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Beeren-Krapfen in Schmalz gebacken

München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632 · Rott am Inn, Oberbayern · 1460

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKlosterkochbuch Rott am Inn (Clm 15632) (~1460)

Auf gleiche Weise (wie bei den gefüllten Birnen) mache aus Beeren eine Füllung mit Honig und Gewürz. Knete einen Teig aus Eiern und Mehl, forme daraus kleine Teigfladen und schließe die Füllung darin ein, wie es Krapfen sein sollen. Backe sie anschließend in Schmalz aus.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
beren Beeren Markt, Wald (saisonal) z.B. Heidel-, Brom-, Holunderbeeren
honigk Honig - -
gewurtz Gewürze Supermarkt -
ayern Eier - -
mel Mehl - -
schmaltz Schmalz Supermarkt, Metzger Pflanzenöl (für eine vegetarische Variante)

Welches Gericht ist das? Beeren-Krapfen - eine süße Beerenfüllung mit Honig und Gewürz, in einen Eierteig eingeschlagen und in Schmalz ausgebacken. Das ‚desgleichen' knüpft an die gefüllten Birnen ri15632-028 an (gleiche Methode, andere Frucht); verwandt mit den gefüllten Krapfen kkm-083.

Technik. Aus Beeren mit Honig und Gewürz eine Füllung machen. Einen festen Teig aus Eiern und Mehl kneten und zu kleinen, dünnen Fladen (zeltel) formen. Die Füllung darin einschließen, wie man Krapfen verschließt, und in heißem Schmalz ausbacken.

Praxis. Beeren (z.B. Heidel-, Brom-, Holunderbeeren) mit etwas Honig und Gewürz kurz einkochen, damit die Füllung nicht zu nass ist. Teigfladen ausrollen, einen Löffel Füllung daraufsetzen, zu Krapfen verschließen (Ränder gut andrücken) und in reichlich heißem Schmalz/Öl goldbraun frittieren. Mehl im Krapfenteig ist hier periodengerecht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Alle Zutaten sind robust und die Zubereitung (Teig kneten, füllen, in Schmalz ausbacken) ist mit einfachem Lager-Equipment in unter einer Stunde gut machbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Benediktinerkloster Rott am Inn und wurde um 1458/1464 in Frühneuhochdeutsch (bairischer Dialekt) verfasst. Es ist Teil einer Sammlung von 55 Rezepten.

Sind 'beren' nun Birnen oder Beeren?

Beeren. Obwohl dieses Rezept ‚desgleichen' (auf gleiche Weise) an das vorhergehende Birnen-Rezept anschließt, schreibt der Text ‚beren' mit e-Vokal - das ist die frühneuhochdeutsche Form für Beeren (im Unterschied zu ‚piren/pirnen' = Birnen). Auch die wissenschaftliche Edition liest hier Beeren. Gemeint ist also: die gleiche Krapfen-Methode, aber mit einer Beerenfüllung.

Item dez geleychen mach von beren ein ful mit honigk vnd gewurtz vnd kniet ein tayg von ayeren vnd mel vnd mach zeltel darawß vnd verpindt die full darin alz krapffen sein sullen vnd pachs in schmaltz
dez geleychen

‚Desgleichen / auf gleiche Weise' - bezieht sich auf das vorhergehende Rezept (ri15632-028, gefüllte Birnen): gleiche Methode (süße Fruchtfüllung, in Teig gebacken), hier aber mit Beeren statt Birnen.

beren

Im Frühneuhochdeutschen ist ‚beren' (mit e-Vokal) als Beeren zu lesen - so auch die wissenschaftliche Edition. Zu unterscheiden von ‚biren/piren/pirnen' (mit i-Vokal) = Birnen; der Vokal entscheidet. Das vorige Rezept verwendet ‚pirnen' (Birnen), dieses ‚beren' (Beeren).

zeltel

Kleine, flache, dünne Teigfladen (Edition: ‚flache, dünne Kuchen'), die als Hülle für die Füllung dienen - nicht zu verwechseln mit ‚Zeltel' im Sinn von Lebkuchen.

krapffen

Gefüllte Teigtaschen, die in heißem Fett ausgebacken werden.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632
Folio
Fol. 147r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch, Benediktinerkloster Rott am Inn, 1458/1464)
Entstehung
Rott am Inn, Oberbayern, 1460

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartberen

Gewählte Lesart: Beeren - so glossiert es die wissenschaftliche Edition ausdrücklich. ‚beren' (e-Vokal) = Beeren, ‚biren/piren/pirnen' (i-Vokal) = Birnen; der Vokal trennt die beiden. Obwohl ‚desgleichen' an das Birnen-Rezept ri15632-028 anschließt, ist die Frucht hier laut Schreibung und Edition Beeren - ‚desgleichen' meint die Methode, nicht die Frucht.

Andere mögliche Lesart:

  • Birnen. - Naheliegend, weil ‚desgleichen' an das Birnen-Rezept anschließt - aber die e-Schreibung ‚beren' und die Edition sprechen klar für Beeren.

Lesartzeltel

Gewählte Lesart: Kleine, flache, dünne Teigfladen (Edition: ‚flache, dünne Kuchen') als Hülle für die Füllung - nicht Lebkuchen.

Originalwerk (~1460) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 147r, Bayerische Staatsbibliothek München, Clm 15632 (Rott am Inn, 1458/1464); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M10 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 15632), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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