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Lamprete in Pastete oder gebraten

Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390

FischHauptspeise · FischLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeise
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchAnonimo Toscano - Libro della cocina (~1390)

Nimm die gut gewaschene Lamprete und reibe sie mit Salz ein. Schneide oder häute sie nicht. In jedes Loch des Kopfes stecke eine Nelke.

Und nachdem du eine feste Pastetenhülle zubereitet hast, lege die ganze Lamprete kreisförmig hinein, zusammen mit Gewürzen und Safran. Gib Rosenwasser hinzu und färbe die Oberfläche nach Belieben, dann decke sie zu.

Für kleine Lampreten: Auf ähnliche Weise kannst du kleine Lampreten ohne Nelken zubereiten, mit Rosenwasser und Säften von Zitronatzitronen, Orangen oder Limetten.

Gebratene Lampreten: Auch können die Lampreten gebraten und mit Sauce gegessen werden.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
lampreda Lamprete ⚠ Artenschutz: Wildfang ist in Deutschland und der EU streng geschützt und nicht legal erhältlich. Welsfilet (Zucht), Aal (Zucht, CITES II)
sale Salz - -
garofano Nelke - -
pasta dura Feste Pastetenhülle Supermarkt (Blätterteig oder Mürbeteig) Ein einfacher Mürbeteig aus Mehl, Wasser und Fett
spezie Gewürze - Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat, Zimt
zaffarano Safran Supermarkt, Gewürzhandel -
acqua rosada Rosenwasser türkischer, orientalischer Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
citrangole Zitronatzitronen Spezialitätenhandel, gut sortierter Supermarkt Zitronen
aranci Orangen - -
lomìe Limetten - -
salsa Sauce - Eine kräftige Essig-Pfeffer-Sauce oder eine moderne Fischsauce

Welches Gericht ist das? Eine Lamprete (Flussneunauge) in fester Teighülle gebacken - der Fisch-coppo des Anonimo Toscano (vgl. den Forellen-coppo ant-068). Die Lamprete galt im Mittelalter europaweit als Festdelikatesse; Pasteten ganzer Lampreten, kreisförmig in die Hülle gelegt, sind ein wiederkehrendes Luxusgericht. Heute ist die Art streng geschützt - das Rezept ist kulinarisches Dokument, kein Nachkoch-Rezept.

Coppo di pasta dura ist die feste, hochgezogene Mehlteig-Hülle, die zugleich Backform und Behälter ist. Die Nelken in den Kopflöchern (in ciascuno foro del capo metti uno garofano) würzen und parfümieren den Fisch von innen.

Der Text gibt drei Stufen: die aufwendige Pastete der ganzen Lamprete, eine einfachere Hülle für kleine Lampreten ohne Nelken (mit Rosenwasser und Zitrussäften), und schlicht gebratene Lampreten mit Sauce. Citrangole (Zitronatzitrone) und lomìe (Limette) liefern die Säure.

Praxis. Will man die Idee modern nachstellen, eignet sich Zuchtwels oder ein anderer fester Süßwasserfisch in einer festen Mürbeteig-Hülle: Fisch salzen, mit Pfeffer-Ingwer-Nelken-Galgant und etwas eingeweichtem Safran würzen, einschlagen und im Ofen bei 180 °C backen; nach dem Backen einen Schuss Rosenwasser oder Zitrussaft durch ein Loch in der Kruste geben. Die Oberseite färbt man periodentreu mit Safran (gelb) oder Eigelb, nicht mit moderner Lebensmittelfarbe.

Wo bekomme ich Lampreten für dieses Rezept?

Lampreten (Flussneunaugen) sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gefangen oder gehandelt werden. Für moderne Nachkocher empfehle ich als Alternative Welsfilet aus Zucht oder, falls erhältlich und ethisch vertretbar, Aal aus nachhaltiger Zucht (CITES Anhang II).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung einer Pastete erfordert einen Backofen, und die frische Lamprete müsste gekühlt werden, was im Lager schwierig ist. Zudem ist die Lamprete eine geschützte Art.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro della cocina‘, auch bekannt als ‚Anonimo Toscano‘, einem Kochbuch aus dem späten 14. Jahrhundert, verfasst in toskanischem Volgare. Es bietet Einblicke in die bürgerliche und höfische Küche Norditaliens dieser Zeit.

Was ist eine ‚feste Pastetenhülle‘ (coppo di pasta dura) und wie mache ich sie?

Eine ‚feste Pastetenhülle‘ war im Mittelalter eine robuste Teighülle, die oft aus Roggen- oder Weizenmehl, Wasser und etwas Fett hergestellt wurde. Sie diente nicht nur als Behälter, sondern schützte die Füllung beim Backen und Transport. Für moderne Nachkocher kann ein einfacher Mürbeteig oder auch ein fertiger Blätterteig verwendet werden, der stabil genug ist, um die Füllung zu halten.

Togli la lampreda bene lavata e striccala col sale: non si tagli né si scortichi; in ciascuno foro del capo metti uno garofano; e fatto il coppo di pasta dura, ponavisi dentro la detta lampreda sana a modo di cerchio con spezie e zaffarano: mettavisi dentro acqua rosada, e colorala di sopra, come vuoli, e coprila. Simile modo si può fare di lamprede picciole senza garofani, con acqua rosada e succhi di citrangole, aranci o lomìe. Anche si possono le lamprede arrostire e mangiarle con la salsa.
lampreda

Die Lamprete, auch Neunauge genannt, ist ein aalähnlicher Rundmundfisch. Im Mittelalter war sie eine beliebte Speise, heute ist sie in Deutschland und der EU streng geschützt.

coppo di pasta dura

Eine feste Pastetenhülle, die als Backform und gleichzeitig als essbare Umhüllung diente. Sie musste stabil genug sein, um die Füllung während des Backens zu halten. Siehe auch Coppo-Cluster in den Grundlagen für die übergreifende Form-Erklärung und alle sechs Varianten im Anonimo Toscano.

acqua rosada

Rosenwasser, ein aromatisches Destillat aus Rosenblüten, das in der mittelalterlichen Küche häufig zum Würzen von süßen und herzhaften Speisen verwendet wurde.

citrangole

Zitronatzitronen, eine alte Zitrusfrucht, die für ihren dicken, aromatischen Schalenanteil bekannt ist. Ihr Saft ist sehr sauer und wurde wie Verjus verwendet.

lomìe

Limetten, eine weitere saure Zitrusfrucht, die im Mittelalter in Südeuropa bekannt war und zum Säuern von Speisen diente.

Handschrift
Libro della cocina (Anonimo Toscano)
Sprache
Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)
Entstehung
Toskana, Italien, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartlampreda

Gewählte Lesart: Die Lamprete (Flussneunauge) ist eine aalähnliche Fischart, die im Mittelalter als Delikatesse galt. Aufgrund ihres heutigen Schutzstatus muss für moderne Nachkocher eine Alternative gewählt werden.

Lesartcoppo di pasta dura

Gewählte Lesart: Dies wurde als eine stabile, feste Pastetenhülle interpretiert, die das Gericht umschließt und schützt.

Andere mögliche Lesart:

  • Man könnte es auch als eine Art Auflaufform aus Teig verstehen, die nicht unbedingt vollständig geschlossen sein muss. - Der Begriff ‚coppo‘ kann auch eine Schale oder ein Gefäß bezeichnen, was eine offenere Form implizieren könnte. Der Kontext der ‚Abdeckung‘ am Ende des Satzes legt jedoch eine geschlossene Pastete nahe.

Lesartspezie

Gewählte Lesart: ‚Spezie‘ wurde als allgemeine Bezeichnung für Gewürze übersetzt, da keine spezifischen Gewürze genannt werden. Typisch für die Zeit wären Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat oder Zimt.

Lesartcolorala di sopra, come vuoli

Gewählte Lesart: Diese Anweisung wurde als ‚färbe die Oberfläche nach Belieben‘ übersetzt, was auf eine dekorative Gestaltung der Pastetenkruste hinweist, möglicherweise mit Safran, Eigelb oder anderen Farbstoffen.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Zambrini-Edition Bologna 1863, S. 128 (Del coppo di lampreda.) - Public Domain. Quelle: Internet Archive (illibrodellacuci00bolouoft, p128)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Pasteten-Variante braucht einen Ofen oder eine Backglocke über Glut. Die am Schluss genannte gebratene Lamprete mit Sauce ginge zwar am Feuer, scheitert am Lager aber ohnehin am Artenschutz - die Lamprete ist streng geschützt.
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