Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Nimm einen Hasen und brühe ihn vor. Spicke ihn dann mit Speck. Lege den Hasen in eine Pastete und bestreue ihn mit Gewürzpulver. Serviere die Pastete mit Cameline-Sauce. Dies ist ein Gericht für den Sommer.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Lievre | 1 ganzer Hase | Metzger, Wildhändler | - |
| lardé | Speck zum Spicken | Metzger | - |
| pasté | Teig für eine Pastete (Mehl, Wasser, Salz, Fett) | - | - |
| pouldre | Gewürzpulver (Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer) | - | - |
| cameline | Cameline-Sauce | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine Hasenpastete - Wildfleisch in einer gebackenen Teighülle, dazu die klassische cameline, die meistverbreitete Würzsauce des französischen Mittelalters. Es ist die Wildvariante der gefüllten Fleischpastete und steht in einer Reihe mit dem gespickten Hasen zur Kamelinsauce, der dasselbe Paar Hase plus Cameline nur ohne Teighülle bietet.
Pourbouly (vorgebrüht) meint, den Hasen vor dem Einlegen kurz in kochendem Wasser zu blanchieren - das festigt das Fleisch und zieht Trübstoffe heraus. Anschließend wird er lardé, also gespickt: Speckstreifen werden mit der Spicknadel in das magere Wildfleisch eingezogen, damit es beim Backen nicht austrocknet.
Die pouldre ist eine fertige Gewürzmischung aus wärmenden Gewürzen - üblich sind Ingwer, Zimt, Nelke und Pfeffer. Sie wird über das Fleisch gestreut, bevor der Deckel aufkommt.
Die cameline trägt ihren Namen vom Zimt (canelle) und besteht aus Zimt, Ingwer, Essig und Verjus, mit eingeweichtem Brot gebunden - eine süß-säuerliche Sauce, deren Säure das fette Wild kontert. Dass der Hase ein viande d'esté (Sommergericht) ist, deutet auf junge Tiere und die kühle, säuerliche Sauce, die im Sommer gut bekömmlich war.
Praxis. Hasen in Stücken 5 Minuten blanchieren, abtrocknen, mit Speckstreifen spicken. In einen festen Mürbeteig (Mehl, Wasser, Fett, Salz) setzen, mit der Gewürzmischung bestreuen, Deckel auflegen und bei 180 °C etwa 60-75 Minuten backen, bis das Fleisch zart ist. Dazu die Cameline reichen.
Hase ist Wildfleisch und nicht immer im Supermarkt erhältlich. Frage beim Metzger deines Vertrauens oder bei einem Wildhändler nach. Manchmal bieten auch Wochenmärkte Wild an.
Nein, dieses Rezept ist nicht für die direkte Zubereitung am Lager geeignet. Die Herstellung einer Pastete mit Spicken und Backen erfordert eine gut ausgestattete Küche und einen Ofen. Bereite die Pastete zu Hause vor und bringe sie fertig mit.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch aus der Zeit um 1393. Es wurde für den Haushalt eines wohlhabenden Bürgers verfasst und bietet Einblicke in die gehobene bürgerliche Küche des späten Mittelalters.
Im Mittelalter war 'pouldre' oft eine Mischung aus wärmenden Gewürzen. Für dieses Rezept empfiehlt sich eine Mischung aus gemahlenem Ingwer, Zimt, Nelken und schwarzem Pfeffer. Die genaue Zusammensetzung variierte je nach Region und Verfügbarkeit.
Cameline-Sauce ist eine klassische mittelalterliche Gewürzsauce, die ihren Namen vom Zimt (französisch 'cannelle') ableitet. Sie besteht typischerweise aus Zimt, Ingwer, Essig und Verjus und wird oft zu Fleisch- und Wildgerichten serviert.
vorgebrüht - das Fleisch vor dem weiteren Garen kurz in kochendem Wasser blanchieren (festigt das Fleisch, zieht Trübstoffe).
gespickt - mit der Spicknadel Speckstreifen in mageres Fleisch einziehen, damit es saftig bleibt.
Gewürzpulver, eine fertige Mischung wärmender Gewürze (Ingwer, Zimt, Nelke, Pfeffer).
Cameline-Sauce, mittelalterliche Würzsauce aus Zimt, Ingwer, Essig und Verjus, mit Brot gebunden.
Sommergericht - hier wohl ein Hinweis auf junge Hasen und die säuerlich-frische, sommertaugliche Sauce.
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