Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Pour faire eaue rose sans chappelle, prenez ung bacin a barbier et liez d'une cueuvrechief tout estendu sur la gueule a guise de tabour. Et puis mectez vos roses sur le ceuvrechief, et dessus vos roses asseez le cul d'un autre bacin ou il ait cendres chaudes et du charbon vif. Pour faire eaue rose sans chappelle et sans feu, prenez deux baccins de voirre et en faictes comme dit est au blanc de ceste cedule. Et en lieu de cendres et charbon mectez tout au soulail, et a la chaleur d'icelluy l'eaue se fera.
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab
🏕 Lagerküche-Tipp: Benötigt zwei hitzebeständige Schüsseln und ein Tuch. Die Sonnen-Variante ist ideal für heiße Tage und benötigt keine Feuerstelle.
Um Rosenwasser ohne Destillierkolben herzustellen, nimm ein Barbierbecken und binde ein Tuch straff über seine Öffnung, wie bei einer Trommel. Lege dann deine Rosenblätter auf das Tuch. Darauf setze den Boden eines anderen Beckens, in dem sich heiße Asche und glühende Kohlen befinden. Der Dampf der Rosen wird im unteren Becken kondensieren und sich als Rosenwasser sammeln. Um Rosenwasser ohne Destillierkolben und ohne Feuer herzustellen, nimm zwei Glasbecken und verfahre wie zuvor beschrieben. Doch anstelle von Asche und Kohlen setze alles in die Sonne. Durch deren Wärme wird das Wasser entstehen.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| vos roses | Frische, ungespritzte Rosenblütenblätter | Garten / Wochenmarkt | — |
| cendres chaudes et du charbon vif | Heiße Asche und glühende Kohlen | — | — |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.
⚖ au blanc de ceste cedule
Gewählte Lesart: Der Verweis auf 'den Rand dieses Dokuments' ist eine typische Notiz in mittelalterlichen Manuskripten, die auf eine andere Stelle im Text oder eine bekannte Methode hinweist. Für die moderne Übersetzung wurde die beschriebene Sonnen-Destillationsmethode direkt integriert, da sie die logische Fortsetzung des Rezepts darstellt.
⚖ dessus vos roses asseez le cul d'un autre bacin ou il ait cendres chaudes et du charbon vif
Gewählte Lesart: Die heiße Asche und die glühenden Kohlen im oberen Becken dienen dazu, die Rosen von oben zu erhitzen und so den Dampf freizusetzen. Dieser Dampf steigt auf und kondensiert an den kühleren Innenwänden des unteren Beckens, wo er als Rosenwasser gesammelt wird. Dies ist eine Form der indirekten Beheizung und Kondensation.
Ein Destillierkolben (Alembik) ist ein spezielles Gerät zur Destillation, das aus einem Kessel, einem Helm und einem Kühler besteht. Dieses Rezept umgeht die Notwendigkeit eines solchen Geräts, indem es eine einfache, improvisierte Methode zur Gewinnung von Rosenwasser beschreibt, die mit Haushaltsgegenständen umgesetzt werden kann.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Feuer-Variante kann über einem Lagerfeuer mit zwei Metallschüsseln und einem Tuch umgesetzt werden. Die Sonnen-Variante ist ideal für heiße, sonnige Tage und benötigt lediglich zwei Schüsseln (idealerweise aus Glas) und ein Tuch, ganz ohne offenes Feuer.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die Küche und Haushaltsführung des späten Mittelalters.
Verwende am besten stark duftende, ungespritzte Rosenblütenblätter. Historisch wurden oft Damascener-Rosen (Rosa damascena) oder Zentifolien-Rosen (Rosa centifolia) verwendet, die einen intensiven und angenehmen Duft haben. Achte darauf, dass die Rosen frei von Pestiziden sind.