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Ein Igel aus Mandeln

Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch · Württemberg / Basel · 1460

DessertNachspeiseLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKochbuch des Meisters Hans (~1460)

Möchtest du einen Igel aus Mandeln zubereiten, so verfahre wie folgt:

Nimm Mandeln, so viel du benötigst, und wirf sie in einen sauberen Topf, und rühre sie mit einem sauberen Hölzchen. Schütte sie dann auf ein Tuch, breite sie aus und lasse sie abtropfen, bis sie trocken ist.

Bestreue die getrocknete Mandelmasse gut mit Zucker. Nimm dann geviertelte Mandeln, roh, mit Safran gefärbt, und stoße sie, sodass er einem Igel gleicht.

Gieße dicke Mandelmilch darüber. Wenn du ihn auf die Schüssel legst, ist er bereit.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
mandel Mandeln - -
zucker Zucker - -
ain viertaill mandel also rohe ein Viertel der Mandeln (roh) - -
Saffran Safran Bio-Laden, Gewürzhandel -
dicke mandel milich dicke Mandelmilch Supermarkt, Reformhaus -
Wo bekomme ich Safran?

Safran ist ein kostbares Gewürz, das du in gut sortierten Supermärkten, Bio-Läden oder spezialisierten Gewürzhandlungen findest. Achte auf gute Qualität, da es oft Fälschungen gibt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht ideal für die direkte Zubereitung am Lager. Die Formgebung und das Trocknen der Mandelmasse erfordern eine ruhige Umgebung und etwas Zeit. Die Mandelmilch sollte frisch zubereitet oder gekühlt werden. Es ist besser, die Mandelmasse und die gefärbten Mandeln zu Hause vorzubereiten und nur noch am Lager zusammenzusetzen und mit Mandelmilch zu servieren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Kochbuch des Meisters Hans“, das um 1460 in Basel verfasst wurde. Es ist ein typisches Beispiel für die höfische und bürgerliche Küche des Spätmittelalters, die oft aufwendige Schaugerichte für Festmahle hervorbrachte.

Was ist ein „Igel“ in diesem Rezept?

Ein „Igel“ war im Mittelalter ein beliebtes Schaugericht, das in der Form eines Igels angerichtet wurde. Es konnte aus verschiedenen Zutaten bestehen - hier aus Mandeln, in anderen Rezepten auch aus Fleischfarce. Geviertelte, safrangefärbte Mandelstücke dienten hier als Stacheln, um die Igelform zu betonen.

Was ist mit „stoßen in einem sauberen Hafen“ gemeint - brauche ich einen Mörser?

Der „Hafen“ ist hier ein Topf, kein Mörser. Die Mandeln werden zuerst in einem Mörser oder einer Küchenmaschine fein gestoßen; die entstandene Masse kommt danach in den sauberen Topf, wo sie mit einem Holzlöffel oder -stäbchen glattgerührt wird. Für das Stoßen selbst genügt ein normaler Mörser und Stößel oder eine moderne Küchenmaschine.

Wiltu machen ainen Igel von mandel dem thue also . Item wiltu machen ain Igel aus mandel . Nym mandel als vil du Ir bedarfft vnd stoß In ainen saubern hafen vnd rur In mit ainem saubern hollczlein vnd schutt In auf ain tuoch das vber lenng vnd seich In piss er trucken werde . vnd bestrae In wol mit zucker vnd nym dann ain viertaill mandel also rohe mit Saffran gefarbt vnd stoss In das er ainem Igel geleich sehe vnd geuss daran dicke mandel milich . So du In vf die schussel legest . So ist es beraitt
Igel

Ein Schaugericht, das in Form eines Igels angerichtet wurde, oft aus Mandelmasse oder Fleischfarce. Siehe mon-038 für einen fast wortgleichen Paralleltext.

Hafen

Ein Topf. Die Mandeln werden zuvor gestoßen; im Topf wird die Masse anschließend mit dem Hölzchen gerührt - kein Mörser.

hollczlein

Hölzchen, Holzstäbchen.

seich In

Abtropfen lassen, sieben oder filtern.

vber lenng

Über die Länge, ausgebreitet.

viertaill

Geviertelt (Form der Mandelstücke), nicht ein Mengenanteil von einem Viertel.

geleich sehe

Gleich aussehen, ähneln.

Handschrift
Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch
Folio
Fol. 063v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)
Entstehung
Württemberg / Basel, 1460
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartvber lenng vnd seich In

Gewählte Lesart: „Vber lenng vnd seich In piss er trucken werde“ wurde als das Ausbreiten der Mandelmasse auf einem Tuch und das Abtropfenlassen interpretiert, bis sie trocken ist.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 063v, Universitätsbibliothek Basel, Cod. AN V 12 (1460); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), TEI-Edition Böhm/Klug 2021, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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