Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465
Bereite eine Salzlake auf dieselbe Weise zu, wie sie für andere gesalzene Fische gemacht wird. Sobald du den Karpfen frisch gefangen hast, gib ihn sofort hinein und lasse ihn zwei Tage in der besagten Salzlake liegen. Danach brate ihn in reichlich gutem Öl, bis er gut durchgegart ist. Auf diese Weise kannst du die Karpfen zwanzig Tage, ja sogar einen Monat und länger haltbar machen, indem du sie bei Bedarf ein-, zwei- oder dreimal erneut brätst. Beachte jedoch, dass sie bei jedem erneuten Braten mehr von ihrer Substanz verlieren und schlechter werden, denn diese Methode des Wiederaufbereitens wurde nur erfunden, um sie länger haltbar zu machen. Ist der Karpfen groß, siede ihn; ist er kleiner, brate ihn. Hüte dich davor, dich an dem Stachel zu stechen, den er im Kopf hat, denn dieser ist giftig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Carpioni | Karpfen | - | Fischhändler, Wochenmarkt, Supermarkt mit Fischtheke | - |
| salamora (implied: sale) | Salz | - | - | - |
| salamora (implied: acqua) | Wasser | - | - | - |
| salamora (implied: aceto) | Essig | - | - | - |
| bono olio assai | Pflanzenöl | - | - | - |
Karpfen sind saisonal bei Fischhändlern, auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Supermärkten mit Fischtheke erhältlich. Achte auf frische Ware.
Nein, die Karpfen müssen zwei Tage in Salzlake eingelegt und dann vorgebraten werden. Diese Hauptzubereitung ist zu Hause zu erledigen. Das erneute Braten zur Haltbarmachung kann jedoch am Lagerfeuer erfolgen, um die Haltbarkeit zu verlängern.
Maestro Martino warnt vor einem giftigen Stachel im Kopf des Karpfens. Der gewöhnliche Karpfen (Cyprinus carpio) besitzt jedoch keine solchen giftigen Dornen. Es handelt sich hierbei wahrscheinlich um einen lokalen Aberglauben oder eine Verwechslung mit anderen Fischarten, die tatsächlich giftige Stacheln haben (z.B. Petermännchen). Moderne Köche müssen sich diesbezüglich keine Sorgen machen.
Dieses Rezept stammt aus dem Libro de Arte Coquinaria (Norditalien). Das erste große Kochbuch der italienischen Renaissance (~1465). Maestro Martino, Chefkoch des Patriarchen von Aquileia, beschreibt als Erster Kochtechniken mit präzisen Mengen und Zeiten. 268 Rezepte in 6 Kapiteln: Fleisch, Suppen/Pasta, Saucen, Pasteten, Frittiertes, Fisch.
Karpfen (Plural)
Salzlake, Pökellake
sieden, kochen, pochieren
braten, frittieren
giftiger Stachel/Dorn
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Carpioni | carp Q83355448 |
| salamora (implied: sale) | table salt Q11254 |
| salamora (implied: acqua) | water Q283 |
| salamora (implied: aceto) | vinegar Q41354 |
| bono olio assai | cooking oil Q427457 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
spina che ha ne la testa, che è venenosa
Gewählte Lesart: „Stachel, den er im Kopf hat, der giftig ist“ - Martino warnt hier vor einem angeblich giftigen Stachel im Kopf des Karpfens.
Andere mögliche Lesart:
salamora a quello modo che si fa quella de li altri pesci salati
Gewählte Lesart: „Salzlake, wie sie für andere gesalzene Fische gemacht wird“ - Dies impliziert eine Standard-Salzlake, deren genaue Zusammensetzung nicht im Rezept angegeben ist. Für die moderne Zubereitung wird eine typische Lake aus Wasser, Salz und Essig angenommen.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.