Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Kräuter-Jowtes mit Mandelmilch

The Forme of Cury · England · 1390

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.4/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nehmt Kräuter, kocht sie, hackt sie und zerstoßt sie fein. Verdünnt die Kräutermischung mit Wasser. Setzt sie auf das Feuer und lasst die Kräuter mit der Mandelmilch sieden. Gebt Zucker und Salz hinzu und serviert es.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
erbes gemischte Kräuter (z.B. Petersilie, Mangold, Spinat, Brennnessel) 500 g Wochenmarkt -
water Wasser 200 ml Leitung -
almaunde mylke Mandelmilch 500 ml - -
sugur Zucker 1 TL - -
salt Salz 1 Prise - -

Welches Gericht ist das? Ein Jowtes - ein grüner Kräuterbrei bzw. eine dicke Kräutersuppe, hier mit Mandelmilch statt Fleischbrühe gebunden. Der lebende Verwandte ist die grüne Kräutersuppe bzw. das Frankfurter-Grüne-Soße-Prinzip eines pürierten Kräutergerichts; durch die Mandelmilch ist es eine reine Fastenspeise. Die Farbe kommt allein aus den Kräutern - kein zugesetztes Farbmittel.

Jowtes (verwandt mit frz. joute) bezeichnet ein Gericht aus gekochtem, zerstoßenem Grünzeug. Drawe hem up with water meint hier, die gehackten Kräuter mit etwas Wasser zu verdünnen, damit sie sich gut sieden lassen.

Praxis. Gemischte Kräuter und Blattgemüse (z.B. Petersilie, Mangold, Spinat, junge Brennnessel) kurz blanchieren, abtropfen, fein hacken und im Mörser - oder modern im Mixer - zerstoßen. Mit etwas Wasser verdünnen, mit der Mandelmilch in den Topf geben und sanft sieden lassen, bis es bindet. Mit Zucker und Salz abschmecken. Soll es feiner sein, alles durch ein Sieb streichen.

Was sind „Jowtes“?

„Jowtes“ bezeichnet im mittelalterlichen England einen Kräutereintopf oder -brei. Es war ein einfaches, nahrhaftes Gericht, das oft als Beilage oder als leichtes Hauptgericht, insbesondere an Fastentagen, serviert wurde.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung erfolgt in einem Topf über offenem Feuer. Die Kräuter können bereits zu Hause gewaschen und grob gehackt werden, um die Arbeit vor Ort zu minimieren.

Was bedeutet „rowtes“ im Rezept?

„Rowtes“ ist hier sehr wahrscheinlich ein Schreibfehler des mittelalterlichen Schreibers und sollte „erbes“ (Kräuter) oder „rotes“ (Wurzeln) bedeuten. Im Kontext eines „Jowtes“ (Kräutereintopf) ist die Interpretation als „Kräuter“ die plausibelste, da die „erbes“ die Hauptzutat sind, die nach dem Kochen erneut erwähnt werden.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im Mittelalter wurden Mörser oft für größere Mengen verwendet, um Zutaten wie Kräuter, Fleisch oder Nüsse zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Für dieses Rezept kannst du die Kräuter nach dem Kochen auch sehr fein hacken oder einen modernen Mixer/Küchenmaschine verwenden, um eine glatte Konsistenz zu erreichen. Ein kleiner Gewürzmörser ist hierfür nicht ausreichend.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“. Englisches Kochbuch der Hofköche Richard II. (~1390). Etwa 196 Rezepte der höfischen Küche Englands. Nah verwandt mit dem Ménagier de Paris - beide reflektieren die internationalisierte Küche des Spätmittelalters.

JOWTES OF ALMAUND MYLKE. XX.IIII Take erbes, boile hem, hewe hem and grynde hem smale. and drawe hem up with water. set hem on the fire and seeþ the rowtes with the mylke. and cast þeron sugur & salt. & serue it forth. Jowtes. V. ad No. 60.
Jowtes

Eine Art Kräutereintopf oder -brei, oft als Beilage oder leichtes Gericht.

Almaunde Mylke

Mandelmilch, ein häufiger Ersatz für Kuhmilch, besonders in der Fastenzeit, aber auch an Fleischtagen beliebt.

rowtes

Wahrscheinlich ein Schreibfehler für „erbes“ (Kräuter) oder „rotes“ (Wurzeln), hier als Kräuter interpretiert.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 44 recto
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

erbesherb Q207123
waterwater Q283
sugurunrefined cane sugar Q57656231
salttable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartrowtes

Gewählte Lesart: Die Lesart als „Kräuter“ oder „Kräutermischung“ wurde gewählt.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere mögliche Lesart wäre „Wurzeln“ (z.B. Rüben, Pastinaken). - „Rotes“ (Wurzeln) ist ein ähnliches Wort und Wurzelgemüse wurde ebenfalls in Eintöpfen verwendet. Allerdings würde dies die vorherige Erwähnung von „erbes“ etwas redundant machen, es sei denn, es handelt sich um eine Ergänzung. Die „erbes“ sind die Hauptzutat eines Jowtes.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 44 recto, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Kräuter zuhause waschen und grob hacken, am Lager nur noch kochen, fein zerstoßen und mit der Mandelmilch sieden. Ein Topf über offenem Feuer reicht.
Alle Rezepte aus The Forme of Cury Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.