München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470
Für ein Galrei nimm Wein, Essig, Honig und Lebkuchen. Zerstoße oder vermische diese Zutaten miteinander und seihe die Mischung durch ein Tuch. Koche sie dann auf und gieße sie in geeignete Gefäße. Lasse das Gelee kalt werden, so wird es gut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| win | Wein | - | - | Rotwein oder Weißwein, je nach gewünschter Farbe und Geschmack |
| essich | Essig | - | - | Weißweinessig oder Apfelessig |
| honig | Honig | - | - | - |
| lepczelten | Lebkuchen | - | Supermarkt (Backregal) | ungeglaste Aachener Kräuterprinten (oder ungeglaster Honig-Lebkuchen) |
Welches Gericht ist das? Ein Galrei (Gallerte) - ein süß-saures Wein-Gelee, mit Honig gesüßt und mit Lebkuchen (lepczelten) gebunden und gewürzt. Eine kalte, würzige Beigabe zu Fleisch oder Fisch.
Zum Lebkuchen: Der lepczelten des 15. Jahrhunderts war kein süßes Gebäck im heutigen Sinn, sondern ein mit Pfeffer und Kümmel gewürztes Honigbrot, das gerieben als Binder und Gewürzträger diente (Ehlert 1999). Wer original arbeiten möchte, greift zu ungeglasten, kräftig gewürzten Printen oder zu einem würzigen Pfefferbrot - nicht zu zuckriger Christstollen-Ware.
Technik: Wein, Essig, Honig und zerstoßenen Lebkuchen vermischen, durch ein Tuch seihen, aufkochen, in Gefäße gießen und kalt werden lassen. Der Lebkuchen bringt Würze und etwas Bindung; ein eigentliches Geliermittel (Fischblase/Gelatine) fehlt, die Masse wird daher eher dicklich-streichfähig als schnittfest.
Praxis: Lebkuchen fein zerbröseln, mit Wein, Essig und Honig verrühren, durch ein Sieb streichen, aufkochen, abfüllen und kühl stellen. Wer es fester mag, kann heute etwas Gelatine oder Agar zugeben - im Original bindet allein der Lebkuchen.
Ein Galrei ist ein süß-saures Gelee oder eine dickflüssige Sauce, die im Mittelalter häufig zu Fleisch- oder Fischgerichten gereicht wurde. Es kombiniert die Süße von Honig mit der Säure von Essig und Wein, oft gebunden und gewürzt mit Lebkuchen oder Brot.
Ja, hervorragend geeignet. Es benötigt nur wenige, haltbare Zutaten und einfache Kochutensilien. Die Zubereitung ist schnell, lediglich das Erkalten und Festwerden des Gelees erfordert etwas Zeit.
Lebkuchen, hier als ‚lepczelten‘ bezeichnet, dient in diesem Rezept nicht nur als Süßungsmittel, sondern auch als Bindemittel und Gewürzträger. Die im Lebkuchen enthaltenen Gewürze wie Zimt, Nelken und Ingwer verleihen dem Galrei eine komplexe, aromatische Tiefe.
Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).
Ein süß-saures Gelee oder eine dickflüssige Sauce, oft mit Wein, Essig und Honig zubereitet. Es diente als Beilage zu Fleisch oder Fisch. In Cgm 384 ist der Begriff weit gefasst (Ehlert 1999).
Frühneuhochdeutsch für Lebkuchen - hier aber kein süßes Gebäck im heutigen Sinn, sondern ein mit Pfeffer und Kümmel gewürztes Honigbrot, das gerieben als Bindemittel und Gewürzträger in Saucen verwendet wurde (Ehlert 1999). Lesefalle: NICHT „Zeltlein“.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| win | wine Q282 |
| essich | vinegar Q41354 |
| honig | honey Q10987 |
| lepczelten | gingerbread for sauce Q1468150 |
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Stand dieser Fassung: 06.07.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.