann zu Hause abgemessen und die Feigen vorbereitet werden.
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Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.

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